Spring Breakers

Wenn Harmony Korine, Enfant Terrible des amerikanischen Independent-Kinos, einen Film über die Alkohol-, Drogen- und Sexorgien des Spring Breaks dreht, darf man einiges erwarten. Und so ist „Spring Breakers“ dann auch eine grell bunte, überdrehte, ziemlich geschmacklose Satire über den amerikanischen Traum, in der die Sucht nach Geld und Sex als direkter Weg ins Verderben gezeigt wird.

Webseite: www.springbreakers-film.de

USA 2012
Regie, Buch: Harmony Korine
Darsteller: Selena Gomez, Vanessa Hudgens, Ashley Benton, Rachel Korine, James Franco, Heather Morris
Länge: 92 Minuten
Verleih: Wild Bunch
Kinostart: 21. März 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Berühmt und gleich auch berüchtigt wurde Harmony Korine mit seinem Drehbuch zu „Kids“, einer bitteren Studie amerikanischer Jugendlicher, die nur Alkohol und Sex im Kopf haben. Sein Faible für die untersten Schichten der amerikanischen Gesellschaft frönte Korine in eigenen Regiearbeiten wie „Gummo“, „Mister Lonely“ und dem programmatisch betitelten „Trash Humpers“. Allesamt Nischenprodukte, die vor allem auf Festivals zu sehen waren und wenn überhaupt dann praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Kino liefen. Dass es nun ausgerechnet dieser Harmony Korine ist, der mit einigen Disney-Stars in den Hauptrollen einen relativ großen Film über eine bizarre amerikanische Tradition dreht, ist den merkwürdigen Wegen der Filmfinanzierung zu verdanken.

Spring Break, Frühjahrsferien, das ist für junge amerikanische College-Studenten, die mit 21 gerade das legale Alter für den Kauf von Alkohol erreicht haben, Anlass, ihre oft auf dem flachen, in jeder Hinsicht ödem Land gelegenen Universitäten für ein, zwei Wochen zu verlassen und sich an den Küsten Floridas dem Exzess hinzugeben. Für kurze Zeit werden sämtliche Hemmungen und Moralvorstellung über Bord geworfen und eine leicht bzw. gar nicht bekleidete Party voller Alkohol, Drogen und Sex gefeiert.

Das hört sich wie der Stoff für eine jener leichten, seichten amerikanischen College-Komödien an, die auf meist höchst bigotte Weise gleichzeitig im Verbotenen suhlen und doch eine prüde Moral propagieren. Doch Harmony Korine geht einen anderen Weg: Gleich in den ersten Minuten zeigt er so viele gelackte, grellbunte Zeitlupenaufnahmen wohlgeformter, halbnackter Körper, die singen, tanzen und trinken, dass der Sättigungseffekt schnell einsetzt. Und die eigentliche Geschichte beginnen kann: Die erzählt von den vier Freundinnen Faith (Selena Gomez), Candy (Vanessa Hudgens), Brit (Ashley Benton) und Cotty (Rachel Korine), die irgendwo im mittleren Westen leben und endlich einmal den Spring Break mitmachen wollen. Da das nötige Kleingeld fehlt, überfallen sie kurzerhand ein Restaurant und machen sich auf den Weg nach St. Petersburg, Florida. Ungezügelt geben sie sich dem Exzess hin, bis sie bei einer Party festgenommen werden. Die Rettung kommt in Gestalt des rappenden Drogendealers Alien (James Franco), der die Mädchen aus dem Gefängnis holt und bei sich aufnimmt. Doch während Faith ihrem Namen alle Ehre macht und schnell zurück zu ihrer heimischen Kirchengruppe fährt, verfallen gerade Brit und Candy zunehmend der Verführungskraft von Drogen, schnellen Autos und vor allem Geld.

