Stan & Ollie

Als Stan Laurel und Oliver Hardy sich im Jahr 1953 aufmachten, um in Großbritannien eine Bühnen-Tournee mit ihren besten Gags zu absolvieren, lag die Filmkarriere der beiden schon lange hinter ihnen – und auch die Freundschaft hatte gelitten. Aber die alte Magie war noch da. Nirgendwo fühlen sich die beiden wohler als auf der Bühne. Der Film befasst sich vor allem mit der britischen Tour der Jungs und ist eine emotional mitreißende Geschichte über Freundschaft. Großartig ist dieses Werk für alle, die Laurel und Hardy noch immer lieben, aber auch für sich stehend ist dies ein ausgesprochen schöner Film mit dem überragenden Duo John C. Reilly und Steve Coogan.

Webseite: squareone-entertainment.com

Stan & Ollie
Großbritannien, Kanada, USA 2018
Regie: John S. Baird
Buch: Jeff Pope
Darsteller: John C. Reilly, Steve Coogan, Danny Huston, Nina Arianda
Länge: 98 Minuten
Verleih: SquareOne Entertainment, Vertrieb: DCM
Kinostart: 9. Mai 2019

Hinweis:
falls jemand als "Extra" zum Film Stan & Ollie im Original zeigen will: Laurel & Hardy-Kurzfilme gibt es bei Interfilm…

FILMKRITIK:

Obwohl der Film mehrheitlich im Jahr 1953 spielt, fängt er mit einer wichtigen Szene im Jahr 1937 an. Laurel und Hardy, die beide bei Hal Roach unter Vertrag stehen, drehen gerade die Komödie „Zwei ritten nach Texas“, fühlten sich aber ungerecht behandelt. Weil Roach viel mit ihnen verdiente, ihnen aber im Vergleich zu berühmten Kollegen wie Charlie Chaplin nur wenig blieb. Aber ihr Vertrag lief nicht zeitgleich aus und so versuchte Roach, sie gegeneinander auszuspielen. Das führte zu einem Bruch der Partnerschaft, auch wenn in den 1940er Jahren noch weitere Filme für 20th Century Fox folgen sollten. Die große Zeit von Laurel und Hardy war jedoch vorbei, aber im Großbritannien der frühen 1950er Jahre lässt sie sich zumindest kurzzeitig noch einmal wiederbeleben.
 
Laurel und Hardy begeben sich mit einigen ihrer besten Sketche auf Tournee, hoffen aber eigentlich auf einen neuen Film, der von einem britischen Produzenten versprochen wurde – eine humorige Version von Robin Hood mit Laurel und Hardy. Aber zuerst kommt die Tournee, und mit ihr nicht nur Probleme, sondern auch unbewältigte Dinge der Vergangenheit.
 
Der Film basiert auf A.J. Marriotts in den frühen 1990er Jahren erschienenem Buch „Laurel and Hardy: The British Tours“, das sich ausführlich mit der Zeit befasst, in der das Duo nicht nur auf den Bühnen stand, sondern auch zahlreiche Auftritte in der Öffentlichkeit absolvierte, um auf die Show aufmerksam zu machen. Es sind aber nicht nur die Momente auf der Bühne, die diesem Film seine Magie verleihen, es ist auch die bodenständige Erzählung einer Partnerschaft, aus der Freundschaft wurde, die aber unter den Umständen leidet. Der Unterschied beider Männer wird dabei sehr deutlich: Laurel ist der Macher, der Gag-Schreiber, der Mann, der auch im Schneideraum war, Hardy ist der Komiker, der nur spielen will. Aber beide ergänzen sich perfekt. Und dennoch gab es den Moment, an dem diese Freundschaft Schaden nahm. Das zeigt der Film auf eindringliche Weise, ist aber auch versöhnlich, da dies eine Partnerschaft ist, die auf einem echten Band der Freundschaft fußt – und die kann nichts entzweien.
 
Es ist toll, das Duo auf der Bühne zu sehen, aber auch die berühmte Tanzszene aus „Zwei ritten nach Texas“ ist sehr prägnant. Es ist das Ende der ersten Szene des Films, nachdem man Laurel und Hardy auf dem Weg zum Set in einer langen Einstellung gefolgt ist. Was John C. Reilly und Steve Coogan hier in den Hauptrollen abliefern, ist grandios. Sie imitieren nicht nur den Tanz der beiden Komiker, sie haben deren Manierismen und den Sprachduktus perfekt drauf.
 
Reilly hat es da vielleicht sogar ein wenig leichter, weil er in einem Fat-Suit und hinter dickem Make-up steckt, Coogan ist da sehr viel direkter. Er trug zwar Kontaktlinsen, die auf Laurels Augenfarbe abgestimmt waren, in erster Linie ist es aber einzig und allein sein Spiel, mit dem er vom ersten Moment an ganz und gar zu Stan Laurel wird. 
 
Der für mehrere BAFTAs und einen Golden Globe nominierte Film ist eine Verbeugung vor dem größten Komiker-Duo der Filmgeschichte. Für Fans des Duos gibt es viel zu entdecken, auch wenn manches aus dem Reich der Mythen ist. Aber dennoch ist es amüsant, Laurel und Hardy zuzusehen, wie sie im echten Leben auch nicht sehr viel anders als in ihren fiktiven Personas sind. Wirklich wahr ist, dass die beiden zuletzt versuchten, in einem Robin-Hood-Film mitzuspielen. Den gab es nie, man bekommt aber eine Szene zu sehen, die zeigt, wie dieser Film hätte sein können. Mehr noch, wie er hätte sein können, wenn er entstanden wäre, als die Jungs auf dem Zenit ihres Schaffens waren.
 
