Sie sind ein schöner Mann!

Bauer sucht Frau! Und findet neben einer neuen Arbeitskraft für seinen Hof sein ganz persönliches Glück. Nahezu 5 Millionen Zuschauer sahen diesen charmant erzählten, wunderbar warmherzigen, witzigen und liebevoll augenzwinkernden  Film von Isabelle Mergault in Frankreich. Somit liegt hier ein eher seltenes Beispiel dafür vor, dass die Quantität der Zuschauer der Qualität des Films entspricht.

Webseite: movienetfilm.de

Frankreich 2005
Regie: Isabelle Mergault
Darsteller: Michel Blanc, Medeea Marinescu, Wladimir Yordanoff, Benoît Turjman, Eva Darlan, Elisabeth Commelin, Valérie Bonneton
97 Minuten
Verleih: movienet
Start: 8.2.2007

PRESSESTIMMEN:

Eine hinreißende französische Liebeskomödie… faszinierend!
NDR Kulturjournal

Ein liebevolles Stück Feel-Good-Kino.
Der Spiegel

Vier Millionen Franzosen fühlten sich von dieser Bauer-sucht-Frau-Komödie bestens unterhalten. Ich auch.
(Sabine Groß, BRIGITTE)

Ein gefühlvolles Drama mit französischem Flair und genau dem richtigen Mix aus lustigen und ernsten Szenen… Zwar blitzt hier und da ein Klischee auf. Doch alles in allem stimmt diese munter inszenierte Landliebe einfach nur fröhlich.
Cinema

Isabelle Mergault stellt keine sozialkritische Betrachtung über Frauenkauf an, sondern erzählt ein Märchen mit Happy End. In der von Melancholie durchwehten Komödie mit deftigem Humor, Kitsch und Klischee darf gelacht werden.
Blickpunkt:Film

 

FILMKRITIK:

Bauer Aymé hat seine Frau verloren. Ein Kurzschluss in der Melkmaschine, macht ihn urplötzlich zum Witwer. Ein Verlust, den er emotional gut wegsteckt, der sich aber unmittelbar in der alltäglich anfallenden Arbeit niederschlägt. Von einem auf den nächsten Tag, muss er nicht nur weiterhin das Feld bestellen, sondern auch noch ganz nebenbei das Vieh versorgen, seine Wäsche waschen, einkaufen und sich selbst bekochen. Ein Zustand, der so nicht lange gut gehen kann. Kurz entschlossen wendet er sich an eine Heiratsvermittlung, die ihm helfen soll, die entstandene Lücke auf seinem Hof wieder zu schließen.

Gemeinsam mit der Vermittlerin, fliegt Aymé auf Brautschau nach Rumänien. Hier warten bereits jede Menge Kandidatinnen, die ebenso wie der mürrische Bauer nicht gerade auf der Suche nach der großen Liebe sind. Sie wittern lediglich eine Chance, ihren einfachen Verhältnissen zu entfliehen und in der Ferne ein besseres Leben zu führen. Doch die wenigsten von ihnen scheinen für das Landleben geeignet. Lediglich Elena macht den Anschein, als könne sie als Arbeitskraft auf dem Bauernhof bestehen. Und so wird noch am selben Abend der Entschluss gefasst, gemeinsam nach Frankreich zurückzureisen, um es miteinander zu versuchen. Ein Entschluss, der das Leben Beider maßgeblich verändern wird. Ein Entschluss, der theoretisch schnell gefällt ist, sich in der Praxis jedoch als umso schwieriger gestaltet.

Können sich 5 Millionen französische Kinobesucher irren? Denn annährend so viele sahen den Film im Produktionsland. Die Antwort ist: Ja, sie können. Und: Nein, sie tun es nicht. Denn wenngleich die Anzahl der Zuschauer erfahrungsgemäß nur ein sehr schwacher Indikator für die Qualität eines Kinofilms darstellt, ist sie hier doch zutreffend. „Sie sind ein schöner Mann!“ ist ein schöner Film! Ohne viel Firlefanz konzentriert sich die Geschichte auf die Entwicklung seiner Protagonisten. Die charmante Erzählweise, die anheimelnden Bilder ländlicher Idylle sowie ein herrlich aufspielender Michel Blanc in der Rolle des Bauern Aymé Pigrenet, machen ihn zu einem Film, der in kalten Tagen das Herz zu wärmen vermag.

