Sputnik

In den Tagen vor dem Fall der Mauer spielt Markus Dietrichs Kinderfilm „Sputnik“. Fernab der großen Politik haben sich drei zehnjährige Kinder mehr schlecht als recht mit dem real existierenden Sozialismus abgefunden und proben immer wieder den Aufstand. Wie sie sich damit in immer neue Bredouillen bringen erzählt Dietrich auf unterhaltsame Weise.

Webseite: www.sputnikderfilm.de

Deutschland 2013
Regie, Buch: Markus Dietrich
Darsteller: Flora Li Thiemann, Finn Fiebig, Luca Johannsen, Emil von Schönfels, Yvonne Catterfeld, Maxim Mehmet, Jacob Matschenz, Devid Striesow, Andreas Schmidt
Länge: 83 Minuten
Verleih: MFA+
Kinostart: 24. Oktober 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Irgendwo in der brandenburgischen Provinz liegt das kleine Dorf Malkow. Hier lebt Friederike (Flora Li Thiemann) mit ihren Eltern (Yvonne Catterfeld und Maxim Mehmet) ein beschauliches Leben. Während die Eltern die lokale Kneipe betreiben, schaut Rike lieber Westfernsehen, zum Beispiel die Science-Fiction Serie „Raumschiff Interspace.“ Gemeinsam mit ihren Freunden Fabian (Finn Fiebig) und Jonathan (Luca Johannsen) spinnt Rike gern die Raumfahrtgeschichten weiter, imaginiert sich Flüge in den Weltall und träumt davon, Kosmonaut zu werden.

Doch für dieses Ziel ist sie trotz ihrer erst zehn Jahre viel zu rebellisch. Immer wieder eckt sie beim lokalen Abschnittsbevollmächtigten Mauder (Devid Striesow) an, der ein wachsames Auge auf die Clique geworfen hat. Zu Recht, denn das Trio plant ihr größtes Ding: Nachdem Rikes geliebter Onkel Mike (Jacob Matschenz) des Landes verwiesen wurde und nun in West-Berlin lebt, setzt Rike alles dran, ihn zurückzuholen. Und das geht natürlich am einfachsten per Beamen. Mit vielen zusammengeklaubten Teilen und der Hilfe von Herrn Karl (Andreas Schmidt), der alles Erlaubte und vor allem Verbotene besorgen kann, wird eine Konstruktion ersonnen, mit der Mike zurückgeholt werden soll.

Doch derweil – kaum bemerkt von den Kindern – naht das Ende der DDR. Im Fernsehen wird zunehmend von Demonstrationen berichtet, immer mehr Kinder fehlen in der Schule, da ihre Eltern ausgereist sind und auch Rikes Eltern planen die Flucht. Sehr zum Unwillen von Rike, die ihr zu Hause nicht verlassen, sondern nur ihren Onkel wiederhaben will.

Eine clevere Idee, die Geschichte in den Tagen vor dem Mauerfall spielen zu lassen, der im letzten Drittel des Films auf überraschende Weise mit den Abenteuern der Kinder verwoben wird. Dass Leben im kleinen Dorf Malkow wird so zum Mikrokosmos, in dem sich auf kleinem Raum das große Ganze spiegelt. Dieses große Ganze bekommt unter Markus Dietrichs Regie zwar einen etwas folkloristischen Anstrich, in dem die Realität der DDR durch eine rosarote Brille gezeichnet wird. Mehr als ein Tadel in der Schule steht nicht auf dem Spiel, mehr als ein etwas trotteliger Staats-Beamter stellt sich den Kindern nicht in den Weg.

Doch auch wenn die Welt von „Sputnik“ eher einer Dorfidylle gleicht und sich die Kinder etwas zu modern verhalten, kann die Geschichte überzeugen. Mit viel Witz und Imaginationskraft wird von den Versuchen erzählt, eine Beam-Maschine zu bauen, wobei die zwischenmenschliche Ebene nicht zu kurz kommt. Streitereien mit systemkonformen Klassenkameraden und Konfrontationen mit den Eltern sorgen für Konflikte, die nie dramatisch werden, aber der abenteuerlichen Geschichte doch eine Bodenhaftung geben, die „Sputnik“ zu einem flott inszenierten, sehenswerten Kinderfilm macht.

Michael Meyns