Soul Kitchen

SOUL KITCHEN ist ein Heimatfilm der neuen Art: Die Welt ist ein Restaurant, der Regisseur heißt Fatih Akin und vor der Kamera versammelt er ein "Best Of" aus seinen früheren Filmen – Adam Bousdoukos, Moritz Bleibtreu und Birol Ünel. Es geht um Familie und Freunde, um Liebe, Vertrauen und Loyalität – und um einen Ort, den man als Heimat begreifen kann. Ausgezeichnet wurde der Film bereits mit dem Spezialpreis der Jury auf dem Filmfestival in Venedig 2009m mit dem Preis für das beste Drehbuch auf den Nordischen Filmtagen Lübeck und mit dem Art Cinema Award des Filmfests Hamburg 2009!

Webseite: www.soul-kitchen-film.com

Deutschland 2009
Regie: Fatih Akin
Drehbuch: Fatih Akin, Adam Bousdoukos
Darsteller: Adam Bousdoukos, Moritz Bleibtreu, Birol Ünel, Pheline Roggan, Anna Bederke, Dorka Gryllus, Lucas Gregorowicz, Wotan Wike Möhring, Udo Kier
99 Minuten
Verleih: Pandora Film
Kinostart: 25. Dezember 2009 

PRESSESTIMMEN:

Gutes Essen, gute Musik, gutes Kino: Mit "Soul Kitchen" hat Fatih Akin einen wunderbar kantigen Film für die hungrige Großstadtseele gedreht. …ein soulig-swingender, liebevoll dreckiger Gute-Laune-Heimatfilm für alle, die in ihrem Großstadtkiez wie in einem familiären Dorf leben.
Brigitte

Ein Film, der verdammt gute Laune macht. Und das Lebensgefühl einer Szene vermittelt, die es nur hier gibt. Ein Heimatfilm. Und ein Statement von Freunden. (…) Ich habe erlebt, was ich an einem schönen Kinoabend erleben möchte. Ich habe geweint, ich habe mitgefühlt, ich war traurig, ich habe viel gelacht. Also ein großartiger Film. Vielleicht der schönste und beste Film von Fatih Akin.
ARD Titel, Thesen Temperamente

SOUL KITCHEN ist schlichtweg großartig, ein total unprätentiöses Meisterwerk.
3 SAT kinokino

Fatih Akin inszeniert das alles als großes, buntes, swingendes Durcheinander voller Temperamentsausbrüche. Wie sein großer Berlinale-Sieger, das Drama „Gegen die Wand", berstet auch die Komödie SOUL KITCHEN vor Energie. In Zeiten der Krise ist das zunächst ermutigend: Akins Filme sagen, dass man keine Angst zu haben braucht vor dem Leben, auch wenn es aus dem Ruder läuft.
Berliner Zeitung

Ein Heimatfilm der neuen Art. Es ist ein Kiezfilm geworden. (…) Sein Hamburger Wohlfühlfilm.
Tagesspiegel

SOUL KITCHEN ist eine ironische Hommage an Hamburg.
DIE WELT

Futter für die Seele. (…)  Der echte Herzensbrecher des Festival ist allerdings – der deutsche Wettbewerbsbeitrag. Fatih Akin ist ja sonst eher nicht von der leichten Muse geküsst, aber sein neuer Film SOUL KITCHEN ist so komisch-rührend, dass das Publikum in Venedig ganz aus dem Häuschen geriet. (…) Diesen komischen, sehr norddeutschen Katastrophenreigen hat Akin in seiner kracherten Art so gut inszeniert, dass es in Venedig sogar Szenenapplaus gab, was auch daran liegt, dass in dieser Seelenküche die Gags sehr auf den Punkt zubereitet werden.
Süddeutsche Zeitung

In seinem sechsten Spielfilm feiert Fatih Akin das Leben auf vertrauensvoll heitere Art. Nun hat dieser Regisseur also wieder was zu feiern; Akin scheint einfach alles zu können.
Berliner Zeitung


FILMKRITIK:

Einen Heimatfilm nennt Fatih Akin seinen neuen Film, was in gewisser Weise stimmt, ist doch Hamburg die Heimat des Regisseurs und Schauplatz der meisten seiner Filme. „Soul Kitchen“ spielt größtenteils im gleichnamigen Restaurant im Hamburger Vorort Wilhelmsburg. Dort führt Besitzer Zinos (Co-Drehbuchautor Adam Bousdoukos), ein Deutschgrieche, einen eher uninspirierten Laden: Das Essen kommt aus der Tiefkühltruhe, die Bedienungen Lucia und Lutz sind wenig motiviert, aber immerhin die Musik ist gut. Erst als seine blonde, noble Freundin Nadine nach Shanghai zieht, kommt Bewegung in Zinos Leben. Durch eine Reihe abstruser Zufälle (Ein glaubwürdiges Drehbuch war noch nie Fatih Akins Stärke) verwandelt Zinos sein Restaurant innerhalb von ein paar Montagesequenzen in ein absolutes In-Lokal, was ein wenig wie eine Variante der beliebten Frensehshows anmutet, in denen ein heruntergekommenes Restaurant von einem unerbittlichen TV-Koch aufgepeppt wird. Vor allem der Koch Shayn (Birol Ünel) und Zinos Bruder Illias (Moritz Bleibtreu), der als Freigänger aus dem Knast kommt, sorgen für den erfolgreichen Neuanfang. Gleichzeitig hat auch der Immobilienhai Neumann (Wotan Wilke Möhring) ein Auge auf das Geschäft geworfen, das einer großen Investition im Wege steht. Einmal mehr beschwört Akin hier eine heile Welt, abseits von Globalisierung und Gentrifizierung, die ihn als den linken, engagierten Regisseur ausweisen soll, als der er oft wahrgenommen wird.

