Ronnie Wood

In den letzten Jahren gab es vermehrt Dokumentationen, die sich abseits von Mick Jagger und Keith Richards mit den Mitgliedern der Rolling Stones befasst haben. Der renommierte britische Filmemacher Mike Figgis hat nun ein zwar recht konventionelles, aber ansprechendes Porträt des Gitarristen Ron Wood abgeliefert. Es ist die Geschichte eines Mannes, der in der Rock-Historie nicht wegzudenken ist, der aber auch vom Überwinden seiner Sucht erzählt und von seiner neuen Leidenschaft – der Malerei.

Website: http://events.pieceofmagic.com/ronnie-wood-somebody-up-there-likes-me-de/

Ronnie Wood – Somebody Up There Likes Me
Großbritannien 2019
Regie: Mike Figgis
Darsteller: Ronnie Wood, Mick Jagger, Keith Richards
Länge: 71 Minuten
Verleih: Piece of Magic Entertainment
Kinostart: 25. Juni 2020

FILMKRITIK:

„In meinem Kopf bin ich niemals älter als 29 Jahre geworden. Die Zeit verging so schnell. 70 zu sein, ist ein merkwürdiges Gefühl“, erzählt Ronnie Wood. Es muss tatsächlich ein eigentümliches Gefühl sein, wenn Rock’n’Roll das eigene Leben definiert hat – und viele Musiker in weit jüngeren Jahren am damit einhergehenden Lebensstil zugrunde gingen. Das hätte auch Ronnie Wood passieren können, das ist ihm sehr wohl bewusst. Er rauchte wie ein Schlott, er war Alkoholiker, er nahm Drogen. Sein Vater hätte sich da wohl im Grab umgedreht. „Keiner meiner Söhne nimmt Drogen“, sagte Woods Vater immer, wie er sich erinnert. Ronnie tat es, aber er überlebte es.

Im intimen Gespräch mit Figgis wirft Wood einen Blick zurück auf sein Leben. Dass die Zeit zu schnell verging, ist alles, was er bereut. Er scheint ein Mensch zu sein, der mit sich und seinem Leben glücklich ist. Immer war er impulsiv, immer ließ er sich ganz und gar auf das ein, was er liebte – auch und gerade die Frauen. Figgis fragt ihn, ob ihm das nicht auch viel Schmerz eingebracht hätte. „Nein, es brachte mir sehr viel Freude“, entgegnet Figgis. Liebschaften mögen geendet haben, und das vielleicht nicht auf die beste Art und Weise, aber Wood hat sich dazu entschieden, sich an das Gute zu erinnern und die gemeinsamen Zeiten zu feiern.

Wood schloss sich den Rolling Stones im Jahr 1975 an. Zuvor war er Mitglied anderer Bands, so etwa auch The Faces, deren Hit „Ooh La La“ er mitgeschrieben hat. Musik war immer sein Leben, aber nicht die einzige Leidenschaft. Wood ist auch ein passionierter Maler, dem bewusst ist, dass man ihn wegen seiner Karriere als Rock’n’Roller in dieser Disziplin niemals ernst nehmen wird. Aber er malt für sich. Es ist die Freude am Erschaffen, die ihn dazu antreibt.

Mike Figgis‘ Film ist schön unaufgeregt. Ein paar von Ronnies Wegbegleitern kommen zu Wort, ihre Geschichten sind aber nicht unbedingt etwas Besonderes. Sie zeichnen das Bild eines im Großen und Ganzen angenehmen Menschen. Ob er sich verändert hat, will Figgis wissen. „Nein, nicht wirklich. Naja, vielleicht ist er ein bisschen ruhiger geworden.“

Peter Osteried