Schenk mir dein Herz

In diesem fürs Fernsehen produzierten Film spielt Peter Lohmeyer einen alternden Schlagerstar, der nach einem Herzinfarkt an Gedächtnisstörungen leidet. In einem Sanatorium findet er mit Hilfe eines alten – von Legende Paul Kuhn gespielten – Jazzmusikers wieder zu sich, seiner Musik und seiner wahren Liebe zurück. Ein leidlich unterhaltsamer Film, der aber nicht wirklich Kinogröße erreicht.

Webseite: www.zorrofilm.de

Deutschland 2010
Regie: Nicole Weegmann
Drehbuch: Ruth Toma
Musik: Birger Clausen, Paul Kuhn
Darsteller: Peter Lohmeyer, Paul Kuhn, Mina Tander, Catrin Striebeck, Louis Klamroth, Katja Geist
Länge: 90 Min.
Verleih: Wüste Film
Kinostart: 5. Mai 2011

PRESSESTIMMEN:

Dieser Film besticht durch seine Leichtigkeit, seine Präzision, seine grandiose Ausstattung und seine Liebe zu den Figuren. Traurig und wehmütig auf der einen Seite, humorvoll, ironisch auf der anderen, findet er eine ungewöhnlich feine Balance, die den Zuschauer charmant einfängt.
Aus der Laudatio der Hamburger Jury zum Produzentenpreis 2010 im Rahmen des Filmfestes Hamburg

Der Kinobesuch lohnt sich allein für das Duo Peter Lohmeyer und Paul Kuhn, die aufkeimende Männerfreundschaft ist spannend anzugucken. "Schenk mir dein Herz", untermalt mit Swing Jazz, geht zu Herzen.
kino kino, BR-Online

FILMKRITIK:

Alexander Ludwig (Peter Lohmeyer) hält sich für den Größten. In bonbonfarbener Kleidung stolziert er geckenhaft durch die Gegend, verlangt nach seinem Manager und weigert sich, vor zu wenig Publikum aufzutreten. Dass er den Zenit seiner Karriere schon längst überschritten hat, ist allerdings nicht das größte Problem in seinem Leben. Viel dramatischer ist die Tatsache, dass er nach einem Herzinfarkt an Gedächtnisstörungen leidet: An lange Zurückliegendes kann er sich noch erinnern, Neues dagegen vergisst er sofort wieder. In einem Sanatorium soll er sich erholen, doch der Aufenthalt wird zu weit mehr. In seinem Mitpatienten Heinrich (Paul Kuhn) findet Alexander eine verwandte Seele, einen Musiker aus Fleisch und Blut, mit dem er bald täglich Musik spielt. Problematisch ist, dass er sich zwar an seine ihm seit langer Zeit entfremdeten Ex-Frau Edda (Catrin Striebeck) erinnert, aber nicht an seine junge, hübsche zweite Frau Maria (Mina Tander). So wird die Rekonvaleszenz für Alexander zu einer Konfrontation mit seiner Vergangenheit, die in der Erkenntnis mündet, dass er lange Jahre ein wenig sympathischer Mensch war.

Die Grundsympathie, die man dem etwas bärbeißigen, aber immer liebenswert wirkenden Peter Lohmeyer entgegenbringt, benutzt Nicole Weegmanns Film geschickt. Totz aller Macken, die Alexander Ludwig augenscheinlich besitzt, trotz seiner übergroßen Egozentrik: wirklich Böse kann man dieser Person nicht sein. Irgendwo zwischen leichter Komödie und leichtem Drama ist „Schenk mir dein Herz“ angesiedelt, aber er traut sich nie wirklich, die Möglichkeiten seines Konzepts auszureizen. Weder das komödiantische Potential – etwa der Running Gag, das Alexander seine Frau Maria immer wieder vergisst und jedes Mal aufs neue verwundert ist, wer denn dieses hübsche Mädchen ist – noch die dramatische Komponente – in erster Linie Alexanders Konfrontation mit seinen wenig angenehmen Eigenschaften – werden wirklich ausgespielt. Hier merkt man dem Film doch sehr seine Herkunft vom Fernsehen an, die sich in konventioneller Bildauflösung und der typischen Eigenschaft eines Fernsehfilms zeigt, Dinge nicht nur einmal zu erzählen, sondern mindestens drei Mal, damit auch jeder es versteht.

So lebt der Film in erster Linie vom Zusammentreffen Peter Lohmeyers mit Schlager-Legende Paul Kuhn. Der ist zwar nicht wirklich ein Schauspieler, bringt aber eine natürliche Lässigkeit mit, die sich in seinen wenigen Szenen auf den ganzen Film übertragen. Dass die von Kuhn, Lohmeyer und der gemeinsamen Band gespielte Musik eher sanftes Sonntag-Morgen Gedudel ist, passt zum Rest des Films. Positiv betrachtet leicht, negativ gesagt seicht läuft „Schenk mir dein Herz“ ab, Konfrontatioenn werden kaum mehr als angerissen, substanzielle Charakterisierungen nur angedeutet. Insgesamt, positiv formuliert, irgendwie nett vielleicht…

Michael Meyns

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