Star Trek

Eine heilige Kuh wie die langlebige Science-Fiction Reihe „Star Trek“ zu neuem Leben zu erwecken ist eigentlich eine kaum lösbare Aufgabe. Auf bemerkenswert originelle Weise ist es J.J. Abrams – vor allem als Erfinder von Fernsehserien wie „Alias“ und „Lost“ bekannt – mit dem inzwischen elften „Star Trek“ – Film  jedoch gelungen, sowohl die Erwartungen eingefleischter Fans zu erfüllen, als auch einen zeitgemäßen, modernen Science-Fictionfilm zu drehen.

Webseite: www.star-trek-film.de

Regie: J.J. Abrams
Buch: Roberto Orci, Alex Kurtzman
Kamera: Daniel Mindel
Schnitt: Maryann Brandan, Mary Jo Markey
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Simon Pegg, Zoe Saldana, John Cho, Karl Urban, Anton Yelchin, Eric Bana, Wininy Ryder, Bruce Greenwood, Leonard Nimoy
USA 2009, 126 Minuten, Format: 1:2,35 (Scope)
Verleih: Paramount
Kinostart: 7. Mai 2009

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Spätestens seit dem gigantischen Erfolg der beiden neuen Batman-Filme, ist das Konzept des „Reboots“ in Hollywood als Mittel der Wahl akzeptiert, wenn es darum geht eingeschlafene Serien zu neuem Leben zu erwecken. Der Kniff dabei ist es, nicht einfach eine Fortsetzung zu drehen, die mehr oder weniger Rücksicht auf bekannte Ereignisse und Entwicklungen in der Mythologie der jeweiligen Serie nehmen muss, sondern einfach wieder von Null zu beginnen: Alles bisher Gesehene existiert nicht mehr, der Held beginnt seine Karriere von neuem. So einfach machen es sich die Macher des neuen „Star Trek“ – Films nicht. Ihr Captain Kirk, ihr Spock und Scotty und all die anderen bekannten Figuren, sind nicht einfach nur neue Versionen mit neuen, jungen Gesichtern, sondern existieren in einem Universum, das parallel zum bislang bekannten Star Trek-Kosmos existiert. Auf komplexe, aber durchaus nachvollziehbare, logische Weise, wird dieser Kniff erklärt und brillant in die Handlung eingebaut. So beginnt der Film mit dem heroischen Tod von Kirks Vater (der in der alten Star Trek-Welt lebte), der sein Schiff vor dem Angriff durch den Romulaner Nero (Eric Bana) schützt. Dieser ist in der Lage durch Manipulation der Raum-Zeit schwarze Löcher zu kreieren, die nicht nur ganze Planeten zerstören können (was einige Male überaus effektvoll passiert), sondern auch als Portale zwischen den Welten funktionieren. In der neuen Star Trek-Welt sehen Kirk und Spock also nicht mehr aus wie William Shatner und Leonard Nimoy, sondern wie Chris Pine und Zachary Quinto. Erstaunlicherweise machen die weitestgehend unbekannten Jungdarsteller in den ikonischen Rollen eine bemerkenswert überzeugende Figur. Sie agieren ähnlich wie die großen Vorbilder, aber doch eigen genug, um nicht zu bloßen Kopien zu werden. Wie sie in Iowa bzw. Vulcan aufwachsen, auf der Raumfahrtakademie und schließlich gemeinsam auf der Enterprise landen, ist das erzählerische Rückgrat des Films. Nach und nach kommen die Mitglieder der bekannten Enterprise-Crew zusammen, von McCoy und Uhura, über Sulu und Chekov, bis sie schließlich von Scotty komplettiert werden.

Das schöne ist, dass der Film dabei nicht in Ehrfurcht vor den alten Star Trek-Folgen und Filmen erstarrt, sondern etwas Eigenes ist, das sich aber doch ganz wie Star Trek anfühlt. Natürlich sind die – allerdings sparsamen und meist sinnvoll eingesetzten – Actionszenen wesentlich bombastischer, die politischen und gesellschaftskritischen Subtexte, die zum Kultstatus besonders der Originalserie beitrugen, praktisch nicht vorhanden. Dennoch ist „Star Trek“ ein überaus gelungener zeitgemäßer Science-Fiction Film, der einer tot geglaubten Serie neues Leben einhaucht. Was in den zwangsläufigen Fortsetzungen daraus wird, bleibt abzuwarten, einen besseren Neubeginn als diesen Film jedoch, kann man sich kaum vorstellen.

Michael Meyns