Lediglich der Beginn des Films und mit ihm die Vorgeschichte der eigentlichen Handlung, holpert ein wenig über die Leinwand. Der doch sehr nebensächliche Tod der Bauersfrau und der allzu schnelle Entschluss des Witwers sich neu zu binden, machen die Entwicklung der Geschichte zwar deutlicher, den anfänglichen Erzählrhythmus jedoch unnötig sprunghaft. Erst als er sein eigentliches Ziel erreicht und die Geschichte zweier gegensätzlicher Charaktere erzählt, läuft der Film wie eine gut geölte Melkmaschine. Einzig die deutsche Synchronisation könnte dem Filmvergnügen noch schaden, da nicht zuletzt die Sprachbarriere zwischen dem französischen Bauern und den rumänischen Heiratskandidatinnen für heitere Situationskomik sorgt.

Gary Rohweder

 

 

 

 

 

Wäre Bauer Aymé ein deutscher Landwirt, er hätte sich nach dem Tod seiner Frau in einer dieser quotenträchtigen „Bauer sucht Frau“-Fernsehshows nach einer neuen Partnerin umsehen können. Der von Michel Blanc exzellent gespielte französische Griesgram aber wählt in der einfach gestrickten Komödie von Isabelle Mergault den Weg über eine Heiratsvermittlung mit Kontakten nach Rumänien. Aymé und der Film interessieren sich jedoch weniger für Hintergründe des Frauenhandels, sondern wie der Bauer den Nachbarn die neue Frau als „seine neue Magd“ verkauft.

Man hat noch kaum im Kinosessel Platz genommen, da hat eine Gans bereits ihren Kopf verloren und ist eine Bauersfrau explodiert. Ein furioser Auftakt, mit dem Isabelle Mergault in ihre Komödie um einen Landwirt auf der Suche nach einer zupackenden weiblichen Hilfskraft startet. Ein Auftakt auch, der in seiner Übertreibung und Überzeichnung von Beginn an deutlich macht, dass es hier nicht um die Aufarbeitung ernsthafter Zustände geht. Nein, hier soll gelacht werden dürfen.

Und das tut man denn auch erst einmal kräftig, schließlich ist dieser Bauer Aymé (Michel Blanc) eine herrliche Charakterfigur, vergleichbar dem legendären Bouvril aus frühen französischen Schwarz-Weiß-Filmen, vergleichbar in seiner aufbrausenden Art aber auch mit Louis de Funès. Aymé sucht nach dem kuriosen Aus seiner Gattin (Stromschlag im Kuhstall) weniger nach einer neuen Frau zum Austausch von Gefühlen (davon war in seiner Zweckehe nie die Rede), der griesgrämige Dickschädel denkt vielmehr an eine ihm bei Tätigkeiten um Haus und Hof unter die Arme greifende Hand. Da aber – das Dilemma dürfte nicht nur in Frankreich bekannt sein – wohl kaum mehr westliche Frauen an einer derartigen Partnerschaft interessiert sind, reist Aymé auf Anraten seines Heiratsinstituts nach Rumänien, „denn hier sind die Mädchen zu allem bereit, um der Misere, in der sie leben, zu entkommen.“

Welche Ansprüche diese heiratswilligen Damen haben zeigt Regisseurin Isabelle Mergault, indem sie die lasziven, billig gestylten und auf Verwöhnprogramm geiernden Kandidatinnen entsprechend eindimensional zeichnet und sie den – insbesondere angesichts des angespannten Aymé – wenig überzeugend vorgetragenen Schmeichelsatz „Sie sind ein schöner Mann“ sagen lässt. Einzig Elena (Medeea Marinescu) erkennt ihre Chance – und sitzt denn kurz darauf bereits im Flugzeug nach Frankreich.

