Shoppen

"Shoppen", der Überraschungserfolg der Hofer Filmtage, erzählt vom merkwürdigen Verhalten geschlechtsreifer Großstädter, die existenzielle Schwierigkeiten mit dem Paaren haben. Eine Komödie, die den Ernst der Lage begriffen hat und 18 Singles beim Speed-Dating zeigt. Untertitel: „Weil man heute reden können muss, um Sex zu haben“. Dabei suchen Susanna, Jörg, Irina und alle anderen nicht unbedingt Sex, sondern eigentlich die Liebe. In Zeiten, in denen aus romantischer Sehnsucht eine darwinistische Barbarei geworden ist, gar nicht so einfach.
Regisseur Ralf Westhoff nimmt seine Figuren in ihrer verzweifelten Sehnsucht sehr ernst und schenkt ihnen zugleich die witzigsten Dialoge seit Helmut Dietl. Westhoffs Film über das Suchen und vielleicht Finden der Liebe könnte einer der deutschen Erfolge in diesem Jahr werden.

Webseite: www.shoppen-derfilm.de

Deutschland 2006.
Regie: Ralf Westhoff.
Länge: 90 Minuten
Verleih: X Verleih.
Kinostart: 3.5.2007

PRESSESTIMMEN:

 

Eine erstaunlich unterhaltsame Beziehungskomödie mit geschliffenen Dialoge und schmerzenden Wahrheiten. Schnell fürs Kino verabreden. Wir haben uns schon verliebt!
Stern

…ein brillant gespieltes, witzig pointiertes Spielfilmdebüt. Ralf Westhoff hat ein genaues Gespür für satirisch-anekdotische Zuspitzungen… glänzend gelungen.
Süddeutsche Zeitung

…mit viel Witz und Tempo. …Nach dem Riesenerfolg von "Sommer vorm Balkon" markiert "Shoppen" auch die Rückkehr eines lange Zeit verfemten Genres ins Kino: Die deutsche Beziehungskomödie erwacht zu neuem, rasantem Leben.
Der Spiegel

…umwerfend. …die Dialoge sind eine kleine Sensation, so unglaublich wahr und echt und komisch, dass man dabei erst mal merkt, wie einfallslos in den meisten Filmen dahergeredet wird. Das großartige Ensemble aus jungen Theater-Darstellern wirft sich die Sätze mal federleicht, mal medizinballschwer an die Köpfe, und man kann nur inständig hoffen, dass dieser kleine Film ein ganz großes Publikum erreicht.
Brigitte

…mit Gespür und Witz. Auch dank der guten Darsteller ein hierzulande außergewöhnliches Vergnügen.
film-dienst

Ein lebensnahes Ensembleprojekt, das von seinen glänzenden Dialogen und tollen Darstellern lebt.
Cinema

FILMKRITIK:

„Meine Treffen enden im Bett, nicht vor dem Fernseher, dabei wäre das alles was ich mir wünsche“. Klarer Fall: „Lieber allein als gemeinsam einsam“ – das war in den 70ern. „Shoppen“ hingegen spielt im Jahr 2006. Da haben Worte wie „große Liebe“ und „Selbstverwirklichung“ ordentlich Patina angesetzt, da wäre gemeinsam einsam so manchem lieber, als noch mal fünf Jahre lang die Single-Portionen aus dem Supermarkt zu holen. 

Shoppen erzählt von 18 Singles, die in ihrer Verzweiflung etwas völlig Absurdes tun: Sie melden sich zum Speed-Dating an. Erwachsene Männer und Frauen sitzen sich in einem Raum gegenüber, haben jeweils fünf Minuten Gesprächszeit, um sich anzupreisen wie ein Schnäppchen oder zu gebärden wie ein Designerstück, um im Idealfall demnächst ihre Neurosen im Doppelpack ausleben zu können.
Der eine bewaffnet sich mit Klemmordner und Fragebogen zum Abhaken: „Hast Du Allergien?“ „Du bist ja ganz schön direkt“ „Ich hab eine Katze, die kann ich ja schlecht vor die Tür setzen.“  Der nächste verströmt die Tristesse eines ganzen einsamen Jahrzehnts und weiß auf die Frage „Was war Dein schönstes Erlebnis“ nur, dass er bei einem Flug mal ein Upgrade in die Business-Class bekommen hat. Die Kamera fährt über die Gesichter: Hochmut, Übermut, gar kein Mut, Lebenshunger, Liebessehnsucht – ein Kaleidoskop, das die gesamte Stimmungspalette einer suchenden Generation spiegelt.

