Something must break

Sebastian ist in Andreas verliebt und Andreas in Sebastian. Eigentlich die besten Voraussetzungen für eine glückliche Beziehung. Wäre da nicht das Problem, dass Sebastian transsexuell ist und sich im falschen Körper gefangen fühlt, während Andreas seine bisexuellen Neigungen nur schwer akzeptieren kann. „Something must break“ ist der erste Spielfilm des schwedischen Regisseurs Ester Martin Bergsmark, der ein feinfühliges, exzellent gespieltes Drama entwirft. Dabei ist das Werk längst nicht nur für ein Queer-Publikum interessant, geht es doch um ganz universelle Themen wie Selbstfindung und Selbstakzeptanz.

Webseite: www.salzgeber.de

Schweden 2014
Regie: Ester Martin Bergsmark
Drehbuch: Ester Martin Bergsmark, Eli Levén
Darsteller: Saga Becker, Iggy Malmborg, Emil Almén, Saga Gärde
Länge: 85 Minuten
Verleih: Salzgeber & Company Medien
Kinostart: 26. März 2015

 

FILMKRITIK:

Sebastian (Saga Becker) ist schwul und wäre lieber eine Frau. Seit langem schon fühlt er sich im falschen Körper, die Frau in ihm muss er die meiste Zeit unterdrücken. Etwas Positives scheint sich in seinem Leben zu entwickeln, als er eines Tages den attraktiven Andreas (Iggy Malmborg) kennenlernt und sich in ihn verliebt. Auch Andreas entwickelt schnell Zuneigung für den androgynen Sebastian, wäre da nicht das Problem, dass Andreas eigentlich hetero ist und seine offensichtliche Bisexualität nur schwer akzeptieren kann. Die Enge der gesellschaftlichen Normen und die Angst von Andreas, sich zu seinen Gefühlen zu bekennen, machen es den Beiden nicht gerade einfacher. Gleichzeitig steigt das Verlangen füreinander. Noch konfuser wird die Situation, als Sebastian seiner weiblichen Seite zunehmend Raum lässt und sich mehr und mehr in die schöne Ellie verwandelt.

In „Something must break“ widmet sich der schwedische Regisseur Ester Martin Bergsmark nicht zum ersten Mal den Themen Transsexualität und Geschlechter-Rollen. Diese Aspekte machte er bereits in seiner hochgelobten Doku „She Male Snails“ zum Thema. „Something must break“ ist nun der erste abendfüllende Spielfilm von Bergsmark, der auf einem Roman des Autors Eli Levén basiert, der auch am Drehbuch mitwirkte. Mit „Something must break“ – der auf vielen internationalen Festivals ausgezeichnet wurde – kreiert er ein hochemotionales, mitreißendes Drama über das Anderssein, das Finden der eigenen Identität und den Kampf um gesellschaftliche Anerkennung bzw. Akzeptanz.

Regisseur Bergsmark benutzte beim Dreh zu weiten Teilen eine Handkamera, was für einen hohen Realitätsgrad und eine deutlich dokumentarische Note sorgt. Immer wieder wirkt „Something must break“ auch mehr wie eine Dokumentation, wenn die Kamera ganz nah bei Sebastian ist, ihm dicht durch die Straßen seiner Heimatstadt folgt und nicht mehr von seiner Seite weicht. Dabei verweilt sie auch häufig im Gesicht von Sebastian, dessen ganzes Leid durch seine gedankenverlorenen, melancholischen Blicke, die ins Nichts schweifen, deutlich wird. Eine echte Entdeckung ist Saga Becker in der Rolle des androgynen Sebastian. Sie stellt den jungen Mann derart verletzlich und zart dar, dass man sich beim Zusehen des Mitleidens mit der Hauptfigur nur schwer erwehren kann.

Björn Schneider