Schatz, nimm du sie!

Toni und Marc erhalten die große Chance, beruflich ins Ausland zu gehen. Da sie sich eh scheiden lassen wollen, eigentlich kein Problem – wären da nicht die beiden Kinder, um die sich keiner der Zwei kümmern will. Der Beginn eines außergewöhnlichen Ehe-Streits. „Schatz, nimm du sie!“ ist eine bissige, mit derben Witzen und viel Slapstick ausgestatte Satire. Über weite Strecken bietet der Film zwar gelungene Pointen und kurzweilige Unterhaltung, einige arg geschmacklose, pubertäre Gags und hemmungslos überzeichnete Szenen kann er sich aber auch nicht verkneifen.

Webseite: www.wildbunch-germany.de

Deutschland 2016
Regie: Sven Unterwaldt
Darsteller: Maxim Mehmet, Carolin Kebekus, Ludger Pistor, Bejo Dohmen, Annette Frier, Axel Stein
Länge: 92 Minuten
Verleih: Wild Bunch Germany
Kinostart: 16. Februar 2017

FILMKRITIK:

Einvernehmlich wollen sich Toni (Carolin Kebekus) und Marc (Maxim Mehmet) scheiden lassen. Eine Freundschaft soll aber bestehen bleiben, auch wegen der beiden Kinder, Emma (Arina Prokofyeva) und Tobias (Arsseni Bultmann). Das Verhältnis zwischen Toni und Marc verschlechtert sich jedoch rapide, als die (Noch-)Eheleute die Möglichkeit erhalten, beruflich ins Ausland zu gehen. Den Beiden wird klar: wer auch immer sich um die Kinder kümmert, kann den großen Karriereschritt vergessen. Deshalb schmieden sie einen Pakt und lassen die Kinder entscheiden, bei wem sie leben wollen. Von nun an beginnt ein Sorgerechtsstreit der ganz besonderen Art. In dessen Verlauf wollen sich Toni und Marc bei ihren Kindern so unbeliebt wie möglich machen. Das Ziel: den Kindern verdeutlichen, dass sie beim Anderen besser aufgehoben sind.

„Schatz, nimm du sie!“ ist die deutsche Variante der französischen Erfolgskomödie „Mama gegen Papa“, die sich 2015 in ihrem Heimatland ein Riesenerfolg wurde und eine Fortsetzung nach sich zog. Regie führte Comedy-Experte und Drehbuchautor Sven Unterwaldt, der früher TV-Formate wie z.B. „Switch“, „Anke“ oder „Alles Atze“ verantwortete. Einen Riesenerfolg erzielte Unterwaldt 2004 mit seinem zweiten Kinofilm „7 Zwerge“.

In „Schatz, nimm du sie!“ regiert von Beginn an ein grobschlächtiger, derber Humor. Dieser zeichnet sich z.B.  dadurch aus, dass gehörig Schläge ausgeteilt und dem Gegenüber herbe Sprüche an den Kopf geworfen werden. Zudem verlangt der Film den Darstellern immensen Körpereinsatz ab, was schon in der Eröffnungssequenz deutlich wird: diese führt das spätere Ehepaar, Toni und Marc, ein und zeigt es in jungen Jahren auf einer Party. Ein Streit zwischen den Beiden eskaliert schließlich derart, dass sie sich bald eine rasante, zerstörerische Verfolgungsjagd durchs ganze Haus liefern und sich mit verschiedensten Gegenständen bewerfen. Diese Szene steht quasi stellvertretend für den lauten, knalligen Brachial-Humor, den Unterwaldt in der zweiten Filmhälfte ein ums andere Mal auf die Spitze treibt.

Über weite Strecken ist „Schatz, nimm du sie!“ aber spaßig und sehr unterhaltsam. Viele Pointen und Scherze sitzen. Einige davon ziehen sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film und begegnen einem – in abgewandelter Form – häufiger: so gerät z.B. der niedliche Hamster von Tobias immer wieder zwischen die Fronten und muss in der Folge so einiges aushalten. Auch viel Zeit zum vergnüglichen Fremdschämen bleibt, wenn Toni und Marc alles dafür tun, um sich bei den Kindern unbeliebt zu machen. Etwa, wenn sich Toni auf einer Party ihrer Tochter hemmungslos betrinkt, einen lasziven Tanz aufs Parkett legt und schließlich blank zieht – und sich tags darauf in einem YouTube-Video wieder findet. Oder Marc, der seine beiden Sprösslinge z.B. bis ins Klassenzimmer begleitet und sie mit Küsschen und peinlichen Liebesbekundungen, verabschiedet.

Ab und an schießt Unterwald mit seinem Humor aber übers Ziel hinaus. Dann wird es hier und da doch zu klamaukig und infantil. So z.B. bei der hemmungslos überzogenen Geburtstagsparty am Ende, die in einer heftigen Prügel-Orgie ausartet und große Teile des Hauses beschädigt. An diesen Stellen verkehren sich Humor und Slapstick-Elemente ins Gegenteil und wirken nur noch überzeichnet und maßlos. Probleme bereitet auch der Umstand, dass man sich zu keiner Zeit in die nicht gerade sympathischen Hauptfiguren hineinversetzen kann. Empathie oder gar Sympathie, entstehen für Toni und Marc nie, weshalb einem die beiden Figuren relativ egal sind.

Doch „Schatz, nimm du sie!“ soll andererseits auch nicht als einfühlsame Scheidungs-Komödie mit intelligentem Witz funktionieren. Vielmehr geht es um einen gnadenlos brutal geführten Ehe-Zwist der etwas anderen Art. Und dieser sorgt alles in allem auch deshalb für kurzweilige Unterhaltung, weil die beiden Hauptdarsteller mit viel Spielfreude und Spaß an der Sache, agieren. Wer deftigen Klamauk ohne viel Anspruch sucht, wird hier fündig.

Björn Schneider