Riverbanks

Ein Film, der nicht aktueller sein könnte: Ein bewegendes Liebesdrama über die aktuelle Flüchtlings­situation, das zudem auch das Schicksal der Kinder beleuchtet. Regisseur Panos Karkanevatos erzählt die Geschichte zweier Menschen, deren Leben und Liebe zufällig den Trampelpfad einer großen humanitären Krise kreuzen, schlicht und leise, ohne dabei auf Spannung zu verzichten.

Webseite: www.realfictionfilme.de

Griechenland/Deutschland/Türkei 2015.
Regie: Panos Karkanevatos
Darsteller: Andreas Konstantinou, Elena Mavridou, Levent Üzümcü.
Länge: 96 Min.
Kinostart: 19.11.2015

Pressestimmen:

„Leises, unsentimentales Drama, das die komplexe Situation aller Beteiligten mit dokumentarischer Präzision ausbreitet. Ohne Schuldzuweisungen und einfache Lösungen trifft der Film genau den richtigen Ton, um für die Opfer der Flüchtlingskrise zu sensibilisieren.“
film-dienst

"Der Weg über die Türkei nach Europa zählt zu den am häufigsten genutzten Fluchtrouten. Hier eine Liebesgeschichte erzählen zu wollen, kündet von ordentlich cineastischem Mut. Der Film ist gelungen wie auch sehr sehenswert."
Amnesty Journal 12-2015/1-2016

FILMKRITIK:

Die griechisch-türkische Grenze. Europa und Asien treffen hier aufeinander. Der Fluss Evros trennt die beiden Länder. Von der Zypern-Auseinandersetzung 1974 her sind die Ufer noch vermint. Yannis hat sich freiwillig zum Minensuchtrupp gemeldet. Dabei setzt er täglich sein Leben aufs Spiel. Mit seinem seelischen Befinden steht es nicht besonders gut. Seine Lebenslust hat er verloren. Warum er so depressiv ist, weiß man nicht. Eines fällt auf: Er scheint, jedenfalls bis zu einem gewissen Grad, eine seherische Gabe zu haben.

Chryssa lebt in der Nähe. Um ihre Finanzen aufzubessern, schleust sie nachts Flüchtlinge über den Fluss, vor allem Kinder, die noch dazu Drogen transportieren, jedoch dafür nicht belangt werden können, weil sie strafunmündig sind.

Ivo ist der brutale und völlig gewissenlose Schleuserboss, der auch morden lässt, wenn seine Kreise gestört werden. Ausgerechnet von ihm hat Chryssa ein Kind.

Yannis entdeckt Chryssa bei ihrer Schleuser-“Arbeit“. Er verrät sie nicht, stellt ihr nach, bis aus den beiden ein Liebespaar wird. Das wird Yannis neuen Lebensmut geben.

Doch Ivo und seinen kriminellen Genossen passt das nicht. Die Tragödie ist programmiert.

Schon 2014 war für viele ein dramatisches, verheerendes Flüchtlingsjahr. Und das Drama spitzt sich zusehends zu. Insofern könnte der Film aktueller nicht sein. Er befasst sich zunächst in erster Linie mit dem seelischen Befinden von Yannis, dann mit Chryssas aus der Not geborenen Tätigkeit sowie der damit verbundenen Liebesgeschichte, schließlich mit der verbrecherischen Schleuserbande und ihrem skrupellosen, tödlichen Handwerk.

Die drei Ebenen und Handlungsteile sind gut und abwechselnd miteinander verwoben. Insgesamt wirkt dieser Film so tragisch wie das jetzt herrschende allgemeine Flüchtlingsdrama. Dies ist aber nicht nur gefilmte Tragik, sondern sich täglich vielfach ereignende Wirklichkeit. Eines unter unzähligen Bildern von Flüchtlingen.

Der inszenatorische Stil ist dem bitteren Thema angepasst: ruhig, ein wenig verloren, manchmal im Guten, manchmal im Bösen aufflackernd.

Andreas Konstantinou (Yannis), Elena Mavridou (Chryssa) oder Levent Üzümcü (Ivo) mögen hierzulande als Darsteller unbekannt sein, an ihrem guten Spiel ändert das nichts.

Einen aktuelleren Film gibt es nicht.

Thomas Engel