Schaut man allerdings etwas genauer auf Themen und Auflösungen seiner Filme, entsteht ein anderes Bild. Wie in fast allen Filmen, die Akin seit seinem Debüt „Kurz und Schmerzlos“ gedreht hat, geht es auch in „Soul Kitchen“ um Familie – im übertragenen Sinne einer Arbeitsfamilie, wie sie sich hier im Restaurant bildet, einer Familie aus engen Freunden, die durch Alkohol- und Drogengeschwängerte Nächte zusammenwachsen, vor allem aber der Familie im eigentlichen Wortsinn. Auch „Soul Kitchen“ ist um ein unterschiedlich gezeichnetes Bruderpaar konstruiert. Zinos, der überlegte, introvertierte, Illias, der leichtlebige, unzuverlässige. Doch bei allen Problemen und Differenzen bleiben sie stets Brüder, steht die Familie über allem, lassen sich Streitigkeiten jederzeit mit einer herzlichen Umarmung lösen, die Familie bleibt stets Hort der Sicherheit. Oft führt dies allerdings zu einer befremdlich anmutenden Heimeligkeit, die im starken Kontrast zur Aggressivität steht, die Akins Filme durchziehen. „Soul Kitchen“ hält sich hier zwar deutlich zurück, allein die Sprache und Gestik ist laut und aggressiv. Einmal mehr scheint es, dass Akin exzessives rumgebrülle mit Emotion verwechselt. Kaum eine ruhige Minute gibt es, kaum ein Moment des Innehalten: Es wird sich angeschrieen, gegrölt, emphatisch gestritten. Auf Dauer ist diese Eintönigkeit etwas enervierend, vor allem überschattet sie die interessanten Aspekte des Films: Die Atmosphäre, die Akin auch hier wieder überzeugend zeichnet, die sympathischen Schauspieler, etliche teils winzig kleine Gastautritte bekannter Hamburger Schauspieler, vor allem aber einen mitreißenden Soundtrack.

Michael Meyns

Wilhelmsburg, ein Hamburger Stadtviertel. Dort steht ein alter Industrieschuppen, den Zinos zu dem Restaurant „Soul Kitchen“ umgestaltet hat. Doch da gibt es keine „Nouvelle Cuisine“ à la Bocuse, sondern handfeste Alltagskost. Und bescheidenen Gäste. Und die neueste Musik.

Zinos hat ein Problem. Seine Freundin Natalie, eine „Zeit“-Korrespondentin, wird nach Shanghai versetzt. Was soll er jetzt tun? An seinem Laden festhalten? Oder gar nach China auswandern?

Er verletzt sich, muss einen Ersatzmann finden. Shayn ist es, ein an seinem alten Arbeitsplatz entlassener Koch. Aber der eigensinnige Shayn will nicht kochen, was im „Soul Kitchen“ üblich ist. Er kreiert Speisen, auf die das bisherige Publikum keinen Wert legt. Das Restaurant bleibt leer.

Vielleicht kann Zinos’ Bruder Illias, der Freigang vom Knast hat, neuer Geschäftsführer werden.

Manchmal hat man auch Glück. Denn jetzt eröffnet neben dem „Soul Kitchen“ eine Musical-Schule – und schon ist der Laden wieder voll mit Essen, Trinken, Feiern, Musik.

Es geht auf und ab. Beim Pokern mit einem Immobilienhai, der das „Soul Kitchen“ schließen möchte, weil er das Grundstück haben will, verliert Zinos Geld, viel Geld.

Seine Taschen sind leer, aber die Hoffnung gibt er auf keinen Fall auf.

Untergründig, wenn auch ohne weiteren Tiefgang, werden die Immobilien-Raffgier, die Investment-Sucht und die Stadtviertel-Zerstörung angesprochen, doch hauptsächlich geht es in diesem „Heimatfilm“ von Fatih Akin erklärtermaßen um die Beschreibung eines tausendfach praktizierten Lebensstils, um Freunde, um Erinnerungen, um das Zusammensein und Feiern, um die Liebe, um die Überwindung von praktischen und seelischen Enttäuschungen, um die Musik, um viel Musik.

Thematisch ist das ein wenig zu beliebig ausgefallen – allerdings ist Fatih Akin ein zu guter Inszenierer, als dass „Soul Kitchen“ nicht doch für ein verhältnismäßig großes Publikum ein ansprechender Film mit einer beachtlichen Darstellerriege geworden wäre. Und einen Preis gab es in Venedig auch schon.

Thomas Engel