Was nun folgt, ist relativ vorhersehbar. Den Freunden und Nachbarn gegenüber tut der Kulturbanause Aymé so, als sei er auf Messebesuch nach Deutschland gereist, wovon er als Beweismittel Sauerkrautkonserven und in Bukarest aufgenommene Schnappschüsse vor BMW-Plakatwänden oder mit deutschen Schäferhunden mitbringt. Elena stellt er als entfernte Verwandte seiner gestorbenen Frau Huguette vor, die als Magd auf seinem Hof ein Praktikum machen möchte. Das komische Potenzial dieses Versteckspiels erschöpft sich jedoch zusehends, mehr noch, als die Beziehung nun auch eine gewisse Schwere und Melancholie bekommt. Elena möchte sich ihrem kauzigen „Retter“ dabei einerseits auch körperlich erkenntlich zeigen, hat andererseits aber latent Sehnsucht nach ihrer Familie. Tränen, Missverständnisse und Überreaktionen bleiben da nicht aus.

Im Großen und Ganzen lebt diese unterhaltsame leichte Komödie von der exzellenten Darstellerkunst des Michel Blanc („Die Verlobung des Monsieur Hire“, „Merci la Vie“), der hier wie schon oft zuvor einen trotz seiner Bärbeißigkeit sympathischen Niemand wie auch ein Opfer eines abweisenden Charakters spielt. Gut auch die Wahl der natürlich wirkenden und auf Naivität setzenden Rumänin. Schade nur, dass die Geschichte zum Ende hin unentschlossen wirkt, die Komödie mehr und mehr ins Dramatische abgleitet und partout ein glückliches Ende gefunden werden will. Vor dieser Schwierigkeit aber scheint die „Bauer sucht Frau“-Thematik ja allgemein zu stehen.

Thomas Volkmann

 

Zwar hat der französische Bauer Aymé Pigrenet mit seiner Frau Huguette öfter gestritten, aber als er sie durch einen Stromschlag plötzlich verliert, ist er völlig hilflos. Ganze zehn Tage nach dem Begräbnis – „noch unter Schock“, wie er sagt – sucht er in der Heiratsvermittlung „Ein Tag Liebe, immer Liebe“ nach einem Ersatz.

Reihenweise werden ihm junge Rumäninnen vorgestellt, die alle stereotyp verkünden „Sie sind ein schöner Mann“. Doch die haben andere Interessen, als auf einem Bauernhof zu arbeiten. Eine ist aber doch dabei, Elena, die es versuchen will.

Aymé, der sich vor den tratschsüchtigen Verwandten und Bekannten geniert, täuscht eine Reise zur Messe nach Hannover vor – und kommt auch prompt mit Sauerkraut und Bier beladen zurück. In Wirklichkeit hat er Elena in Bukarest abgeholt.

Zwei Welten prallen aufeinander. Wie soll das gut gehen! Zahlreiche kleine Vorkommnisse bestätigen, dass es letztlich nicht gut geht, obwohl Aymé beispielsweise sein ganzes Geld einsetzt.

Elena verlässt Frankreich wieder. Sie will heim, und sie will vor allem zu ihrem Töchterchen Gabi zurück. So ganz wohl ist ihr dabei nicht. In einer Neujahrsnacht denkt sie mit etwas Wehmut an ihr „Praktikum“ bei Aymé.

Typisch, dass dieser Film von einer Frau gemacht wurde. Er ist so feinfühlig, zart und leise, dass ein Mann ihn schwerlich so zustande gebracht hätte. Das Drehbuch ist stimmig, viele nette und ideenreiche Kleinigkeiten schmücken es – sei es die Szene mit dem roten Negligé oder mit der Gardenia, sei es jene nächtliche in der Telefonzelle oder der Versuch mit dem Verlobungsring. Ebenso viele Regieeinfälle. Eine runde Sache. Nicht frei von Gefühligkeit und Happy-End-Mentalität.

Endlich hat Michel Blanc – übrigens, mit Verlaub, alles andere als ein „schöner Mann“ – eine Rolle gefunden, die seinem Talent entspricht. Er (Aymé) spielt großartig. Medeea Marinescu (Elena) tut es ihm gleich. Ein rührender, herzlicher Film. Für Filmkunsttheater und Programmkinos ohne weiteres geeignet.

Thomas Engel