Schwerkraft

Der Gewinner des diesjährigen Max-Ophüls-Preises: In Maximilian Erlenwein Kinodebüt erkennt ein Bankangestellter, dass zu viel Ordnung seinem Leben nur schaden kann. Fortan übt er sich im Ausprobieren radikaler Grenzerfahrungen und krimineller Handlungen – welche ihm den Weg zu seiner alten Jugendliebe weisen. Ein mitreißender und vergnüglicher Film, der auch ein kleines Statement zur Finanzkrise ist.

Webseite: www.schwerkraft-derfilm.de

Deutschland 2009
Regie und Buch: Maximilian Erlenwein
Darsteller: Fabian Hinrichs, Jürgen Vogel, Nora von Waldstätten, Jule Böwe, Eleonore Weisgerber, Jeroen Willems, Thorsten Merten
Länge: 95 Minuten
Verleih: Farbfilm
Kinostart: 25.3.2010
 

PRESSESTIMMEN:

Stilsicher inszeniert, hat Tempo, pointierten Witz und mit Fabian Hinrichs und Jürgen Vogel ein famos harmonisierendes Haupdarsteller-Duo. Respekt.
STERN

FILMKRITIK:

Es kommt der Moment im Leben, wo man sein tägliches Handeln und Tun im Berufsalltag nicht nur anzweifelt, sondern auch kritisch hinterfragt. Und manchmal bedarf es dafür einschneidender Erlebnisse. Frederik Feinermann (Fabian Hinrichs) hat so ein Erlebnis gerade hinter sich. Sogar eines von der heftigsten Sorte. Als der Bankangestellte einem Kunden keinen weiteren Kredit gewähren will, jagt der sich vor seinen Augen eine Kugel in den Kopf. Ein radikaleres Statement zur aktuellen Finanzkrise hätte sich Regisseur und Autor Maximilian Erlenwein nicht ausdenken können. Und so ist auch für den jungen und aufstrebenden Yuppie Feinermann die Sachlage eindeutig: Lieber schnell den öden Lebensentwurf ändern, bevor man ihm (oder er sich selbst) eine Pistole an den Kopf hält.

Maximilian Erlenweins Film handelt nicht von der Schwerkraft, die den rational denkenden Großstadtbürger auf dem Boden der Vernunft hält, sondern auch von dem Gefühl der Leichtigkeit, mit dem man aus den Regeln des Alltags entfliehen kann. Frederik Feinermann findet nämlich plötzlich großen Gefallen daran, zum ersten Mal in seinem Leben Regeln und Gesetze zu brechen. Gemeinsam mit dem alten Schulfreund und erprobten Kleinganoven Vince (Jürgen Vogel) bricht der junge Mann bei seinem Chef ein, klaut im Supermarkt oder überfällt Skinheads mit einer Baseballkeule. Ob das nun aus schierer Lust passiert oder zur Trauma-Bewältigung gedacht ist, möchte der Film nicht beantworten. Viel eher dient es einem zutiefst romantischem Motiv: Die neuerlichen Adrenalinkicks geben Feinermann endlich den Mut, seine alte Jugendliebe Nadine (Nora von Waldstätten) wieder zu kontaktieren.

Regisseur Erlenwein changiert dabei geschickt zwischen den Genres: Buddy-Komödie, Drama, Film noir, Liebesgeschichte und ein wenig Krimi – all das kann man in diesem starken Kinodebüt entdecken, das mit Fabian Hinrichs und Nora von Waldstätten zwei Darsteller im Ensemble hat, die man (trotz langjähriger Berufserfahrung) als Neuentdeckung feiern sollte. Jürgen Vogel kann man einmal mehr in einer Rolle sehen, für die er wie gemacht ist. Als wuchtiger Haudrauf mit einschlägiger krimineller Vergangenheit und Plänen für eine Punkrock-Bar hat man ihn in variierter Form wohl schon mehrere Male in anderen Produktionen erlebt. Seine schnodderige und kühle Performance des lässigen Kneipenschlägers ist nun einmal seine Spezialität, die man immer wieder gerne sieht. Dabei ist es viel spannender zu beobachten, wie der brave Bankangestellte zum ersten Mal in seinem Leben gehörig über die Stränge schlägt – und irgendwann von der Realität eingeholt wird. „Schwerkraft“ ist mitreißendes und humorvolles Kino, das zurecht mit dem diesjährigen Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet wurde.

David Siems

Frederik Feinermann ist ein junger Bankangestellter in der Privatkreditabteilung. Vor sieben Jahren gab ihm seine damalige Freundin Nadine den Laufpass. So ganz hat er das nie überwunden.

Doch es kommt noch schlimmer. Ein Bankkunde, dem Frederik den Kredit kündigt, erschießt sich vor seinen Augen.

Er nimmt Kontakt mit seinem alten Kumpel Vince auf, der noch nicht lange aus dem Knast frei gekommen ist. Vince war Einbrecher; Frederik braucht ihn, weil er etwas verbockt hat.

Vince will zwar clean bleiben . . . aber. Von nun an geht Frederik bei seinem Kumpel quasi in die Lehre. Die beiden verüben Einbrüche, was das Zeug hält. Das ist ganz einträglich.

Als es einmal mehr als brenzlig wird, steigt Vince aus. Rechtzeitig. Frederik allerdings findet keine Ruhe – auch wegen Nadine.

Langsam stellt sich heraus, wie der gefährliche Hintergrund bei Vince aussieht und in welche geradezu Schwindel erregenden Situationen Frederik sich hineinsteigert. Für beide wird das Leben, das individuelle und das gemeinsame, jetzt hoch dramatisch. Vince sitzt ein Verbrecher“kollege“ im Nacken, Frederik muss für krumme Bankgeschäfte bezahlen.

Vielleicht, aber nur vielleicht, bringt Nadines Lächeln am Ende für die Zukunft Besseres.

Ein sehr aufgewecktes Drama: halb Krimi, halb Persönlichkeitsschilderung. Von beiden, Vince wie Frederik, wird ein deutliches und nicht uninteressantes Bild gezeichnet. Was auffällt: Die einzelnen Komponenten des Films sind von gleicher, immerhin respektabler Güte: Drehbuch, Regie, Kamera, Musik. Und natürlich die Darstellung. Sowohl Fabian Hinrichs als Frederik als auch Jürgen Vogel als Vince spielen super. Keine hohe Kunst, aber gutes Kino.

Thomas Engel