The Ides of March – Tage des Verrats

„Die Iden des März“, der Eröffnungsfilm der 68. Biennale Venedigs, präsentieren von und mit George Clooney einen spannenden Politthriller, bei dem am Ende alle verlieren. Die eindrucksvolle Starriege des Films mit Clooney, Ryan Gosling, Paul Giamatti, Philip Seymour Hoffman, Marisa Tomei und Evan Rachel Wood steht im Dienste einer Anklage, wie im Wahlkampf Anstand, Moral und Glaubwürdigkeit verkauft werden. Clooney gibt den hoffnungsvollen Präsidentschaftskandidaten, Ryan Gosling den naiven Mitarbeiter, der sich zum Königsmörder wandelt. Ein in jeder Hinsicht gelungenes, kluges wie kurzweiliges Werk.

Webseite: www.theidesofmarch.de

The Ides of March
USA 2011
Regie: George Clooney
Darsteller: George Clooney, Ryan Gosling, Marisa Tomei
96 Min.
Verleih: Tobis
Kinostart: 22.12.2011

PRESSESTIMMEN:

Machtspiele, Intrigen wie bei Cäsar. George Clooneys neuer Film – ein Polit-Thriller, der die schmutzigen Seiten der Politik deutlich macht. Ein spannendes Drama mit überzeugenden Schauspielern.
ZDF Aspekte

Ein Psychodrama um Macht, Politik und den Preis des Erfolgs. Spannend durcherzählt als eine bittere Psychoanalyse der Macht.
ZDF Heute Journal

Die neue Regiearbeit von George Clooney eröffnete das 68. Festival von Venedig – einen gelungeneren und im besten Sinn moderneren Auftakt hätte es kaum geben können. Und auch keinen, der so hervorragende Schauspieler vereint.
Berliner Zeitung

Ein Moralstück im besten Sinne: konzentriert, düster ohne Zynismus, sehnsüchtig in seinem Glauben an ein besseres, aufrechteres Amerika. In sehenswerten Nebenrollen glänzen Philip Seymour Hoffman, Evan Rachel Wood und Paul Giamatti.
Der Spiegel

Eine mit furiosen Dialogen glänzende Studie von Menschen, die sich in der Grauzone zwischen Idealen und Interessen, moralischen Ansprüchen und ‚Machbarkeiten’ verirren.
film-dienst


FILMKRITIK:

Erzählt wird von den Vorwahlen zur US-Präsidentschaft, bei denen in Ohio eine Entscheidung unter den beiden letzten demokratischen Kandidaten fallen soll. Es ist aber auch das Duell der Wahlkampf-Manager, die durch Paul Giamatti und Philip Seymour Hoffman wie der ganze Film großartig besetzt sind. Stephen Myers (Ryan Gosling), ein Frischling unter diesen alten Hasen, glaubt ein Idealist zu sein und kämpft voller Engagement für seinen Kandidaten, den fortschrittlichen, toleranten, ja fast grünen Gouverneur Mike Morris (Clooney). Bis er ein unmoralisches Angebot vom gegnerischen Wahlkampfleiter Tom Duffy (Paul Giamatti) erhält und zu spät von dieser Unkorrektheit berichtet. Stephens Boss Paul Zara (Philip Seymour Hoffman) reagiert sehr empfindlich auf diese Illoyalität, aber der noch profillose Jung-Demagoge hat nach ein paar Nächten mit der forschen Praktikantin Molly Stearns (Evan Rachel Wood) ein As im Ärmel oder im Bett. Ein schmutziger und gar nicht mehr idealistischer Kampf um Jobs beginnt und beeinflusst sogar die große Politik. Denn Stephen zwingt Morris schließlich gegen dessen Grundsätze, den wichtigen Posten des Innenministers der Vereinigten Staaten für die Stimmen von ein paar Wahlmännern zu verkaufen. Spätestens jetzt ist das Ideal des unkorrumpierbaren Politikers vom hohen Sockel gestürzt.

George Clooneys vierte Regiearbeit ist wieder politisch, so wie vor sechs Jahren "Good Night, and Good Luck" medien-politisch war. Durchaus ernstzunehmen ist seine Anklage von Politikern und deren Team, die schon bevor sie ihr Amt erhalten, ihre Seele verkauft haben. „Die Iden des März“ basiert auf dem Theaterstück „Farragut North“ von Beau Willimon, in dem es um die Präsidentschafts-Vorwahlen des Jahres 2004 geht. Der Film wird in Deutschland am 22. Dezember ins Kino kommen – am Ende des Superwahl-Jahres.

Aus der ruhigen Erzählung mit vielen Internas der politischen „War Rooms“ entwickelt sich, als Stephen einerseits das Angebot der Gegenseite erhält und von einer schmierigen Seite seines Idols hört, ein moralisches Trauerspiel. Clooney inszeniert erneut enorm sicher mit einer Dynamik, der man sich kaum entziehen kann, mit sparsamen Musikeinsatz und mit überzeugendem Cast. Als Hauptattraktion hat der unfehlbare Überstar Clooney sich selbst vor der Kamera, unterstützt haben ihn dabei Clooney als Co-Produzent und Clooney als Co-Drehbuchautor.

Wem dies zuviel Stargetue ist, darf sich über einen Tyrannenmord im übertragenen Sinne freuen: Der Titel „Die Iden des März“ (The Ides of Mars) referiert auf den 15. März im Jahre 44 – vor Christus. An diesem Tag wurde Julius Cäsar bei einer Senatssitzung ermordet. So wird nicht nur Clooneys Figur des Gouverneurs mit Stephen Myers von Ryan Gosling ein junger, aufstrebender Wahlkampfmanager zur Seite gestellt, der sich für keine Intrige zu schade ist. („Auch du mein Sohn, Stephen!?“) Auf einer zweiten Ebene (und auf dem Festivalplakat in Venedig) besteht der bislang höchstens an der Kasse geschätzte Gosling seine Bewährungsprobe in einem anspruchsvolleren Film, nachdem er selbst in „Blue Valentine“ das gleiche Gesicht über mehrere Jahre zeigte. Clooney gelingt sogar die perfekte Integration dieses Gesichts, so wie er Unterhaltung und Botschaft, Spannung und glaubwürdige Figuren in diesem in jeder Hinsicht gelungenen, klugen wie kurzweiligem Werk vereint.

Günter H. Jekubzik

In Ohio die Primaries zu den Präsidentschaftswahlen. Die Kandidaten Morris und Pullman stehen sich gegenüber. Einen gewissen Vorteil dürfte schon früh Morris haben, denn für ihn arbeitet ein Wahlbüromanager namens Stephen Meyers, der mit allen Wassern gewaschen zu sein scheint. