Ronny & Klaid

Dumm und dümmerer, so lautet das Motto bei diesem deutschen Trash-Cocktail. „Schön blöd!“, dachte auch Fatih Akin, der diesen Nonstop-Nonsens-Klamauk mit einem selbstironischen Gastauftritt als kiffender Kultregisseur adelt. Die Story der Gangster-Klamotte passt auf einen halben Bierdeckel: Die titelgebenden Jungs brauchen ziemlich dringend ziemlich viel Geld. Dazu entführen sie jene Kunden in ihrem Kiez-Kiosk, die sie für potentielle Millionäre halten. Jeder dritte Gag gelingt, zumindest in der ersten Halbzeit. Danach geht den Machern spürbar die Ideen-Luft aus, das Pointen-Pulver wird klamm und klammerer. Akins fröhlicher Auftritt allerdings gerät zum cool komisch Coup und ist Pflicht für alle Fatih-Fans.

Webseite: www.der-filmverleih.de

D 2018 /2019
Regie: Erkan Acar
Darsteller: Franz Dinda, Sahin Eryilmaz, Xenia Assenza, Guido Broscheit, Fatih Akin, Jenny Elvers, Gedeon Burkhard
Filmlänge: 121 Minuten
Verleih: Studio Hamburg Enterprises GmbH
Vertrieb: Der Filmverleih
Kinostart: 10.10.2019

FILMKRITIK:

„Wer ist Millionär?“ fragen sich die Ronny (Franz Dinda) und sein Kumpel Klaid (Sahin Eryilmaz) bei der Kundschaft in ihrem Spätkauf-Kiosk. Die Buddy-Chaoten brauchen dringend Geld, hat Klaid beim illegalen Roulette doch kurz mal 80.000 Euro verzockt. „Hört sich mehr an als es ist!“, witzelt der Verlierer optimistisch. Der lokale Mafiaboss Chipper (Guido Broscheit) versteht indes keinen Spaß und setzt knallhart eine Zahlungsfrist von sieben Tagen. Nur gut, dass der fiese Gangster noch nicht ahnt, welch heftige Romanze zwischen seiner hübsche Tochter Emily und ausgerechnet Ronny entbrennt.

Das Internet bringt die Kiosk-Betreiber spontan auf die rettende Idee. Jeder zehnte Berliner sei Millionär, heißt es dort. Die Statistik muss auch für ihre Späti-Kunden gelten, sagt sich das Duo und schmiedet den perfekten Plan. Wer zehn Leute entführt, hat automatisch einen Millionär im Netz. Zu Sicherheit soll ein Reichtums-Raster bei der Auswahl zahlungskräftiger Opfer helfen. Juden, Schwule, Fußballer, Rapper, Hacker oder Galeristen haben Kohle. Und natürlich Leute vom Film: „Wir entführen Fatih Akin?“ – „Hammer!“.  

Der Kiosk-Keller der Chaoten füllt sich schnell mit Kidnapping-Opfern. Der Coup läuft indes nicht ganz so clever wie gedacht. Vor allem Fatih Akin lässt Träume platzen. „Regisseure verdienen nichts. Ich verdiene gerade so viel, dass ich davon leben kann, Digger. Schau dir meine Klamotten an. Produzenten, die verdienen die Kohle. Ihr müsst euch einen Produzenten schnappen“, heißt sein ernüchternder Ratschlag an die Entführer. Jetzt hilft Ronny und Klaid nur noch Plan B – und der hört auf den hübschen Namen Emily.

Das groteske Gaunerstück präsentiert sich als Gag-Parade, die auf blühenden Blödsinn pur setzt und keine Berührungsängste vor tiefer gelegten Pointen hat. Ganz im Gegenteil: Der Quatsch hat Methode, das Quasseln scheut auch vor kalauerndem Wortspielchen-Krampf nicht zurück. „Rot oder Weiß?“ heißt etwa die Frage beim Wein. „Rot weiß gemischt, wie bei den Pommes“, lautet die Antwort. Auf ein „Bist du sicher?“ kommt „So sicher, wie die Armen in der Kirche“. Derweil der Auftritt im Ryan Gosling-Modus mit einem „Bon Giorno, John Porno!“ beginnt oder Jenny Elvers als „Die Milfs der Milfs“ vorgestellt wird.

Knietief waten die Knallchargen durchs Klischeegestrüpp. Wem der lispelnde Mafiosi nicht genügt, bekommt als Zulage den Stotterer dazu und obendrein noch einen mit derart derbem Dialekt, dass selbst der Ober-Boss meint: „Hör auf zu sprechen. Dein sächsisch macht mich aggressiv!“.  

Bisweilen gerät dieser Quatsch Comedy-Club so absurd wie Helge Schneider, oft so läppisch wie „Lammbock“ und meistens so saublöd wie „Erkan & Stefan“ oder „Nonstop Nonsens“. Die zwei Stunden Laufzeit sind freilich spürbar zu lang, in der zweiten Halbzeit geht den Machern öfters die Pointen-Luft aus. Als Pluspunkt erweisen sich Franz Dinda und Sahin Eryilmaz als gutmütiges Deppen-Duo. Zum wahres Sahnehäubchen gerät der selbstironische Auftritt von Fatih Akin, für den zu Dreharbeiten natürlich das Drehen von fetten Joints gehört. „Danke, perfekt. Gegenschuss!“ sagt der Meister. „Das war der Gegenschuss!“, antwortet der Assistent. Wenn die eitlen TV-Redakteure beim Set-Besuch den Namen von Fatih noch nicht einmal richtig aussprechen können, fühlen sich erfahrene Cannes-Gänger gewiss an jenen realen Fettnäpfchen-Auftritt eines Kulturstaatsministers erinnert, der seinen Stargast beim Deutschen Empfang einst mit „Atich Fakin“ begrüßte. So etwas würde noch nicht einmal Trotteln wie Ronny & Klaid einfallen.

Dieter Oßwald