The Boss Baby

Von wegen Sonnenschein! Der Star des neuen Dreamworks-Animationsfilms „The Boss Baby“ macht seinen Eltern unmissverständlich klar, wer Zuhause das Sagen hat. Dazu trägt der ziemlich von sich überzeugte Nachwuchs Anzug und Krawatte. Und als wäre das nicht bereits schräg genug, ähnelt seine Stimme der von Alec Baldwin. Basierend auf dem erfolgreichen Kinderbuch von Marla Frazee entwickelten die Schöpfer von „Madagascar“ einen unterhaltsamen, rasanten Animationsspaß, in dem größenwahnsinnige Manager und übervorsorgliche Helikoptereltern gleichermaßen ihr Fett abbekommen.

Webseite: www.bossbaby-derfilm.de

Regie: Tom McGrath
Drehbuch: Michael McCullers basierend auf dem Bilderbuch von Marla Frazee
Stimmen (Original): Alec Baldwin, Steve Buscemi, Jimmy Kimmel, Lisa Kudrow, Tobey Maguire
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Verleih: Fox
Kinostart: 30.3.2017

FILMKRITIK:

Woher kommen die Babys? Wenn es nach Hollywood geht, dann bringt diese der Klapperstorch. Zumindest gab die Animationskomödie „Störche“ zuletzt jene geradezu klassische Antwort. Zuvor mussten die kleinen Hosenscheißer allerdings noch in einer „Baby-Fabrik“ vom Band laufen. Recht ähnlich fällt nun die Version aus, die uns „Madagascar“-Regisseur Tom McGrath im neuen Dreamworks-Film „The Boss Baby“ vorstellt. Einziger Unterschied: Der Nachwuchs nimmt nicht den Luftweg sondern steigt erstaunlich selbstständig aus einem Taxi aus. Und dazu trägt er seltsamerweise Anzug und Krawatte. Der 7-jährige Tim traut auch deshalb seinen Augen nicht. Das soll plötzlich sein kleiner Bruder sein? Das neue Familienmitglied? Seine Eltern sind hingegen blind vor lauter Babyglück. Sie mühen sich, ihrem Liebling jeden Wunsch zu erfüllen, nicht ahnend welch ein Satansbraten dieser in Wahrheit sein kann. Schon bald beginnt das Baby (Stimme: Alec Baldwin), seinen geheimen Plan in die Tat umzusetzen.
 
Was es damit auf sich hat, versetzt nicht nur Tim in Staunen. Auch das junge Kinopublikum dürfte mit großen Augen die Mission des merkwürdigen Windelträgers verfolgen. Allein dessen so gar nicht babyhafte Stimme – Alec Baldwin spricht den Nachwuchs in der Originalversion – sorgt bereits für zahlreiche, sehr unterhaltsame Irritationen. Und da wären ja noch besagter Anzug und Aktenkoffer. Das „Boss Baby“ ist ein liebenswerter Schurke, gewissermaßen ein Mini-Gru mit Schnuller und Fläschchen, den die Animationskünstler von Dreamworks mit einer grandiosen Mimik und einem gnadenlos überzogenen Ego ausstatten. Ältere Zuschauer werden in der Figur vor allem Seitenhiebe auf eine elitäre Managerkaste und Corporate America erkennen. Satirische Spitzen erlaubt sich der Film darüber hinaus in Richtung übervorsorglicher Helikoptereltern, die ihren Nachwuchs am liebsten in Watte packen würden. Babys sind eben längst auch ein Statussymbol, das in sozialen Netzwerken ausgestellt wird.
 
Natürlich lassen sich in „The Boss Baby“ wie in beinahe jedem Animationswerk aus Hollywood popkulturelle Anspielungen und Bezüge entdecken. Diese reichen von „Mary Poppins“ bis zu „Der Exorzist“. Die Geschichte ist wiederum einfacher gehalten als bei der Konkurrenz von Pixar. So steht zunächst das Laute und der Effekt im Vordergrund. Pausen oder gar Stillstand gibt es kaum. McGrath weiß nach der Arbeit an drei „Madagascar“-Filmen, welche Knöpfe er und sein Animationsteam drücken müssen, um keine Langeweile aufzukommen zu lassen. Dazu zählt auch der kreative Einsatz unterschiedlicher Animationsstile. Dass der schöne Schein eines Facebook-tauglichen Familienidylls lediglich angekratzt wird, ist für das Genre verständlich und kein wirklicher Anlass für Kritik. Immerhin will „The Boss Baby“ eine positive, durchaus herzerwärmende Botschaft über familiären Zusammenhalt vermitteln. Ob sich der Nachwuchs allerdings mit der vom Film angebotenen Erklärung über die „Baby-Fabrik“ zufrieden gibt, scheint indes nicht ganz so sicher. Am besten überlegen sich Mama und Papa schon mal eine andere Antwort.
 
Marcus Wessel