Schmidts Katze

Nach der „Kirche im Dorf“ folgt bereits der nächste Schwabenstreich. Auch hier ist das Figurenkarussell mit höchst eigenwilligen Typen der etwas schrulligen Art besetzt. Im Zentrum steht Junggeselle Werner, ein Biedermann und Brandstifter, der den mangelnden Erfolg bei den Frauen dadurch kompensiert, in dem er nächtens Autos abfackelt. Als eine seiner brenzligen Aktion dramatisch aus dem Ruder läuft, rettet er in letzter Minute die bewusstlose Fahrerin und nimmt sie mit ins traute Heim. Kaum erwacht, stellt die resolute Sibylle das geruhsame Leben von Werner radikal auf den Kopf – der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, doch der mysteriösen Dame ist ein Finsterling namens Frehse (!) auf der Spur. Das Lustspiel kann durch prominente Gastauftritte, gelungene Situationskomik und ulkige Dialoge punkten. Bisweilen freilich fällt die Sache arg läppisch aus und schrammt am Mundart-Trash vorbei – womit auch Schwabenhasser auf ihre Kosten kommen.

Webseite: www.schmidtskatze-film.de

D 2015
Regie Marc Schlegel
Darsteller: Michael Lott , Christiane Seidel , Michael Kessler , Franziska Traub , Alexander Fennon, Volker Zack Michalowski , Georg Alfred Wittner , Tom Gerhardt, Désirée Nick
Filmlänge: 90 Minuten
Verleih: MFA+ FilmDistribution
Kinostart: 24.9.2015

FILMKRITIK:

„Erster schwäbische James Bond“ titelte die Heimatzeitung nach der örtlichen Premiere. Bei allem jubilierendem Lokalpatriotismus: Ein bissle muss man die Kirche dann doch im Dorf lassen. Gerade die Action-Einlagen nämlich zählen nicht unbedingt zu den Stärken dieser Schwaben-Komödie. Macht aber wenig. Zum einen handelt es sich schließlich um ein Debüt, wer will da schon die perfekte Verfolgungsjagd erwarten? Zum anderen, viel wichtiger, liegen die Stärken in Situationskomik und ulkigen Dialogen. Das erweist sich bereits beim Auftakt, wo beim Speed-Dating die Pointen bestens purzeln. Werner Schmidt heißt der traurige Held aus dem beschaulichen Waiblingen, er ist Mitte 40, arbeitet im Baumarkt – und sucht dringend eine Frau. Die Flirtversuche der Nachbarin bei der Kehrwoche ignoriert er chronisch, darum schleppt ihn sein bester Freund und Kollege Uwe zum Speed-Dating. Mit seinen „Hobbys Modellbau und alles was mit Elektronik zu tun hat“ hat Werner freilich kaum Erfolg. „Erwähn’ dein Haus. Mit Betongold bischt du der King!“, rät Kumpel Uwe und: „Das allerwichtigste isch Humor“. Doch der Funke will einfach nicht überspringen. Den Frust beim Flirt kompensiert der Biedermann als Brandstifter: Nachts fackelt er mit selbst gebastelten Sprengsätzen gerne Autos ab. Im Ländle von Daimler und Porsche keine so gute Idee. „Hier geht’s doch net um irgendwas. Hier geht’s um unsere Autos!“, unkt Uwe und ruft zur Bürgerwehr. „Wehrwoche statt Kehrwoche“ lautet das Motto. Um keinen Verdacht zu erregen, muss Werner mitmachen. Das Zündeln will er jedoch nicht lassen.  
 
Als seine nächste brenzlige Aktion dramatisch aus dem Ruder läuft, rettet er in letzter Minute die bewusstlose Fahrerin und nimmt sie mit ins traute Heim. Kaum erwacht, stellt die resolute Sibylle das geruhsame Leben von Werner radikal auf den Kopf. Die Schneekugel-Produzentin braucht dringend einen Unterschlupf, wird sie doch von kriminellen Immobilien-Haien gejagt. Der ordnungsliebende Pyromane reagiert zunächst entsetzt auf die neue Mitbewohnerin, doch bleibt ihm keine andere Wahl. Zum einen kennt Sibylle sein Geheimnis, zum anderen hat er nun endlich eine Frau im Haus – was wiederum die Nachbarin Eisele und Kumpel Uwe ziemlich wundert. Deren Neugier lässt sich spontan nur mit einem starken Getränk betäuben: Einem „Trollingerdaiquiri“, den der erfinderische Werner kurzerhand mischt. Um den fiesen Kriminellen namens Frehse loszuwerden, braucht es indes mehr…
 
Mit seinem Abschlussfilm „Das Begräbnis des Harald Kramer“ gewann Marc Schlegel neben dem Münchener Luggi-Waldleitner-Preis vor zwei Jahren auch beim L.A. Comedy Shorts Film Festival den Preist für den besten Studentenfilm. Für sein Spielfilmdebüt könnte sich der Jungfilmer neben Gastauftritten von Désirée Nick und Tom Gerhard den bewährten „Switch“-Parodisten Michael Kessler für die Hauptrolle des Uwe sichern. Der liefert sich mit seinem Partner Michael Lott („Wie die Karnickel“) ein recht amüsantes Kumpel-Gefecht. Auch die aus „Rita’s Welt“ bekannte Comedypreisträgerin Franziska Traub erweist sich als verlässlich charmanter Trumpf. Das gut aufgelegte Ensemble spielt manche Macken bei Timing und Story munter weg. Der sächselnde Trottel in Polizei-Uniform etwa oder der schrullige Kloschüssel-Erfinder bleiben beim Pointenpotenzial als Running Gag eher klamottig als prickelnd. Perfekt punktgenau fällt derweil der überraschende Tod der Titel gebende Katze aus – Katzen gehen bekanntlich immer!
 
Bräsig biedere Mundart-Stücke gibt es zur Genüge, da kann eine Prise Trash kaum schaden.
 
Dieter Oßwald