Scultura – Hand.Werk.Kunst.

Wie entsteht eine Bronzeskulptur? – Das ist in Kürze der Inhalt der Dokumentation. Im Film ist es eine Hundefigur des bekannten Künstlers Velasco Vitalis, deren Herstellung Schritt für Schritt gezeigt wird, in den gleichen Arbeitsgängen wie seit 6.000 Jahren.
Francesco Clerici zeigt den Arbeitsprozess ohne jeden Kommentar. Der Akzent liegt auf der Handarbeit in den seit Jahrtausenden eingespielten und überlieferten Arbeitsgängen. Das hat Atmosphäre und ist durchaus sehenswert. Dennoch wird der Film sicherlich nur ein kleineres Publikum ansprechen, zu denen neben Dokumentarfilm-Junkies vor allem kunsthistorisch interessierte Menschen gehören.

Webseite: www.scultura-film.de

Originaltitel: Il Gesto Delle Mani
Dokumentarfilm
Deutschland 2013
Reigie, Drehbuch, Kamera, Schnitt: Francesco Clerici
Länge: 80 Minuten
Verleih: Drei-Freunde Filmverleih
Kinostart: 22. Oktober 2015

AUSZEICHNUNGEN:

Berlinale 2015, FIPRESCI – Preis der Internationalen Filmkritik

FILMKRITIK:

Der Film startet, wenn ein wesentlicher Teil der Arbeit bereits getan ist: Die Hundeskulptur ist bereits als Wachskopie vorhanden. Der Künstler/Handwerker bearbeitet gerade die Figur, er fügt hier und da ein Stückchen Wachs hinzu, korrigiert und versäubert die Nähte zwischen den Wachsplatten. Die spätere Skulptur ist genau erkennbar. In weiteren Arbeitsgängen wird die Wachskopie mit Silizium-Schlamm umhüllt und für das Ausbrennen vorbereitet: Im Brennofen schmilzt das Wachs und läuft aus, während gleichzeitig das Silizium, also eigentlich mehr oder weniger Sand, aushärtet: Die Form wird ausgebrannt, damit schließlich die geschmolzene Bronze hineingegossen werden kann. Im Hintergrund sind lediglich die normalen Alltagsgeräusche zu hören. Die beteiligten Kunsthandwerker verrichten ihre Arbeit meist schweigend. Nur selten wird gesprochen.
 
Das Kunstwerk entsteht unter den Händen dieser Spezialisten in kleinen Schritten, die logisch aufeinanderfolgen. Die Präzision und Sorgfalt, mit der diese Arbeitsschritte vollzogen werden, hat etwas Meditatives, sogar Sinnliches. Manchmal scheint es, als seien die Hände selbständige, denkende Wesen, so sicher und geschickt sind ihre Bewegungen. Im Vordergrund steht hier die Kunst als handwerklicher Schaffensprozess, weniger der Künstler. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass die Entwurfsphase nicht gezeigt wird, aber auch das Selbstverständnis der Menschen, die hier gemeinsam wirken, ist ein Teil der Kunst. Sie arbeiten sich meist schweigend zu, verrichten ihre Handgriffe so wendig und kundig, wie es die Tradition seit Jahrtausenden erfordert.
 
Francesco Clericis Film hat eine ganz eigene Faszination, der man sich kaum entziehen kann. Gelegentlich unterbricht er den langsamen Erzählfluss durch eingestreute Archivaufnahmen. Dann sieht man dieselbe Bronzegießerei vor 50 oder 80 Jahren und auf den Schwarzweißbildern dieselben Arbeitsschritte wie heute – eine schöne Idee, um die Zeitlosigkeit der Kunst und ihrer Entstehung zu dokumentieren. Clerici zeigt die Ruhe und die Befriedigung, die im Schaffensprozess liegt, ebenso wie die unendliche Mühe und die Sorgfalt, die alle Beteiligten mitbringen. Alles für ein Ziel: eine fertige Bronzeskulptur von Velasco Vetali.
 
Gaby Sikorski