Wenn man „Stan & Ollie“ ansieht, hat man nicht das Gefühl, Schauspieler zu sehen, die so tun, als wären sie Laurel und Hardy. Es ist so, als würde man den beiden wirklich zusehen. Ein größeres Kompliment kann man den Akteuren, aber auch dem Film wohl kaum aussprechen.
 
Peter Osteried

Stan Laurel und Oliver Hardy: Noch heute lachen Jung und Alt herzlich über das geniale Komiker-Duo, das sich so herrlich streiten konnte, mit Fingerstups in die Augen oder Schubs gegen die Schulter, im Kampf mit der Tücke des Objekts oder ihren Ehefrauen. In den 1970er Jahren erlebten sie im deutschen Fernsehen ein fabelhaftes Comeback, nun macht ein Kinofilm mit einem unbekannten Abschnitt ihrer Karriere vertraut. Stan und Ollie begeben sich 1953 auf Theatertour durch Großbritannien. Doch die Zeiten haben sich geändert… „Stan & Ollie“ ist voller zärtlicher Momente, und geschickt findet Baird die Balance zwischen lustigem Slapstick und leisem Drama. Und wird dabei von zwei tollen Darstellern unterstützt. Großartig in den Titelrollen: Steve Coogan und John C. Reilly
 

Sie sind das wohl größte Komikerduo der Filmgeschichte: Stan Laurel (1890-1965) und Oliver Hardy (1892-1957). Die deutschen Kinos machten sie lange Zeit als Dick und Doof unsicher – was ein bisschen respektlos ist und auch nicht ganz richtig, trotzdem aber einen wunden Punkt trifft. Stan und Ollie sind zumeist die Dummen in ihren Filmen, über die das Publikum herzlich lachen kann. Unvergessen so wundervolle Laurel/Hardy-Fime wie „Alles in Schlagsahne“ mit der größten Tortenschlacht aller Zeiten und „Zwei Matrosen“, bei dem sich die Teilnehmer eines Verkehrsstaus gegenseitig die Autos zerlegen. Noch lustiger „Eine Landpartie“ (A Perfect Day), bei dem Stan und Ollie mit ihren Frauen und einem Onkel zum Picknick ins Grüne fahren wollen und nach einigen Missgeschicken gleich nach der ersten Kurve in einem Schlammloch versinken. Jung und alt haben herzlich über das ständige „Auf Wiedersehen!“-Gerufe gelacht, das den überschwänglichen, von heftigem Winken und Hüteschwenken begleiteten Anschied von den Nachbarn begleitet. Nun gibt es einen Spielfilm über das geniale Duo, ein sogenanntes Biopic, das sich allerdings auf die letzten Jahre ihrer Karriere konzentriert, auf eine Theatertour durch Großbritannien. Und schon der Titel „Stan und Ollie“, also die Nennung der Vornamen, weist daraufhin, dass es hier sehr persönlich und privat zugehen wird.
 
Nach einem kurzen Blick auf Laurel/Hardys große Erfolge, die Westernkomödie „Im fernen Westen“ zum Beispiel, oder ihre Streitigkeiten mit dem legendären Produzenten Hal Roach um mehr Geld springt der Film ins Jahr 1953. Stan Laurel und Oliver Hardy – im perfekten Zusammenspiel von Steve Coogan und John C. Reilly verkörpert – schiffen sich, begleitet von ihren Frauen, nach Großbritannien ein, um eine nostalgische Theatertour durch englische Städte zu absolvieren, bei der sie noch einmal ihre besten Sketche aufführen. So wollen sie einem Hollywood-Mogul bei Columbia beweisen, dass sie noch immer für einen weiteren Film gut sind. Stan und Ollie sind älter geworden, sie haben sich in den letzten Jahren kaum gesehen, doch so bald sie auf der Bühne stehen, greifen sie perfekt auf ihre erprobten Sketche zurück. Allerdings hält sich das Publikumsinteresse in Grenzen, ihr windiger britischer Promoter hat nur kleine Klitschen gebucht. Doch dann erklären sich Stan und Ollie bereit, Werbung im Fernsehen und für Zeitschriften zu machen. Immer mehr Menschen kommen zu ihren Shows. Doch die zusätzliche Arbeit fordert ihren Tribut. Ollie erleidet einen Herzanfall, die Rückkehr ins Kino wird immer unwahrscheinlicher.
 
Zu den Schönheiten des Films zählt, dass Regisseur Jon S. Baird, die Komik von Laurel/Hardy genau nachempfindet. Das berühmte „Tit for Tat“, Hardys „Slowburn“ oder Albernheiten wie das synchron getanzte Kartoffelballett sind auch heute noch köstlich. Kurzum: „Stan und Ollie“ ist ein extrem lustiger, sehr unterhaltsamer Film. Doch es geht hier noch um mehr; um eine Freundschaft, die vor Jahren einmal einen Knacks erhielt, um zwei alte Männer, die es noch einmal wissen wollen und sich vor Armut und Einsamkeit fürchten, um zwei Ehefrauen, die sich – aus unterschiedlichen Gründen – um ihre Gatten sorgen. „Stan & Ollie“ ist voller zärtlicher Momente, vor allem, wenn Stan den kranken Ollie im Krankenhaus besucht und so zu ihrer Versöhnung beiträgt. Geschickt findet Baird die Balance zwischen lustigem Slapstick und leisem Drama. Und wird dabei von zwei tollen Darstellern unterstützt.
 
Michael Ranze