Südafrika – Der Kinofilm

Nach „Australien in 100 Tagen“, „Neuseeland auf eigene Faust“ und einer Doku über die portugiesische Algarve ist „Südafrika – Der Film“ nun ein weiteres Projekt, mit dem die Frankfurter Silke Schranz und Christian Wüstenberg das Fernweh im Kinosaal befeuern. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur Tierbeobachtungen in Nationalparks sowie beeindruckende Landschaftsaufnahmen, sondern auch Anmerkungen zu einigen wunden Punkten im Zusammenhang mit dem vielschichtigen Reiseland. Mit zum Konzept gehört auch, den Südafrikafilm persönlich auf einer Kinotour zu begleiten. Der Startschuss dazu fällt am 7. Februar 2016.

Webseite: http://suedafrikafilm.de

Deutschland 2015
Regie: Silke Schranz, Christian Wüstenberg
Reisedokumentation
99 Minuten
Verleih: Comfilm
Kinostart: 25.2.2016
 

FILMKRITIK:

Persönliche Berichte über Reisen in exotische und ferne Länder machten vor noch nicht allzulanger Zeit vor allem in Stadt-, Gemeinde- oder Schulhallen die Lust auf ferne Ziele schmackhaft – ursprünglich noch mit mehrfach übereinandergestapelten Diaprojektoren und mit Überblendtechnik. Die Erlebniskommentare dazu taten die Abenteurer persönlich und live übers Mikro kund. Das Segment solcher Multivisionsshows und Reisereportagen hat sich zwischenzeitlich auch aufgrund der zur Verfügung stehenden digitalen Aufnahme- und Abspieltechniken grundlegend verändert. Als Aufführungsorte sind auch Kinosäle immer interessanter geworden.
 
Silke Schranz und Christian Wüstenberg aus Frankfurt zeigen ihre Reisefilme seit 2008 in Lichtspieltheatern. Von ihnen stammen auch die beiden mit einer speziellen „Helikopterkamera“ gefilmten Eindrücke der Filme „Die Nordsee von oben“ und „Die Ostsee von oben“. Naheliegend, dass diese Technik auch in Südafrika zum Einsatz kam.
 
Zwei Monate lang sind die beiden für sämtliche Arbeitsschritte vom Konzept bis hin zur Vermarktung des Films verantwortlichen unabhängigen Filmemacher von Kapstadt aus mit einem Wohnmobil rund 10.000 Kilometer über die Gardenroute und Durban mit Abstechern nach Swaziland und Lesotho bis zum Ziel in Johannesburg gereist. Ihr Anspruch dabei war, einen Reisefilm so zu erstellen, als wenn man seine Eindrücke zuhause seinen Freunden in Wort und Bild berichtete. Anekdotisches hat da also ebenso Platz wie augenzwinkernde Bemerkungen zum Zebra, das wie ein Testbild an den Beginn des Films geschnitten ist oder ein eher ablehnender Kommentar zum touristischen Angebot eines Ritts auf einem Straußenrücken.
 
Dass Südafrika nicht nur grandiose Landschaften und eine in den Nationalparks hautnah zu erlebende bunte Tierwelt zu bieten hat, das zeigen Schranz und Wüstenberg in persönlichen Begegnungen mit Südafrikanern. Sie sind dabei bei einer geführten Township-Tour in Kapstadt und lassen sich ein illegal gebrautes Bier aus einem Fünflitereimer für umgerechnet zwei Euro schmecken, besuchen in Nelson Mandelas Heimatdorf eine Grundschule oder werfen einen Blick in das traditionelle Rundhaus eines Zulufarmers.
 
Dass sie ein anderes Verständnis für Reisefilme haben, zeigen sie auch in ihrer Begegnung mit einem Ranger und seinen Aktivitäten gegen Nashornwilderer. Weil das Horn der Dickhäuter mittlerweile einen höheren Kilopreis erzielt als Gold, fielen vergangenes Jahr allein im Krüger Nationalpark über 1000 Nashörner der illegalen Jagd zum Opfer. In der kurzen Episode über einen Bootsausflug, bei dem Touristen in einem zu Wasser gelassenen Käfig einen angelockten Hai die Zähne fletschen sehen können, kommt ebenso wie beim Stopp an einer Bungeebrücke zum Ausdruck, dass die Motivation auf Fernreisen nicht immer nur Land und Leuten gilt, sondern häufig eben auch nach Nervenkitzel verlangt. In Südafrika gibt’s den freilich schon beim Besuch der Nationalparks. Davon können auch Silke Schranz und Christian Wüstenberg ein Lied singen, als sie einmal von einer Elefantenhorde umringt waren. „Schlagartig hatten wir You-Tube-Videos vor Augen, in denen sich Elefanten auf die Motorhaube setzten“, berichten sie und zählen eine wichtige südafrikanische Verkehrsregel auf: „Elefanten haben immer Vorfahrt.“ Auf ihrer Kinotour werden sie sicher noch weitere praktische Tipps parat haben.
 
Thomas Volkmann