Shotgun Stories

Ein überaus eindrucksvolles Debüt gelang dem amerikanischen Regisseur Jeff Nichols mit diesem Film. In starken Breitwandbildern erzählt er eine archaische Geschichte von zwei Familien, durch banale Umstände zerstritten bis aufs Blut. Unausweichlich scheint das Schicksal, bis es endlich gelingt, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen.

Webseite: www.fugu-films.de

Shotgun Stories
USA 2007
Regie, Buch: Jeff Nichols
Musik: Lucero, Pyramid
Darsteller: Michael Shannon, Douglas Ligon, Barlow Jacobs, Natalie Canerday, Glenda Pannell, Lynnsee Provence
Länge: 92 Min.
Verleih: fugu film
Kinostart: 8. Oktober 2009
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Allein die Namen der drei Brüder deuten an, dass sie nicht das genossen haben, was man als eine angenehme Kindheit bezeichnen würde: Son, Kid und Boy heißen die drei, deren Vater die Familie in jungen Jahren verließ und eine neue Familie gründete. Auch dort zeugte der Vater diverse Söhne und wandelte sich augenscheinlich zum Christen. Doch der Hass seiner Söhne ist ungebrochen, die Wut, vom Vater verlassen und mit einer verbitterten Mutter zurückgelassen worden zu sein, wird auch durch den Tod des Vaters nicht besänftigt. Im Gegenteil. Zur Beerdigung erscheinen die drei, angeführt vom ältesten Sohn Son (Michael Shannon), in zerschlissenen Klamotten und werfen der neuen, der anderen Familie ihres Vaters ihre Version der Wahrheit ins Gesicht. Als Son schließlich auf den Sarg spuckt, ist das Fass zum Überlaufen gebracht, die lange schwelende Fehde zwischen den Familien bricht aus.

Besonders die jüngeren Brüder können ihre Wut nur schwer unter Kontrolle halten, brennen geradezu darauf, die „Sache zu beenden“, sich mit Messern, später mit den titelgebenden Schrottgewehren auf den Weg zu machen und die Halbbrüder zu töten. Allein die älteren Brüder wahren mühsam den vordergründigen Frieden. Abgekämpft wirken sie, müde des ewigen Kampfes, mit dem Wissen, dass das Rad aus Gewalt und Gegengewalt kaum aufzuhalten ist.

Angesiedelt ist diese Geschichte irgendwo im amerikanischen Süden, in einer wenig malerischen Kleinstadt, in der es keine Zukunft gibt. In baufälligen Häusern lebt man, mit fast schrottreifen Autos bewegt man sich über Felder und Landstraßen. Tunlichst vermeidet es Jeff Nichols, dieses Leben in romantisierendem Licht zu zeigen, Sonnenuntergänge und ähnliche visuelle Klischees bekommt man hier zum Glück keine zu sehen. Ganz beiläufig und doch unaufhaltsam spitzt Jeff Nichols den Familienstreit zu, kontrastiert Ausbrüche der Gewalt mit Momentaufnahmen von Versuchen, ein alltägliches Leben aufrecht zu halten.

Getragen wird die Geschichte und ihre spartanischen Dialoge von jungen, größtenteils unbekannten Schauspielern, allen voran Michael Shannon. Inzwischen hat Shannon den Durchbruch geschafft, war für den Oscar nominiert und hat eine lange Karriere kleiner Rollen hinter sich gelassen. „Shotgun Stories“ markiert den Wendepunkt in seiner Karriere. Man kann nur hoffen, dass auch Jeff Nichols seinen Weg gehen wird, dass er sein Gespür für Figuren und eine archaische Geschichte behält, die diesen Film so bemerkenswert machen.

Michael Meyns

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