The End We Start From

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Die Welt versinkt, weil der Regen nicht aufhört – die Prämisse für einen großen Katastrophenfilm. Vielleicht einem über das Ende der Welt, aber ein Gefühl dafür bekommt man bei „The End We Start From“ nie, weil der Film sich nie entscheiden kann, was er sein will – Arthaus-Drama oder Katastrophenfilm, tiefsinnig oder oberflächlich. Letztlich ist weder das Eine noch das Andere, sondern für das Publikum nur eine Geduldsprobe.

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The End We Start From
Großbritannien 2023
Regie: Mahalia Belo
Buch: Alice Birch, Megan Hunter
Darsteller: Jodie Comer, Joel Fry, Yves Rassou, Mark Strong
Länge: 101 Minuten
Verleih: Universal
Kinostart: 30. Mai 2024

FILMKRITIK:

In London regnet es ohne Unterlass. Häuser werden überschwemmt, die Straßen auch. Da bekommt eine Frau ihr Baby. Kurz nach der Geburt fährt sie mit ihrem Mann in die Berge, zu seiner Familie. Dorthin, wo es sicher ist. Aber der Regen hört nicht auf, die Zivilisation weist Bruchstellen auf, es kommt zu einem Tod in der Familie, und der Notwendigkeit, sich zu trennen. Die Mutter ist nun auf sich gestellt, und macht sich auf den Weg zurück nach London.

Ob der Film nun eine Ökobotschaft in sich trägt oder die Macher ein Werk abliefern wollten, das einen Kommentar auf die Zerbrechlichkeit unserer Gesellschaft abgibt, bleibt im Verlauf von 100 Minuten unklar. Weil „The End We Start From“ abseits des wirklich schönen Titels nicht viel zu bieten hat. Die Bedrohlichkeit dieser Flut wird behauptet, durch das Gesehene im Film aber kaum unterstützt. Entsprechend kommt auch keine Spannung auf – und das in einer Situation, in der sie vorhanden sein müsste, nämlich dann, wenn die Mutter mit dem Baby ein Land durchquert, das gefährlicher denn je ist.

Aber der Film mäandert. Während die Mutter ein Ziel vor Augen hat, lässt sich das für den Film nicht attestieren. Es ist unklar, was er eigentlich sein will. Die Inszenierung geht immer wieder in Richtung Drama, aber auf eine Art, die man schon meistern muss. Wenn die Kamera verweilt, wenn die Mutter extrem lange ihr Baby anstarrt, wenn der Moment quasi einfriert, dann kann ein Terrence Malick daraus Poesie machen, während Mahalia Belo einfach nur langweilt.

Der einzige Aktivposten des Films ist Jodie Comer, die wie immer hervorragend spielt. Aber sie spielt gegen ein Skript und eine Geschichte an, die beide zum Scheitern verurteilt sind. Was sie an der Rolle ansprach? Ebenso unklar wie bei Benedict Cumberbatch, der in einer kleinen Nebenrolle zu sehen ist. Arthaus kann etwas sehr Schönes, Erhebendes, Inspirierendes sein, aber Arthaus ist eben nicht gleich Arthaus. Wenn ein Film die Kardinalssünde begeht, sein Publikum in den Schlaf zu wiegen, dann lässt sich nicht mehr von Kunst sprechen.

Peter Osteried