Stopping – Wie man die Welt anhält

Meditation – was steckt jenseits von Lifestyle und Esoterik wirklich dahinter? Vier Menschen wollen herausfinden, was die uralte Bewusstseinstechnik in ihrem Leben bewirken kann. Filmemacher Bernhard Koch begleitet sie auf ihrem Weg zu mehr Stille und Einkehr und spricht mit Meditationslehrern verschiedener Glaubensrichtungen, unter anderem Anselm Grün und Lama Ole Nydal.

Webseite: http://stoppingderfilm.org

Deutschland 2014 – Dokumentation
Regie: Bernhard Koch
Buch: Bernhard Koch, Nils Landmark
Kamera: Hubert Märkl
Länge: 90 Minuten; FSK: ab 0 J.
Verleih: Spuren Pfade Filme, Vertrieb: Die Filmagentinnen
Kinostart: 26. Februar 2015

FILMKRITIK:

Friedrich ist Anästhesist in Berlin. Oft kann er abends nicht abschalten, grübelt über seinen Job, findet keine Ruhe. Er reist in ein buddhistisches Retreat und probt ein Wochenende lang die Vipassana-Meditation, bei der vor allem auf den Atem geachtet wird. Uta ist Mutter dreier Kinder und von ihrem Alltag gestresst. Sie möchte sanfter mit ihren Töchtern umgehen und probiert gemeinsam mit ihrem Mann die anthroposophische Meditation nach Rudolf Steiner. Dorothea lebt und arbeitet als Lektorin in London. Auch sie will im Alltag zwischen Beruf und Familie mehr Standfestigkeit und Ruhe und nimmt an einem achtwöchigen Kurs teil, der eine Achtsamkeitsmeditation vermittelt. Theologe Nico schließlich hat Zazen für sich entdeckt und sitzt in einem Zen-Kloster dreimal täglich 90 Minuten lang in strenger Meditationshaltung.
 
Ihnen allen folgt Bernhard Koch mit der Kamera. Will sagen: er folgt ihnen, so weit er kann. Denn der eigentliche Vorgang des Meditierens lässt sich naturgemäß mit der Kamera nicht einfangen. Das ist ein wenig das Dilemma des Films, der die inneren Vorgänge versucht mit bildlichen Metaphern abzubilden. Nicht immer gelingt das überzeugend. Insgesamt aber hat das Team, das den Film aus eigenen Mitteln und mit viel Idealismus realisierte, ein klares visuelles Konzept umgesetzt. Die Bildsprache will den Zuschauer ins Geschehen hineinziehen; Distanz zum Thema ist in diesem Film ohnehin eher nicht gefragt. Es ist eher das Projekt von Meditierenden, die den Zuschauer von den Vorzügen der Meditation überzeugen wollen.
 
Dazu geben sie einen weiten Rundblick über verschiedene Formen der Meditation und ihren jeweiligen weltanschaulichen Hintergrund. Die Gespräche mit dem Pater und Bestseller-Autor Anselm Grün, dem buddhistischen Mönch Bhante Nyanabodhi oder der Meditationslehrerin Marie Mannschatz sind interessant und bieten vor allem Anfängern und Interessierten einen ersten Einblick. Im Verlauf des Films stellt sich eine gewisse Redundanz ein. Schade, dass die Autoren nicht weiter verfolgen, wie sich Meditation konkret auf das Leben ihrer Protagonisten auswirkt.
 
Gerade weil Meditation mittlerweile auch von der westlichen Medizin und Psychologie als nicht nur wohltuend, sondern auch heilend eingestuft wird, vermisst man ein wenig die spannenden wissenschaftlichen Erkenntnisse, die in den letzten Jahren gewonnen wurden. Andererseits sucht „Stopping“ den eher praktischen Ansatz. Und so gelingt es dem Film, für den Wert von Stille, Einkehr, Selbstreflexion und Konzentration auf das Innenleben zu werben und damit für Werte jenseits der Verheißungen des hektischen Lebens in der Wohlstandsgesellschaft.
 
Oliver Kaever