Sherlock Gnomes

Trotz seiner turbulenten Produktionsgeschichte mauserte sich der vergleichsweise günstig produzierte Gartenzwerg-Animationsfilm „Gnomeo und Julia“ 2011 zu einem Hit. Nun startet das Sequel im Kino. Wie schon der Titel „Sherlock Gnomes“ verrät, liefert diesmal nicht Shakespeare, sondern die klassische Romanfigur Sherlock Holmes den ironischen Hintergrund. Rein technisch gelingt dem „Kung Fu Panda“-Regisseur John Stevenson ein glänzend animierter und unterhaltsamer Kinderfilm mit Krimihandlung und prominenten Sprecher*innen. In puncto Figurenzeichnung fällt das Abenteuer allerdings sehr simpel aus.

Webseite: SherlockGnomes-Film.de

USA 2018
Regie: John Stevenson
Drehbuch: Ben Zazove
Sprecher/innen (OV): James McAvoy, Emily Blunt, Johnny Depp, Chiwetel Ejiofor, Jamie Demetriou, Kelly Asbury, Mary J. Blige
Laufzeit: 86 Min.
Verleih: Paramount
Kinostart: 3. Mai 2018

FILMKRITIK:

Endlich leben Gnomeo (Sprecher im Original: James McAvoy) und Julia (Emily Blunt) im Bund der Ehe vereint! Doch der Umzug in einen ungepflegten Londoner Hinterhofgarten bringt neuen Ärger. Während die Zwerge ihr Heim für den Frühling aufhübschen, erhofft sich Gnomeo mehr Aufmerksamkeit von seiner Julia. Dann steht das Liebespaar plötzlich allein im Garten, weil überall in der Stadt Gartenzwerge entführt wurden. Auf der Suche nach den verschwundenen Freunden und Verwandten treffen Gnomeo und Julia den Meisterdetektiv Sherlock Gnomes (Johnny Depp) und dessen Assistenten Dr. Watson (Chiwetel Ejiofor), die ebenfalls wegen der Massenentführung ermitteln. Gnomes vermutet das miese Kuchen-Maskottchen Moriarty (Jamie Demetriou) hinter der Aktion, auch wenn sein Erzgegner bei der letzten Konfrontation eigentlich zerbrochen ist.
 
Hätte die Produktionsgeschichte des 2011-er Animationsfilms „Gnomeo und Julia“ einen Beziehungsstatus auf Facebook, würde dieser wohl lauten: Es ist kompliziert. Erst ließ das produzierende Studio Disney den Stoff fallen, der nach einigem hin und her bei Paramount landete, dann werkelten insgesamt sieben Autor*innen am Originalskript von Rob Sprackling und Johnny Smith herum. Am Ende war das Wirrwarr dem holprig erzählten Film anzumerken.
 
Dass dennoch eine Fortsetzung erscheint, liegt am durchaus soliden Einspielergebnis des Vorgängers. Doch obwohl die Produktion beim zweiten Anlauf weniger nervenzehrend verlief, wiederholt der Film einige fragwürdige Entscheidungen des Originals. Die am wenigsten nachvollziehbare davon ist, dass die Gestaltung der Protagonisten als Gartenzwerge so gut wie keine Rolle spielt, weswegen bald eine Frage im Kinosaal steht: Warum treten hier überhaupt Gartenzwerge auf?
 
Akzeptiert man die laxe Einbindung des Figurendesigns in das Setting, funktioniert das Sequel als kurzweiliger Animationsspaß mit einem kindgerecht schlichten Kriminalfilmplot. Im Mittelpunkt stehen Gnomes und Watson, während die einstigen Titelhelden Gnomeo und Julia ihr Schicksal in die Hände der genialen Ermittler legen. Statt Shakespeare-Referenzen gibt es nun welche an die bekanntesten „Sherlock Holmes“-Fälle von Arthur Conan Doyle, wenn etwa der Hund von Baskerville einen obligatorischen Kurzauftritt absolviert.
 
War zuvor der spießige Garten der Tonfigurenbesitzer der wesentliche Handlungsort, führt das Abenteuer nun quer durch die britische Hauptstadt. Das bietet Anlass für einige schnittig inszenierte Verfolgungsjagden und Stippvisiten bei Sehenswürdigkeiten wie der Tower Bridge. Der allein schon dadurch generierte Unterhaltungsfaktor und die absolut ordentlichen, detaillierten Animationen der tönernen Hauptfiguren garantieren, dass der Film aller verschenkten Gelegenheiten zum Trotz keine Langeweile aufkommen lässt.
 
Christian Horn