The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit

Es gehört schon einiger Mut dazu, seinen Film „The Birth of a Nation“ zu nennen und sich damit einem der berühmt-berüchtigtsten Werke der Filmgeschichte entgegenzustellen. Nate Parker hat es für seinen Debütfilm gewagt, eine Geschichte des schwarzen Widerstands gegen die Sklavenherrschaft gedreht, und damit für kurze Zeit die Phantasie Amerikas beflügelt. Was über den Film und seinen Regisseur geschrieben wurde, erweist sich nun jedoch als spannender als der Film selbst.

Webseite: www.thebirthofanation-derfilm.de

USA 2015
Regie: Nate Parker
Buch: Nate Parker & Jean McGianni Celestin
Darsteller: Nate Parker, Armie Hammer, Penelope Ann Miller, Jackie Earle Haley, Mark Boone Junior
Länge: 120 Minuten
Verleih: FOX
Kinostart: 13. März 2017

FILMKRITIK:

1915 drehte der legendäre Filmpionier David Wark Griffith „The Birth of a Nation“, ein Meilenstein der Filmgeschichte, der wie kaum ein anderes Werk Narration und filmische Techniken revolutionierte. Der aber auch ein unverhohlen rassistisches Machwerk ist, in rassistischen Stereotypen versinkt und in seiner Folge zum Wiederaufleben des Ku-Klux-Klans führte.
 
Hundert Jahre später hat sich in Amerika viel verändert, manches jedoch nicht: Auf dem Papier sind schwarze Amerikaner gleichberechtigt, doch die Realität sieht oft anders aus. Immer lauter werden daher die Proteste gegen Diskriminierung, Polizeigewalt und, ja, die Nichtberücksichtigung von schwarzen Filmemachern bei der Oscarverleihung. Genau als im Frühjahr 2016 der Hashtag Oscarsowhite Wellen schlug, feierte beim Sundance-Festival Nate Parkers Regiedebüt „The Birth of a Nation“ Premiere – Und wurde enthusiastisch aufgenommen.
 
Der Verleih Fox kaufte die Rechte für die Rekordsumme von 17 Millionen Dollar, Nate Parker galt als neue Hoffnung des schwarzen Kinos und als sicherer Kandidat für die nächste Oscar-Verleihung. Ein Jahr später ist davon nichts mehr zu spüren, der Film floppte in Amerika, in vielen Ländern wurde ein Kinostart abgesagt und Parker ist wegen einer Jahre zurückliegenden Anklage der Vergewaltigung auch persönlich diskreditiert.
 
Mit dem Film selbst hat das alles nur bedingt zu tun, zeigt vor allem, wie heutzutage äußere Faktoren die Rezeption beeinflussen und ein nüchternes Betrachten eines Werks schwierig machen. Denn die Geschichte, die Parker in „The Birth of a Nation“ erzählt, ist spannend und verdient es, verfilmt zu werden: Es geht um den Sklaven Nat Turner (Parker), der im frühen 19. Jahrhundert auf einer Plantage in Virginia aufwächst. Sein Herr Samuel Turner (Armie Hammer) behandelt ihn vergleichsweise gut, dessen Mutter Elizabeth (Penelope Ann Miller) erkennt das Talent des jungen Sklaven und bringt ihm schreiben und lesen bei, womit vor allem ein Buch gemeint ist: Die Bibel.
 
Immer stärker wirkt das Wort Gottes auf Nat Turner, der sich zum Prediger entwickelt und die unmenschliche Behandlung der Schwarzen durch die Weißen in Frage stellt. Fast als schwarzer Jesus inszeniert Parker Turner bald, lässt ihn Folter erleiden und in Kreuzespose darben, bis Turner genug hat und einen Sklavenaufstand anführt.
 
So eindeutig sind die Verhältnisse, so deutlich ist Gut und Böse hier verteilt, dass für Subtexte kein Raum bleibt. Wie Karikaturen wirken die Figuren, durch und durch niederträchtig und hinterhältig die Weißen, fromm und aufrichtig die Schwarzen, so dass sich bald Ermüdung einstellt. Zumal Parker sich als eher konventioneller Regisseur erweist, der das Geschehen eher pragmatisch abfilmt, als filmisch zu überhöhen.
 
Ein wichtiger Stoff ist die Geschichte von Nat Turner ohne Frage, wie die kurze Episode, die einigen Weißen, aber hunderten Schwarzen das Leben kostete, in die lange Geschichte der Sklaverei einzuordnen ist, bleibt allerdings offen. Ob der kurze Aufstand des Nat Turners tatsächlich die Geburt einer Nation war, zumindest die Geburtsstunde schwarzen Widerstandes, der einige Jahrzehnte später zur Emanzipationserklärung durch Abraham Lincoln und damit dem Ende der Sklaverei führte, ist unter Historikern umstritten. Für schwarze Amerikaner der Gegenwart ist die Geschichte Nat Turners fraglos von besonderer Kraft, als eigenständiger Film ist „The Birth of a Nation“ dagegen von geringerem Interesse. Die Art und Weise, wie Parkers Film und vor allem seine Person in Amerika aufgenommen und diskutiert wurde, erzählt dagegen viel über die schwierige Diskussion über Rassenkonflikte im zeitgenössischen Amerika.
 
Michael Meyns