The Founder

Es war einmal … eine wahre Geschichte: Im Mittelpunkt steht Ray Kroc, der Kopf hinter McDonald’s – der Macher, der Strippenzieher, das Urbild eines Managers. Regisseur John Lee Hancock („Saving Mr Banks“) und Autor Robert D. Siegel (“The Wrestler – Ruhm, Liebe, Schmerz”) lassen in ihrer unterhaltsamen Biographie die Welt und das Lebensgefühl der 50er und 60er Jahre wiederauferstehen. Und mitten drin Michael Keaton in einer seiner schönsten Rollen als Mann mit Weitblick und ohne Skrupel.

Webseite: http://thefounder-film.de

USA 2016
Regie: John Lee Hancock
Drehbuch: Robert D. Siegel
Darsteller: Michael Keaton, Laura Dern, Nick Offerman, John Carroll Lynch, Patrick Wilson, Linda Cardellini
115 Minuten
Verleih: Splendid Film, Vertrieb: 24 Bilder
Start: 20. April 2017

FILMKRITIK:

Ray Krocs Lebensgeschichte ist nicht nur ein gelungenes Biopic, sondern auch eine witzige Parabel über das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Denn sie handelt von einem Mann, der vermutlich zu ca. 110 Prozent dem Idealbild des guten Amerikaners entsprach und der zwar extrem clever, aber nicht besonders nett war. Kein Wunder also, dass die McDonald’s Corporation nichts mit diesem Film zu tun haben möchte.
 
Zu Beginn ist Ray Kroc ein Mann um die Fünfzig und ein einigermaßen erfolgloser Außendienst-Verkäufer von Milkshake-Mixern, der übers Land tingelt, um Restaurants zu beliefern. Er kennt sich aus in der Welt der Diner und Barbecues, die wie Pilze aus dem Boden schießen, denn sie sind um 1950 herum ein beliebter Treffpunkt für junge Leute. Doch eines Tages lernt er in Kalifornien einen Diner kennen, der anders ist. Dieser eindeutig stark florierende Laden gehört den Brüdern Dick und Mac McDonald, zwei Männern im besten Alter, die schon seit vielen Jahren Hamburger herstellen und anbieten. Sie haben für ihren Imbiss ein perfektes System erfunden, mit dem sie schneller und mehr Hamburger verkaufen können. Ray Kroc ist fasziniert und begeistert. Er hat eine Vision, und er lässt nicht locker, bis er die beiden Brüder davon überzeugt hat, mit ihm zusammenzuarbeiten und ihm die Franchise-Rechte für die Gründung eigener Hamburger-Läden überlassen.
 
Das ist natürlich nur der Anfang. Aber es ist der Anfang einer Story, die von Ideen, Träumen und Wünschen handelt, aber auch von enttäuschten Hoffnungen, von Verrat, Betrug und natürlich von der unwiderstehlichen Kraft des Geldes. Ray Kroc ist einerseits das Symbol für die Möglichkeit des Aufstiegs, die fleischgewordene Bestätigung dafür, dass man tatsächlich vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann – eine Freude für jeden Management-Coach. Andererseits ist seine Geschichte auch irgendwie der Beweis für die These, dass Geld den Charakter verdirbt und dass man nur dann Erfolg haben kann, wenn man mehr oder weniger offensiv über Leichen geht. Ray Kroc, das wird im Verlauf der Handlung immer deutlicher, ist nicht nur ein kreativer Geschäftsmann mit revolutionären Ideen, sondern auch oder vor allem ein skrupelloser Machtmensch. Und dieser Ray Kroc, der durchtriebene Verkäufer, lässt sich nicht und niemals beirren, weder von geschäftlichen noch von privaten Krisen. Er bleibt stur, er holt sich alles und jeden, egal, wie lange es dauert.
 
Was John Lee Hancock und Robert D. Siegel erschaffen haben, hat viel von einem tolldreisten Märchen, das in farbenfrohen Bildern eine positive, wahre Geschichte erzählt. Der Schwung der 50er Jahre wird darin sichtbar, Rock’n Roll liegt in der Luft und der Glaube an bessere Zeiten. Aber der Schein trügt, denn diese Geschichte ist im Grunde böse und alles andere als Werbung für McDonald’s. Genau das macht den Film so witzig und so spannend. Sein Held ist ein Aufsteiger, der nur Erfolg haben kann, weil er, ohne nach links und rechts zu schauen, geradeaus nach vorne blickt. Ray Kroc wird zur Personifizierung des kapitalistischen Systems, in dem der Mensch weniger zählt als das, was er leistet. Und Michael Keaton füllt diesen Menschen mit überbordendem Leben. Neben ihm verblassen Laura Dern als Krocs Ehefrau, John Carroll Lynch und Nick Offerman in den Rollen der McDonald-Brüder.
 
Michael Keaton gibt Ray Kroc die Strahlkraft eines Beach Boys, die machtvolle Ausstrahlung eines Operntenors und den bestrickenden Charme eines Kreuzfahrtkapitäns, der sein Schiff sicher durch die Weltmeere lenkt, ob Sonne, Regen oder Sturm, ganz gleich, was passiert: Er ist da, kümmert sich und zweifelt niemals daran, wie es scheint, dass alles gut werden wird. Aber Michael Keaton kann noch mehr: Er zeigt die Entwicklung des Kleinbürgers auf dem Machttrip und macht aus dem Ray Kroc zu Beginn keinen aalglatten oder womöglich fiesen Typen, sondern er zeigt einen durchaus sympathischen, vielleicht etwas schlitzohrigen Mann, der mit großer Beharrlichkeit sein Ziel verfolgt. Links und rechts von ihm fallen alle zu Boden, die sein Tempo nicht mithalten können oder die ihm im Wege sind bei seinem Drang nach Höherem. Dieser Kerl lässt sich nicht abschütteln, und er bekommt immer, was er will. Er ist die leibhaftige Verkörperung von Aufstieg oder Fall, Fressen oder Gefressenwerden. Es ist eine einzige Wonne, Michael Keaton dabei zuzuschauen. Er macht den Film zu einem boshaft komischen Trip in die Welt der Aasgeier – und zu einem grandiosen Kinovergnügen.
 
Gaby Sikorski