Schubert in Love

Trotz oder gerade wegen seines Pullunders gilt die Kunstfigur Olaf Schubert als „sexy forever“. Nun kommt das „Wunder im Rautenpullunder“ sogar ins Kino. Der Dresdner zählt zu den erfolgreichen Comedians Deutschlands. Mit „Olaf verbessert die Welt“ besitzt der 49jährige Sachse bereits eine eigene Fernsehshow. Die Fans werden die Komödie des Kabarettisten und skurrilen Wortakrobat , der „Lichtgestalt aus Dunkel-Deutschland“, sicher lieben – allerdings wohl auch nur seine Fans. Unterstützt von Schauspiellegende Mario Adorf als Vater, der von seinem Sohn, der immer noch Single ist, endlich einen Enkel erwartet, unterhält der schräge Vogel mit recht bizarrem Wortwitz.

Webseite: www.schubert-in-love.de

Deutschland 2016
Regie: Lars Büchel
Drehbuch: Olaf Schubert, Stephan Ludwig, Max Berghaus
Kamera: Jana Marsik
Darsteller: Olaf Schubert, Mario Adorf, Marie Leuenberger, Hildegard Schroedter, Jochen M. Barkas, Bert Stephan, Ramona Kunze-Libnow.
Länge: 94 Minuten
Verleih: Wildbunch/Central
Kinostart: 8. Dezember 2016

FILMKRITIK:

„Also, wenn du so weitermachst, dann sorge ich noch selber für Nachwuchs“, herrscht der pensionierte Professor Schubert (Mario Adorf) seinen Sohn Olaf (Olaf Schubert) an. Der dominante Vati will es einfach nicht zulassen, dass seine glorreiche Dynastie ausstirbt. Aber das scheint für den passionierten Dauer-Single kaum machbar. Der emsige Weltverbesserer hat schließlich wichtigeres zu tun, als sich um solch komplexe Vorgänge zu kümmern. Wenn der Sozialsöldner nicht gerade Arbeitslose verunsichert, arbeitet er fleißig mit seiner Band an seinem Musical „Der letzte Löffel“, mit dem er dem Welthunger zu Leibe rücken will.

Als der exzentrische Pullunderträger auch noch zweimal hintereinander den Sinnspruch „Haus bauen, Baum pflanzen, Nachwuchs zeugen“ auf dem Beutel seines Yogi-Tees liest, ist er endgültig genervt. Dass sein Vater plötzlich mit einer Herzattacke ins Krankenhaus kommt, lässt freilich seinen Widerstand dahin schmelzen. Nun scheint es eng zu werden. Pragmatisch macht sich der Eigenbrötler und sein treuer Begleiter der Iltis Iljitsch auf die wenig erfreuliche Suche.

Seine Dates, auf denen er die Damen mit einem aufwendigen Fragebogen konfrontiert, enden alle in der Katastrophe. Die Frauen nehmen alle Reißaus. Zufällig verirrt sich jedoch die promovierte Biologin Pamela (Marie Leuenberger) in sein Büro „Ham sie nen Freund, wenn nein, dann übernehme ich sie“, ist Olaf sofort Feuer und Flamme. Und die eher unscheinbar wirkende Wissenschaftlerin willigt tatsächlich ein. Mutig hält Olaf beim Spirelli-Essen, um ihren Körper an. „Sex, kein Problem, man kann ja an was Schönes denken“, weiß er. Trotzdem erweist sich eine schnelle Lösung des Nachwuchsproblems als kompliziert.

Die Fans werden die Komödie des Kabarettisten und skurrilen Wortakrobaten, der „Lichtgestalt aus Dunkel-Deutschland“, sicher lieben. Schließlich sorgt der skurrile Querdenker auf der Suche „nach einer geeigneten Mutti“ mit genialem Wortwitz für absurde Abenteuer. Der „ Betroffenheitslyriker“ pflegt auch auf der großen Leinwand die hohe Kunst des unfreiwilligen Humors und inszeniert dabei gnadenlos Unfug. Nicht umsonst sehen viele den schmächtigen Sachsen als Versöhner von Komik und Kalauer.

Und auch Regisseur Lars Büchel balanciert souverän auf dem schmalen Grad zwischen wirklichem Slapstick und plumper Albernheit. Mit „Erbsen auf halb sechs“ glückte ihm einst ein wundervolles und sensibles Märchen mit Happy End und intelligentem Witz und seine preisgekrönte Abenteuer-Geschichte „Lippels Traum“ begeisterte ebenfalls. Bereits mit seiner Krimikomödie „Jetzt oder nie Zeit ist Geld“ ergatterte der verdientermaßen den Lubitsch Preis.

Luitgard Koch