So ist Paris

Mit „L’auberge espagnole“ widmete sich Cédric Klapisch noch der Ungezwungenheit und der Freiheit des Studentenlebens. Jetzt ist er bei den 30-50-Jährigen angekommen, die allesamt melancholische Grübler in einer chaotischen Stadt sind. Der Regisseur zeigt viel mehr die kleinen Dramen und Schicksale seiner Alltagsfiguren und dirigiert den Mythos von Paris in den Hintergrund. So entsteht eher eine sinnliche Tragikomödie, anstatt eines Stadtporträts.

Webseite: www.so-ist-paris.de

OT: Paris
Regie + Buch: Cédric Klapisch
Darsteller: Juliette Binoche, Romain Duris, Fabrice Luchini, Albert Dupontel, François Cluzet, Karin Viard, Mélanie Laurent
Länge: 129 Minuten
Verleih: Prokino
Start: 17.7.2008

PRESSESTIMMEN:

Ein tatsächlich hinreißender Film… 
…erstaunlich leichtfüßige Patchwork-Story über das Leben, Lieben und Sterben in der großen Metropole. Der wahre Hauptdarsteller ist natürlich Paris selbst. Dem gelingt es ohne große Mühe, im Kino noch ein bißchen besser alszusehen als in der Realität.
Der Spiegel

Weil das Ensemble um Juliette Binoche alles so wunderbar menschlich spielt und die Liebe in diesem schönen Film nicht nur schmerzhaft, sondern auch amüsant und ermutigend ist, sieht man gern zu.
Brigitte

Ein von der Liebe zu Paris und seine diversen Stadtviertel getragener Ensemblefilm im Stile von "Short Cuts", der durch seine Mischung aus amüsanten und nachdenklich stimmenden Szenen ein vielschichtiges Bild der Stadt und ihrer Bewohner entwirft. – Sehenswert.
film-dienst

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FILMKRITIK:

Paris, so sagt Regisseur Cédric Klapisch selbst, ist die Stadt der kultivierten Schwermut. Europäische Metropole im ständigen Wandel, die schon Baudelaire einst darüber grübeln ließ, dass die Gestalt sich so schnell ändern würde, wie das Herz eines Sterblichen. Das kranke Herz von Pierre (Romain Duris) ist ebenfalls die Ausgangslage in Cédric Klapischs neuem Film. Pierre ist Tänzer im Moulin Rouge und muss sich in den nächsten Monaten einer Transplantation unterziehen, wohl wissend, dass es sich dabei um alles andere als um einen Routineeingriff handelt. Die Möglichkeit des Sterbens vor Augen, beginnt er das Leben mit neuen Augen zu sehen, während er fürsorglich von seiner Schwester Elise (Juliette Binoche) und ihren drei Kindern umsorgt wird. 

Doch so komplex die französische Hauptstadt ist, so hat auch Klapisch seine multiplen Handlungsstränge in schöner Unordnung angelegt. Er zeigt nicht nur das Schicksal eines herzkranken Tänzers, sondern reichert dieses um vier bis fünf weitere tragikomische Erzählungen an, die er „petites histoires“ nennt.  In diesen „kleinen Geschichten“ geht es um Gemüsehändler auf sentimentalen Abwegen, einen Uni-Professor, der sich in eine seiner Studentinnen verliebt, eine Bäckerin, einen illegalen Einwanderer aus Kamerun und eine Sozialarbeiterin. Allesamt tragische Helden des Alltags, die sich in ihrer Normalität eigentlich so gar nicht für die große Leinwand eignen. Doch Klapisch geht es nicht, wie der Titel vermuten würde, um eine Liebeserklärung an Paris, wie man sie vielleicht aus Luc Bessons „Angel-A“ oder Jean-Pierre Jeunets „Fabelhafter Welt der Amélie“ kennt. Zwar gilt auch hier die scheinbare Filmregel, dass man aus jeder Pariser Wohnung den Eiffelturm sehen kann, doch in der Stadt der Liebe sind die Figuren rastlose Melancholiker, die sich nach nichts anderem sehnen als nach Liebe, die dennoch so schwer zu greifen ist. Das Paris von Klapisch ist ein Ort, an dem Gegensätze und Segregation herrschen und, wie die meisten Metropolen, von permanenter Komplexität gezeichnet sind. Neben Einsamkeit existiert hier auch Solidarität und Sich-über-den-Weg-laufen. Gerade das Chaos ist bei Klapisch gleichbedeutend mit Vitalität und Kreativität.

Für den 47-jährigen Filmemacher ist „So ist Paris“ auch eine Rückkehr nachdem er zuletzt in London, St. Petersburg und Barcelona gedreht hat. Gerade die katalonische Metropole und die darin angesiedelte Studenten-Komödie „L’auberge espagnole“ dürfte vielen noch in Erinnerung geblieben sein, wenn sie an Cédric Klapisch denken. Damals erzählte er von der Unbeschwertheit der 20-25-Jährigen, die mittlerweile erwachsen geworden sind und, wenn man so will, in „So ist Paris“ zum ersten Mal den wirklichen Ernst des Lebens kennen lernen, der sich um familiäre Verantwortung, Enttäuschung und Tod dreht. Paris, die Stadt der ständigen Grübler, ist in seiner Gegensätzlichkeit vielleicht noch nie so authentisch gezeigt worden wie hier.

David Siems

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Paris. Soviel Schönes wie Hässliches, soviel Individualismus wie Masse, soviel Aufregendes wie Gewöhnliches, soviel Einheimische wie Fremde, soviel Reiche wie Arme. Cédric Klapisch wollte – natürlich ist das nur ausschnittweise möglich – der Millionenmetropole auf den Zahn fühlen, den Pulsschlag messen, die Gefühlslage erkunden und auch seine Liebe zu Paris demonstrieren.

Er wählte dazu die Schicksale eines Dutzends Personen aus: der meist frustrierten Sozialarbeiterin Elise; ihres Bruders Pierre, Tänzer von Beruf, der nur noch mit einem fremden Herzen eine Überlebenschance hat; eines spät und vergebens verliebten Universitätsprofessors; einer resoluten, leicht rassistischen Bäckersfrau; einiger eingewanderter Gemüse- und Fischhändler; einer jungen Schönheit; eines illegal eingereisten Kameruners; und die Schicksale einiger anderer mehr.

Sie versuchen alle, mit ihren Problemen und den wenigen Freuden des Lebens zurechtzukommen, sie kennen sich oder auch nicht, sie begegnen sich, sie feiern zuweilen ein wenig miteinander, oder sie lieben sich.

Es ist ein für jeden der Beteiligten charakteristischer Reigen, bei dem auch die immer wieder eingestreuten Bilder der Stadt eine wichtige Rolle spielen. Ein improvisiertes, durcheinander gewürfeltes, halbwegs originell erdachtes Stück Stadt, Dasein und Leben, gut inszeniert. Einige renommierte Darsteller wie Juliette Binoche, Fabrice Luchini, Romain Duris oder Albert Dupontel sind mit von der Partie. Auch sie geben dem Ganzen einen sehenswerten künstlerischen Anstrich.

Thomas Engel