The Bang Bang Club

Wie gefährlich der Job eines Kriegsfotografen sein kann, zeigte erst kürzlich der tragische Tod des Dokumentarfilmers Tim Hetherington („Restrepo“). Die kanadisch-südafrikanische Co-Produktion „The Bang Bang Club“ gibt den Menschen, deren Bilder unsere Sicht auf viele Krisenregionen dieser Welt prägen, ein Gesicht. Authentisch, hart und ohne eine moralische Wertung betrachtet der Film einen Beruf, der nicht selten unglaubliche persönliche Opfer verlangt.

Webseite: www.senator.de

Südafrika/Kanada 2010
Regie & Drehbuch: Steven Silver
Vorlage: Greg Marinovich, João Silva
Produktion: Adam Friedlander, Daniel Iron, Lance Samuels
Darsteller: Ryan Phillipe, Taylor Kitsch, Frank Rautenbach, Neels van Jaarsfeld, Malin Akerman
Laufzeit: 107 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart: 23.6.2011

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Mit dem Ende der Apartheid brachen in Südafrika Anfang der neunziger Jahre heftige Unruhen zwischen den Anhänger des von Nelson Mandela angeführten ANC (African National Congress) und der Inkatha Freedom Party (IFP) aus. Beide Gruppen nahmen für sich in Anspruch, die Anliegen der lange Jahrzehnte unterdrückten farbigen Bevölkerung Südafrikas zu vertreten. Tatsächlich standen hinter ihnen zunächst bestimmte Volksgruppen – die der Xhosa und der Zulus –, deren blutige Kämpfe vor allem in den Townships für Tausende Tote verantwortlich waren. In diese bisweilen unübersichtliche Kampfzone wagten sich immer wieder die vier Fotoreporter des „Bang Bang Clubs“. Für eine gute Aufnahme riskierten Kevin Carter (Taylor Kitsch), Greg Marinovich (Ryan Phillipe), Ken Oosterbroek (Frank Rautenbach) und João Silva (Neels van Jaarsfeld) regelmäßig ihr Leben. Der Lohn ihrer Arbeit waren nicht zuletzt zahlreiche Auszeichnungen. So erhielten Carter und Marinovich beide den renommierten Pulitzer-Preis.

Weniger Beruf als Berufung, ist die Arbeit der vier Ausnahmefotografen für jemanden, der lediglich das Resultat, aber nicht die Entstehungsgeschichte kennt, nur schwer einschätzbar. Sowohl den Motiven der Männer als auch ihrem Einsatz für jedes einzelne Bild versucht „The Bang Bang Club“ zumindest etwas näher zu kommen. Regisseur Steven Silver war zuvor vor allem als Dokumentarfilmer tätig, was sich im Stil und Blickwinkel seines Films erkennbar widerspiegelt. Erschreckend real wirken viele der Aufnahmen aus den Townships von Soweto und Thokoza, in denen zum Ende des Apartheid-Regimes ein hasserfüllter Bürgerkrieg tobte. An dieser Stelle macht es sich schließlich bemerkbar, dass der Dreh weitgehend an Originalschauplatzen um Johannesburg und in Zusammenarbeit mit den dortigen Bewohnern stattfand. In authentischen, immer wieder von Gewalteruptionen durchdrungenen Bildern fängt „The Bang Bang Club“ ein außerhalb Südafrikas nur wenig bekanntes Kapitel Zeitgeschichte ein.

Mehr noch als Mahnung und Erinnerung an das, was gerade einmal vor zwei Jahrzehnten dort geschah, beschreibt der Film jedoch die Arbeit der Kriegsfotografen. In dem wir zusammen mit dem ehrgeizigen Rookie Greg Marinovich diese verschworene Gemeinschaft kennenlernen, wird der von Ryan Phillipe verkörperte Nachwuchsfotograf zu der Figur, der wir den gesamten Film über am nächsten sind und kommen. Im Gegensatz dazu bleibt insbesondere „Club-Chef“ Kevin Carter ein Mysterium. Mit seiner unangepassten, rebellischen Attitüde, seinen regelmäßigen Drogentrips und Abstürzen ähnelt er – bzw. Taylor Kitschs Interpretation – mehr einem unglücklichen, depressiven Rockstar. Sein beruflicher Erfolg ist letztlich (zu) teuer erkauft. Am Ende kann er nicht anders, als Selbstmord zu begehen, um so für immer den eigenen Bildern und Erinnerungen zu entfliehen.

Das moralische Dilemma dieser Männer, einerseits unglaubliches Leid zu dokumentieren und es so für die Welt sichtbar zu machen, andererseits passive Beobachter zu bleiben, legt den Finger in eine tiefe Wunde. Es ist der Gegensatz, an dem Carter zerbricht und der seine Weggefährten ein Leben lang beschäftigen wird. Silver verzichtet bewusst auf ein finales Urteil. Stattdessen beschränkt er sich darauf, die Gefahren auch abseits der eigentlichen Einsätze zu benennen. So produziert der schnelle Ruhm bei allen Beteiligten viel zu große Egos. Es ist dieser Perspektivwechsel, den „The Bang Bang Club“ so besonders macht. Plötzlich sehen wir hinter das Motiv und blicken auf das, was auf der anderen Seite des Objektivs ansonsten im Verborgenen bleibt.

Marcus Wessel

Wer sind Greg Marinovich, Kevin Carter, Ken Oosterbroek und Joao Silva? Dieser Film Zeigt es.

Südafrika Anfang/Mitte der 90er Jahre. Die unmenschliche Apartheid nähert sich dem Ende. Doch die Wandlung geht nicht ohne Bürgerkrieg, nicht ohne Blutvergießen vor sich. Die genannten Männer, allesamt Kriegsfotografen und zusammen „The Bang Bang Club“ genannt, stürzen sich in das Getümmel, in das Gemetzel. Es geht längst nicht mehr nur um schwarz gegen weiß, sondern auch um schwarz gegen schwarz.

Ohne Zweifel, die vier riskieren bei jedem Einsatz ihr Leben. Carter nahm sich ein Jahr, nachdem er für ein Foto über ein von einem Geier bedrohtes verhungerndes sudanesisches Mädchen den Pulitzer-Preis erhalten hatte, das Leben. Er hielt dem Druck nicht mehr stand. Ken Oosterbroek wurde bei einem Gefecht getötet.

Greg Marinovich hatte drei Jahre früher ebenfalls den Pulitzer-Preis erhalten. Sein Fotothema: Ein Unterstützer des ANC (African National Congress) prügelt auf ein brennendes Mitglied der IFP (Inkatha Freedom Party) ein.

Wie weit muss man, darf man gehen, um als Fotograf den besten Schuss zu bekommen und sein Leben zu riskieren? Das ist eines der Themen des Films – übrigens im Paparazzi-Zeitalter nicht ohne Aktualität.

Das Faszinierende an dem Geschilderten ist die Verwebung von Dokument und Drama. Die Kamera lässt keinen Wunsch offen. Man erfährt, wie schrecklich es zuweilen zuging, und man wohnt gleichzeitig einem spannenden Film bei.

Verkörpert werden die vier Bang-Bang-Mitglieder von Ryan Phllippe, Taylor Kitsch, Frank Rautenbach und Neels van Jaarsveld, denen die Verkörperung ihrer Rollen erstaunlich gut gelingt.

Eine südafrikanische Tragödie.

Thomas Engel