The Darkest Minds – Die Überlebenden

Junge Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten – das Young-Adult-Kino ist voll davon. Doch obwohl zuletzt immer mehr Jugendfilmreihen nach nur einem Teil beendet oder sogar mittendring abgebrochen wurden, wagt man sich mit der Verfilmung von „Die Überlebenden“ ein weiteres Mal an die Kombination aus Romanze und Action für Zuschauer unter 20.

Webseite: www.TheDarkestMind-derFilm.de

USA 2018
Regie: Jennifer Yuh Nelson
Darsteller: Bradley Whitford, Mandy Moore, Amandla Stenberg, Harris Dickinson, Skylan Brooks, Miya Cech
Länge: 105 Minuten
Verleih: 20th Century Fox
Kinostart: 16. August 2018

FILMKRITIK:

Im Amerika einer nicht allzu weit entfernten Zukunft wurden fast alle Kinder im Zuge dramatischer Zwischenfälle getötet. Die Überlebenden haben plötzlich Superkräfte, was sie zur Gefahr für die sich bedroht fühlende Obrigkeit macht.  Die Regierung stuft sie ihren Fähigkeiten entsprechend ein und pfercht sie in riesigen Gefängnissen zusammen. Unter ihnen ist auch Ruby (Amandla Stenberg). Unter ständiger Gewaltandrohung muss die Sechzehnjährige, genauso wie die anderen Inhaftierten, in einem Arbeitslager schuften, bis ihr endlich die Flucht gelingt. Auf ihrem Weg nach Hause trifft sie andere Jugendlichen, denen sie sich anschließt, um endlich dahinter zu kommen, was sie du die Anderen so gefährlich macht.

Drehbuchautor Chad Hodge („Wayward Pines“) nahm sich bei seiner Arbeit zwar die Romanvorlage von Alexandra Bracken vor, dieser sonderlich viel hinzuzufügen, hat er allerdings nicht. Da das Buch wiederum diverse bekannte Themen ähnlich gelagerter Geschichten kombiniert, ist an „Darkest Minds – Die Überlebenden“ nichts so richtig originell. Ein wenig „Die Tribute von Panem“ hier, ein wenig „X-Men“ da – und da das Ganze im Finale dann auch noch sichtbar darauf abzielt, in mindestens einem Film weitererzählt zu werden, funktioniert „Darkest Minds“ als für sich stehender Film kaum. Dabei ist die Ausgangslage eigentlich interessant: Warum tötete die Regierung gezielt Kinder? Weshalb blieben jene mit Superkräften davon verschont, oder haben sie erst durch den Tötungsversuch diese Fähigkeiten entwickelt? Warum war man überraschend gut auf eine solche Katastrophe vorbereitet? Steckt hinter all dem möglicherweise ein konkreter Plan? „Darkest Minds“ wirft viele davon auf und beantwortet dagegen so wenige davon, dass man sich immer wieder fragt, inwiefern man hier von „Fragen“ oder doch eher von eklatanten Lücken sprechen muss. Die Antwort darauf liefert möglicherweise irgendwann ein Sequel.

Regisseurin Jennifer Yuh Nelson („Kung Fu Panda 2 und 3“) setzt gewissenhaft Haken um Haken hinter alles, was sich für eine jugendaffine Fantasyproduktion von heute gehört. Da darf natürlich auch das obligatorische Liebesdreieck nicht fehlen, genauso wie die Andeutung einer anschwellenden Rebellion der Jugendlichen gegenüber der Regierung. Das wirkt nicht zuletzt aufgrund des schmucken Produktionsdesigns alles recht hochwertig und auch die Computereffekte integrieren sich gut ins Setting, doch so etwas wie einen Wiedererkennungswert besitzt „Darkest Minds“ nicht. Das Jugendabenteuer ist eines von vielen und genau dadurch steht es wohl (noch) in den Sternen, ob es überhaupt jemals zu einer Fortsetzung kommen wird. „Die 5. Welle“, „Divergent“ oder „City of Bones“ wurden zumindest alle nicht zu Ende erzählt.

Bei der Auswahl der jungen Darsteller bewiesen die Macher dafür ein sehr feines Händchen und rücken eine Schauspielerin in den Fokus, die sich bereits in Filmen wie „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ und der süßen Teenieromanze „Du neben mir“ für größere Aufgaben qualifiziert hat. Mit der Performance von Amandla Stenberg steht und fällt der Film, auch wenn sie in „Darkest Minds“ nur begrenzt zeigen kann, was darstellerisch in ihr steckt. Gemeinsam mit Harris Dickinson („Postcards from London“), Skylan Brooks („Southpaw“) und Miya Cech („American Housewife“) bildet sie ein Quartett, das eine stimmige Chemie an den Tag legt. Per se würde man die engagierten Zeitgenossen also schon gern wiedersehen. Im nächsten Film dann vielleicht mit einem etwas interessanteren Skript im Rücken.

Antje Wessels