Spirit – frei und ungezähmt

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Seit fast 20 Jahren existiert dieses Franchise schon, der neueste Kinofilm hat sich aber noch weiter als die Animationsserie von der eigentlichen Vorlage aus dem Jahr 2002 entfernt. Erzählt wird die Geschichte eines kleinen Mädchens, das sich im Westen mit einem wilden Mustang anfreundet und ein turbulentes Abenteuer erlebt. Für sich betrachtet durchaus nett, als Neuauflage der Serie aber sehr repetitiv.

Website: www.upig.de/micro/spirit-frei-und-ungezaehmt

Spirit Untamed
USA 2021
Regie: Elaine Bogan, Ennio Torresan
Buch: Aury Wallington, Kristin Hahn
Darsteller: Isabela Merced, Jake Gyllenhaal, Mckenna Grace, Julianne Moore
Länge: 88 Minuten
Verleih: Universal Pictures
Kinostart: 22.7.2021

FILMKRITIK:

Die junge Lucky wächst an der Ostküste bei ihrer Tante Cora auf, aber die beschließt, sie zu ihrem Vater Jim in das kleine Prärie-Städtchen Miradero zu bringen. Von dem verschlafenen Nest ist Lucky alles andere als begeistert, aber dann lernt sie zwei Reitermädchen kennen und ist von einem wilden Mustang namens Spirit fasziniert, der in einem Stall gefangen gehalten wird. In ihm erkennt sie sich selbst wieder. Sie wollen beide frei sein, und aus diesem Drang entwickelt sich eine besondere Freundschaft. Beiden steht das Abenteuer ihres Lebens bevor.

Für den Zuschauer gilt das nicht gar so sehr. „Spirit – Der wilde Mustang“ war 2002 noch ein traditionell gezeichneter Animationsfilm, der sich im Lauf der Jahre ins Herz vieler Zuschauer gekämpft hat. Im Jahr 2017 gab es dann die Animationsserie bei Netflix, die nicht mehr auf klassischen Zeichentrick, sondern auf Computeranimation setzte. Auf Basis dieser Serie entstand nun auch „Spirit – Frei und ungezähmt“, aber dieser Film ist eine merkwürdige Angelegenheit.

Im Grunde wäre es ein Leichtes gewesen, die Serie fortzusetzen, aber man entschied sich dazu, an den Anfang zurückzukehren. Das mag für ganz neue Zuschauer noch in Ordnung sein, Fans der Serie werden sich an der Wiederholung jedoch stören. Denn kurz gesagt: Wer die Serie kennt, läuft hier Gefahr, sich zu langweilen. Was dort in weit weniger als der Hälfte der Laufzeit erzählt wurde, wird hier nun aufgebläht, so dass sich das Gefühl eines Pilotfilms einstellt, der zu wenig Geschichte für zu viel Laufzeit hat. Zudem ist irritierend, dass der Animationsstil sich geändert hat. Und man setzte im Original nicht darauf, die gleichen Sprecher zu bemühen, sondern wollte lieber bekannte Namen wie Isabela Merced, Jake Gyllenhaal oder Julianne Moore.

„Spirit – Frei und ungezähmt“ bietet ordentliche Animation, mit der Konkurrenz von den großen Studios kann der Film aber auch in Design und Umsetzung nicht mithalten. Er kann den Anschein, eigentlich nur eine bessere Heimkino-Veröffentlichung zu sein, niemals abschütteln. Entsprechend muss der Zuschauer die Erwartungen zurückschrauben.

Am Ehesten funktioniert der Film für ein ganz junges Publikum, das weder den alten Zeichentrickfilm noch die Animationsserie kennt. Ein solches Publikum kann sich in die Welt von Lucky einfinden und auch Gefallen daran finden, umso mehr, wenn der Film nach gut 20 Minuten mit dem richtigen Auftritt von Spirit auch etwas an Lebendigkeit gewinnt. Das macht das Werk aber zur zwiespältigen Angelegenheit. Ein Film mit Empfehlungseinschränkungen im Sinne von „Gut, aber nur, wenn man die vorangegangenen Spirit-Abenteuer nicht kennt“.

Peter Osteried