Tanja – Life in Movement

Mit nur 29 Jahren wurde Tanja Liedtke zur künstlerischen Leiterin des größten australischen Modern-Dance-Ensembles, der „Sydney Dance Company“ berufen. Wenige Wochen vor diesem großen Schritt wurde sie in der Nacht auf offener Straße von einem Lastwagen erfasst und starb. Ihr kurzes energiegeladenes Wirken und ihr Nachleben in den Köpfen und Herzen ihrer Mittänzer, Freunde und Familie fließen hier ineinander: Es ist eine experimentierfreudige, emotionale, persönliche und tief bewegende Hommage an eine Ausnahme-Künstlerin und an die Kreativität, an das Leben und Überleben generell.

Webseite: www.tanjalifeinmovement.de

Australien 2011 – Dokumentation
Regie und Buch: Bryan Mason und Sophie Hyde
Musik: DJ TI!P
Mit: Tanja Liedtke, Solon Ulbrich, Lloyd Newson, Garry Stewart, Kristina Shan, Paul White
Länge: 79 Minuten, OmU
Verleih: Karin Kaper Film Berlin
Kinostart: 31.10.2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

In kunstvollen Montagen ersteht eine junge Künstlerin wieder auf: Tanja Liedtke forderte Geist und Körper, sie hatte den Drang nach Perfektion und sich ständig zu hinterfragen. Ihre Mitmenschen sagen „Sie war die Lichtgestalt. Mit ihr hätte ich bis ans Ende meiner Karriere arbeiten können“ und „Sie war der Inbegriff des Lebens“. Ein Kritiker der „London Times“ beschrieb sie als „Blitz aus heiterem Himmel“. Ihre Choreographien waren stürmisch, athletisch witzig und gesellschaftskritisch. Sie tanzte ihre Gefühle. Mit dem Erfolg wuchsen die Herausforderungen und Selbstzweifel.

„Als Dreijährige wollte ich eine Blume sein“, erzählt sie lächelnd in einer Videoeinspielung. Später merkte sie, so absurd war der Gedanke gar nicht. Sie schlingt und räkelt sich wie eine aufblühende Pflanze. Tanja Liedtke, 1977 in Stuttgart geboren, machte Ballettausbildungen in Madrid und London und wurde Solotänzerin im „DV 8 London Physical Theatre“. Bereits mit 19 Jahren entwickelte sie eigene Choreographien. Einen Monat ehe sie die Leitung der „Sydney Dance Company“ übernehmen sollte, als Nachfolgerin von Graeme Murphy, starb sie mit nur 29 Jahren. Die Todesnachricht versetzte ihr Umfeld in einen Schockzustand. Für ihren Bruder „stand die Welt still“. Ihrer Compagnie wurde der Motor und die Inspirationsquelle entrissen. Aber ihre Mittänzer wollen ihr Werk auch bewahren.

Die Dokumentation stellt die Tournee mit Liedtkes preisgekrönter Arbeit „Twelfth Floor“, in der es um das erwungene Zusammenleben auf engem Raum geht, in den Mittelpunkt. Die Theateraufzeichnungen, die Selbstaufnahmen, die Interviews umkreisen die Person und ihre Kunst: Was machte ihre Kreativität aus, ihre Arbeit, ihren Charakter, ihr Temperament, ihre Zweifel? Wie fühlt es sich an, wenn der kreative Kopf eines Ensembles plötzlich nicht mehr da ist?

Kamera und Musik (von Liedtkes Sound-Designer DJ TR!P) gestalten diesen Rhythmus zwischen sprühenden Ausdrucksdrang und dessen Verlust, zwischen Karriereende und Weiterleben, zwischen Leben und Tod aktiv mit: Tanzfiguren von Tanja Liedtke fügen sich in der Art einer Man-Ray-Fotoserie zusammen. Fischei-Aufnahmen wechseln mit Panoramen, Zeitungstexte erscheinen transparent als Mikrofiches über den Tanzaufnahmen. Die wechselndenen Einstellungen spiegeln den Aufruhr der Befragten. Alle müssen ihr Leben neu angehen. Ein Ensemblemitglied weiß am Ende: „Wenn du dich verlieben oder Kunst schaffen oder ein guter Mensch sein willst: Tu es sofort. Denn du hast niemals genug Zeit.“

Dorothee Tackmann