The Great Green Wall

Anlässlich des 50. Earth Days bringt Weltkino die sehenswerte Dokumentation „The Great Green Wall“ in die Kinos. Es geht um ein ambitioniertes Projekt, das nicht nur dem Klimawandel entgegentreten, sondern auch Möglichkeiten schaffen soll, die es vielen Afrikanern erlaubt, in ihrer Heimat eine Zukunft für sich zu sehen und nicht dem Zwang zu unterliegen, sie verlassen zu müssen. Es geht um die große grüne Mauer, ein Projekt, das 2007 beschlossen wurde und aus einem 8.000 Kilometer langen Grüngürtel aus Bäumen bestehen soll, der Afrika durchzieht. Der Film sieht sich die Fortschritte an, aber auch, wie viel noch getan werden muss. Das verpackt Regisseur Jared P. Scott in eine sehenswerte Dokumentation.

Webseite: www.weltkino.de

Großbritannien 2019
Regie: Jared P. Scott
Besetzung: Inna Modja, Songhoy Blues, Didier Awadi
Länge: 92 Minuten
Verleih: Weltkino
Kinostart: 22. April 2020

FILMKRITIK:

Im Jahr 2007 beschlossen die afrikanischen Staaten die Entwicklung der Great Green Wall. Dabei handelt es sich um einen 8.000 Kilometer langen Grüngürtel, der aus Bäumen besteht, die der Dürre trotzen können. Diese Mauer soll nicht nur als Bollwerk gegen die sich ausbreitende Wüste dienen, sondern den Menschen neue Möglichkeiten eröffnen. Denn in der Sahel-Zone, in der der Klimawandel am stärksten zuschlägt und bereits zwei Drittel der Länder ausgedörrt sind, ist dies die letzte Chance. Ohne diese Mauer können die Menschen nicht überleben und sind gezwungen, die Heimat zu verlassen.
 
„The Great Green Wall“ befasst sich entsprechend nicht nur mit dem Klimawandel, sondern zeigt auch eine neue, junge Generation an Afrikanern, die das Problem angeht und auf jeden Fall vermeiden möchte, ihre Heimat in Richtung Europa verlassen zu müssen – etwas, das der Traum vieler ihrer Vorgänger war. Die Sängerin Inna Modja, die selbst aus Mali stammt, ist entlang dieser noch lückenhaften grünen Mauer gereist und hat mit Menschen im Senegal, in Mali, Nigeria und Äthiopien gesprochen. Es geh dabei um ihre Ängste, Träume und Hoffnungen, und das alles in einer Sprache, die für die afrikanische Kultur schon immer bestimmend war: Musik. Modja singt in diesem Film, sie hat an einem Album gearbeitet, dessen Erlöse in die Entwicklung der Great Green Wall fließen, und sie trifft auf andere Musiker.
 
Ihre Reise lässt sie auf sehr unterschiedliche Menschen treffen. Auf einen Mann, der im Senegal beim Pflanzen der ersten Bäume im Jahr 2008 dabei war und sie wie seine Kinder sieht, auf Kinder, die verschleppt wurden, sich nun jedoch für dieses Projekt einsetzen, auf Musiker, die den Traum weitertragen, nicht wegzugehen, sondern in der Heimat etwas zu verändern. Es sind unterschiedliche Perspektiven, Menschen, Ansichten, Hintergründe, aber sie alle vereint die Hoffnung auf ein besseres Leben, auch wenn die Mühen, sich dem Klimawandel entgegenzustellen, alles andere als leicht sein werden.
 
Rückschläge muss man hinnehmen, auch und gerade auf die Great Green Wall, die mehrere Länder durchzieht und auch zwölf Jahre nach dem Beginn des Pflanzens von Bäumen nur lückenhaft vorhanden ist. In manchen Ländern kommt man besser, in anderen schlechter voran, was auch an den Umständen liegt, sind manche Länder doch Kriegsgebiete.
 
„The Great Green Wall“, der von den Vereinten Nationen unterstützt wurde, ist ein sehenswerter, eindringlicher Film, der von einem unbedingten Optimismus getragen wird. Der Film ist Ausdruck dafür, was Thomas Sankara mit dem vorangestellten Zitat zum Ausdruck bringen wollte: „Wir müssen es wagen, die Zukunft zu erfinden.“
 
Peter Osteried