Was als Film begann, der sich zumindest ansatzweise im Exzess des Spring Breaks suhlte, entwickelt sich bald zu einer Metapher über die Verlogenheit des amerikanischen Traums. Spätestens wenn die Mädchen aus dem Gefängnis entlassen werden, sie in den verführerischen Armen Aliens landen, wird Korines eigentliche Intention deutlich: Von den Partys verwöhnter College-Kids verschiebt sich der Fokus zunehmend auf die vom Schwarzen, Hispanics und Möchtegern-Schwarzen wie Alien geprägte kriminelle Subkultur, die im Schatten der glatten, meist weißen Mittelschicht auf ihre Weise den Idealen des amerikanischen Traums nachjagt. Doch hier wie da gilt: Nur wer Schönheit, schnelle Autos und sehr viel Geld hat, zählt etwas in einer Gesellschaft, die jegliche Substanz längst über Bord geworfen hat. Ohne Frage ist dies eine nicht sehr differenzierte Analyse Amerikas, droht Korine mit seinen flirrenden Bildern immer wieder auch selbst dem Reiz der Oberfläche zu erliegen, doch als Dekonstruktion des amerikanischen Traums hat „Spring Breakers“ fast subversive Qualitäten. Mit vom Disney-Konzern kreierten Sternchen wie Selena Gomez und Vanessa Hudgens in den Hauptrollen unterläuft Korine sämtliche Erwartungen und schafft es, seine Independent-Ästhetik mit den Möglichkeiten des Mainstream-Kinos zu verbinden. Das Ergebnis ist ein in seiner betont plakativen Art oft enervierender, doch in seiner radikalen Haltung auch ungemein faszinierender Film.

Michael Meyns

Im „Springbreaker“ lassen die amerikanischen High-Schüler in Florida richtig „die Sau raus“: Party, Feiern, Alkohol, Drogen, Kuscheln und mehr. Tag und Nacht, eine ganze Zeit lang.

Brit, Candy, Cotty und Faith wollen das auch einmal erleben. Also ab, nicht nach Miami sondern in eine Stadt namens St. Petersburg. Dort ist richtig was los: Massenauflauf, Rock und Pop so laut wie möglich, Besäufnis, Tanzen.

Geld haben die vier kaum. Also maskieren sie sich und überfallen ein Bistro. Faith allerdings, die gläubig ist, hat bald Gewissensbisse, fängt an zu leiden und zu weinen. Bald wird sie ihre Freundinnen verlassen und wieder nach Hause zurückkehren.

Die drei Verbliebenen treffen bald auf einen Drogendealer, der sich Alien nennt. Er hat viel Geld gescheffelt, Drogen und Waffen sowieso, ist ein Mordsangeber, verblüfft aber die Mädchen, imponiert ihnen. Sie bleiben bei ihm, genießen den Luxus.

Allerdings hat Alien einen farbigen Konkurrenten. Und das ist im Drogen-Business nicht gut. Bald kommt es zum blutigen Aufeinandertreffen, zur Knallerei. Bis am Schluss so gut wie keiner mehr lebt.

Harmony Korine ist bekannt für seinen Stil. Alles ist bewusst Übertreibung, Überreizung, bigger than Life, Redundanz, Krach, negative Faszination, Sensation – die Freundschaft der Mädchen ebenso wie Aliens Angeberei, die gedankenlose Verführbarkeit von Brit, Candy und Cotty ebenso wie das mörderische Herumgeballere gegen Ende des Films.

Rein filmisch und dramaturgisch ist das (außer den Wiederholungen) prima in Szene gesetzt. Man muss aber den Sinn erkennen und den furchtbaren Stil mögen. Der Anblick der attraktiven Freundinnen ist auf jeden Fall noch eine gute Zugabe.

Und einen gewissen Sinn macht es ebenfalls: Es ist die gefakte aber halbwahre Zurschaustellung dessen, wie viele junge Menschen heute den vorherrschenden Sinn ihres Lebens sehen. Also ist der Film auch in gewissem Maße lehrreich.

Thomas Engel