Swans – Where Does a Body End?

Die Anfang der 80er Jahre in New York gegründete Band Swans gilt als eine der härtesten, lautesten Live-Bands der Welt. Einen Einblick in ihre Intensität, ihre wechselhafte Geschichte liefert Marco Porsia mit seiner intimen Dokumentation „Swans – Where Does a Body End?“, für die der Regisseur jahrelang Teil des inneren Zirkels der Band war. Gerade deswegen: Ein Film für Fans.

Webseite: www.salzgeber.de

Dokumentation
Kanada 2019
Regie: Marco Porsia
Länge: 124 Minuten
Verleih: Edition Salzgeber
Kinostart: 9. Januar 2020

FILMKRITIK:

Die Geschichte der Swans ist vor allem die Geschichte von Michael Gira, Gründer, Kopf und einziges ständiges Mitglied einer Band, die seit 1982 – mit teils langen Pausen – existiert und laute, sehr laute Musik macht. Aufgewachsen in Kalifornien, als Sohn von Alkoholikern, die ihn schon in jungen Jahren mehr oder weniger sich selbst überließen, zog Gira 1979 nach New York, zu einem Zeitpunkt also, als die Ostküsten-Metropole am Abgrund war, in Dreck und Kriminalität erstickte, aber auch Spielfeld für künstlerische Entwicklungen aller Art war.
 
Angesichts dieser Umstände überrascht es wenig, dass Gira und seine 1982 gegründete Band Swans sich dem Post-Punk, der Industrial Musik verschrieben und Musik machten, die laut, wild und aggressiv war. Schnell fanden die Swans auch internationalen Erfolg, traten auch in Europa auf, in Berlin etwa, wo sie unter anderem Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten begegneten.
 
Bargeld ist einer der vielen Wegbegleiter, die Marco Porsia für seine Dokumentation interviewt hat, in der er die lange Geschichte der Swans akribisch nachzeichnet. Besonders anfangs ist die Geschichte der Swans auch eine Geschichte New Yorks und seiner vielseitigen Musikszene, dem legendären Punk-Club CBGB, verfallenen Häusern in der East Side, aber auch der Möglichkeit in einer Welt frei und für wenig Geld zu leben, die bald durch die Gentrifizierung verschwinden sollte.
 
Welche Bedeutung die Swans für diese Szene wirklich hatten, wie weit ihr Einfluss ging ist angesichts der elogischen Töne, die sämtlich Interviewten anschlagen kaum zu beurteilen. Dass auch Porsia ein Fan der Band ist, ist nicht zu übersehen, ansonsten hätte er die Band wohl auch nicht fünf Jahre lang begleitet, bei Proben, Aufnahmen und Konzerten gefilmt. Einerseits ist diese Nähe und offensichtliche Begeisterung zwar eine Qualität, andererseits fehlt der Dokumentation „Swans – Where Does a Body End?“ auch jegliche kritische Distanz zu ihrem Thema, so dass sie in erster Linie für Fans der Band sehenswert ist.
 
Denen wird jedoch viel geboten: Zahllose Fotos, frühe Videoaufnahmen und anderes Archivmaterial hat Porsia zusammengetragen, ehemalige Mitglieder wie den späteren Sonic Youth-Gitaristen Thurston Moore interviewt und auch die weiche Seite des oft grimmig und enigmatisch wirkenden Michael Gira durch lange Gespräche hervorgeholt.
 
Welche Energie und Wucht die Swans auch heute, da Gira über 60 Jahre alt ist, nach Jahrzehnten täglichen Trinkens dem Alkohol entsagt hat, zeigen wiederum aktuelle Konzertaufnahmen, bei denen alte und neue Fans ihren Idolen huldigen. Mit dieser Dokumentation haben sie nun auch im Kino zwei Stunden Zeit dafür.
 
Michael Meyns