The Best Offer – Das höchste Gebot

Die einst so stolze Filmnation Italien spielt seit langem nicht mehr in der cineastischen Champions-League mit. Umso mehr freut man sich auf ein neues Werk des Oscar gekrönten „Cinema Paradiso“-Zauberers Giuseppe Tornatore. Starbesetzt mit einem überragenden Geoffrey Rush, präsentiert er einen clever konstruierten Komplott-Krimi um einen exzentrischen Kunstexperten, der zum Opfer seiner Eitelkeiten wird. Liebe macht blind und Gier ist nicht geil – zu den Klängen von Ennio Morricone lässt man sich das allemal gerne erzählen. Erst recht, wenn das Kunst-Krimi-Gebot so stilsicher wie elegant ausfällt.

Webseite: www.thebestoffer.de

Italien 2012
Regie: Giuseppe Tornatore
Darsteller: Geoffrey Rush, Jim Sturgess, Donald Sutherland, Sylvia Hoeks
Filmlänge: 123 Minuten
Verleih: Warner Bros.
Kinostart: 21.3.2013

PRESSESTIMMEN:

Der intelligente Thriller überzeugt vor allem durch seine komplexe Plotkonstruktion und die atmosphärische Dichte des stilvollen Settings, in dem die Kunstgeschichte kräftig mitatmen darf."
DIE ZEIT

FILMKRITIK:

„In jeder Fälschung steckt ein Stück Authentizität“, der das sagt muss es wissen. Virgil Oldman (Geoffrey Rush) gilt schließlich als einer der weltbesten Kunstkenner und arbeitet als hochkarätiger Auktionator. Als wahrer Snob und Gentleman pflegt Oldman einen standesgemäß exzentrischen Lebensstil. Wenn er sein schickes Domizil verlässt, dann stets mit den passenden Handschuhen, die er nur höchst ungern ablegt. Menschen mag er nicht besonders, Frauen schätzt der Sonderling nur auf Gemälden. Dank seinem alten Kumpel Billy (grandios: Donald Sutherland), der bei Auktionen als vermeintlicher Bieter auftritt, hat Oldman es trickreich zu einer absolut atemberaubenden Kunstsammlung unbezahlbarer Frauenporträts gebracht, die er in einem geheimen Saal seiner Villa hinter einer Tresorwand versteckt.

Der alte Fuchs wittert weitere Schätze, als eine junge Frau ihm ihr Erbe zur Versteigerung anbietet. Die 27-jährige Claire Ibbetson (Sylvia Hoeks) gibt sich ausgesprochen mysteriös. Die Lady leidet unter Agoraphobie, hat Panik vor Menschen und verschanzt sich deshalb in einem Raum ihrer Villa. Das anfängliche Misstrauen des Auktionators weicht langsam seiner Neugier. Der gefühlskalte Sammler entdeckt zunehmend Gefühle für die Seelenverwandte. Dass er in der Villa die Teile einer mechanischen Puppen-Rarität findet, verstärkt seine Leidenschaft umso mehr. Liebe macht letztlich auch den raffiniertesten Trick-Profi blind – und wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten.

Italiens Erfolgsregisseur Giuseppe Tornatore („Cinema Paradiso“) präsentiert einen atmosphärisch dichten, clever konstruierten Komplott-Krimi, der vergnüglich seine Haken schlägt und unerwartete Wendungen bietet. Mit stilsicherer Eleganz samt visuellem Einfallsreichtum entführt er in die vornehme Welt der coolen Kunsthändler und ihrer ganzen Gier. An diesem raffinierten Puzzlespiel um Phobien, Neurosen sowie verklemmter Leidenschaft hätte auch ein Hitchcock sein Vergnügen – ebenso wie an den stimmungsvollen Klängen des Soundtrack-Maestros Ennio Morricone.

Seinen besonderen Kick bekommt das Krimi-Kunststück durch die exquisite Besetzung. Oscar-Besitzer Geoffrey Rush gibt den Gentleman mit grandioser Lässigkeit und gewohntem charismatischem Charme. „Cloud Atlas“-Mime Jim Sturgess glänzt in der Rolle als begnadeter Mechaniker und Flirt-Experte einmal mehr als vermeintlicher Unschuldsbubi, der es faustdick hinter den Ohren hat. Und Leinwand-Legende Donald Sutherland (diesmal mit weißer Mähne und Zottelbart) macht dem Publikum traditionell ein Schauspiel-Angebot, das man kaum ablehnen kann.

Dieter Oßwald

Virgil Oldman ist ein Herr alter Schule. Immer piekfein gekleidet, auf Manieren achtend, darauf bedacht, möglichst wenigen Leuten zu begegnen. Er arbeitet als Auktionator, versteigert wertvolle Gemälde und Kunstgegenstände. Er gibt dabei den Ton an.

Für ihn arbeitet Billy, der an den Auktionen jeweils teilnimmt und für Oldman steigert – weit unter Preis. Das bedeutet, dass der feine Herr nicht nur ein feiner Herr ist, sondern auch so etwas wie ein Betrüger. Auf diese Weise hat er einen Bilderreichtum angeschafft, um den ihn jedes Museum beneiden würde.

Eines Tages erhält er den Anruf einer jungen Erbin, die die Villa und den Antiquitätenreichtum ihrer Eltern verkaufen will. Oldman begibt sich zu dem besagten Haus, trifft Claire, so heißt die junge Frau, jedoch nicht an, sondern hört sie nur. Sie gibt vor, krank zu sein, an schwerer Agoraphobie zu leiden und niemandem begegnen zu können. Lediglich den Verwalter kann Oldman sprechen.

So geht das eine Weile. Oldman bereitet die entsprechenden Verträge vor – kann dann aber nach einer gewissen Zeit seine Neugier nicht mehr zügeln. Er gibt vor, das Haus zu verlassen, bleibt jedoch – und sieht in Claire eine hübsche 27jährige Frau, die alles andere als krank zu sein scheint.

Die beiden verlieben sich nach einer gewissen Zeit sogar, ein Glücksgefühl entsteht. Aber auch ein Spannungsfeld. Nach einer Weile muss Virgil feststellen, dass all seine Bilder abhanden gekommen sind. Steckt Claire dahinter? Steckt mit ihr vielleicht Robert dahinter, der junge Restaurator antiker mechanischer Geräte, der Oldman immer „beraten“ hat?

Virgil Oldman bleibt nur zu hoffen, dass er Claire noch einmal wiederfindet – vielleicht in Prag in einem Restaurant, in dem, wie sie sagte, sie sich einmal wohl gefühlt habe.

Regisseur Giuseppe Tornatore gibt die Geheimnisse seines Films nicht preis – und trotzdem ist man damit zufrieden, denn es ist ein mysteriöses, spannendes, nobel gestaltetes und hervorragend gespieltes Produkt.

Geoffrey Rush als Virgil Oldman ist in dieser Rolle darstellerisch ganz einfach nicht zu übertreffen. Seine Mitspieler sind Donald Sutherland als Billy, Jim Sturges als Robert und Sylvia Hoeks als Claire, ebenfalls gestandene Profis, denen man gerne zuschaut.

Ein filmisch piekfeines, spannendes Katz-und-Maus-Drama mit einem überregenden Hauptdarsteller.

Thomas Engel