Regisseur Ralf Westhoff ist Autodidakt. Nach erfolgreichen Kurzfilmen hat er beschlossen, mit „Shoppen“ sein Langfilmdebüt zu geben. Beschlossen heißt in dem Fall: Das Buch war fertig, ein Minimum an Geld beisammen und statt alles ganz fett zu produzieren hat Westhoff entschieden: Dieser Film muss jetzt gedreht werden, schnell, mit viel Energie und keinen Kompromissen. 18 Hauptfiguren in 90 Minuten? Ist das nicht verwirrend? Eine Single-Komödie? Klingt das nicht verflixt retro? Weder noch. Westhoff hat sorgsamst einen wunderbaren Cast zusammengestellt: Schauspieler, die dem Publikum reichlich Projektionsflächen der eigenen Sehnsüchte  bieten, und das Bindeglied zwischen ihnen sind die pointierten, aberwitzigen, abgründigen und hochintelligenten Dialoge.

„Shoppen“ ist keine Beziehungskomödie, sondern eine Komödie über Menschen, die schon viele Beziehungskomödien gesehen haben und trotzdem noch hoffen, dass es sowas wie Liebe gibt. Ein furioses Debüt!

Sandra Vogell

 
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Dem Vernehmen nach ist München eine Stadt mit besonders vielen Singles. Kein Wunder, dass da die Liebessehnsucht  auch kuriose Blüten treibt. In einem solchen Falle kann man sich ja an eine Partnervermittlung wenden, Und das haben die jungen Herrschaften, um die es in diesem Film geht, denn auch getan.

Neun Damen und ebenso viele Herren sind, sich gegenüber sitzend, versammelt. Sie sollen sich kennen lernen, sich beschnuppern, sich befragen, sich vielleicht sogar annähern. Viel Zeit haben sie nicht. Denn eine Stoppuhr wacht darüber, dass es zügig vorangeht. Nur ganze fünf Minuten hat jedes Paar. Sind sie um, ist das nächste Frage-und-Antwort-Spiel an der Reihe. Jede und jeder soll mit jedem und jeder reden können.

Es geht los. Wie unterschiedlich sie alle sind: im Aussehen, im Charakter, im Benehmen, im Reden, im Schauen, im Fragen, im Antworten, im Zögern, im Zweifeln, im Aufbegehren, im Erstauntsein, in der spontanen Zuneigung, in der empörten Ablehnung.

Das ist originell, witzig, manchmal unverschämt oder schockierend. Die merkwürdigsten, lustigsten, unbedarftesten Ideen werden da ausgetauscht, registriert, verdaut. 45 Minuten lang. Dann ist alles vorbei. Was hat es gebracht? Wie ist der Erfolg? Gibt es für die eine oder andere, den einen oder anderen Hoffnung? Oder nur Frustration?

Eine nette Idee wurde da aufgegriffen und ausgezeichnet dialogisiert. In dem pfiffigen Film geht es Schlag auf Schlag. Man schmunzelt und unterhält sich glänzend. Die jungen Darsteller – meist vom Theater kommend – sind bestens ausgewählt und gemischt – einer besser als der andere. Ein Bravo an den Autor und Regisseur Ralf Westhoff für das Aufgreifen dieser besonderen Idee.

Derzeit braucht man um den deutschen Film nicht zu bangen. Es mehrt sich die Zahl der jungen Regisseure, die beachtenswerte Filme abliefern. Eine beruhigende Entwicklung.

Thomas Engel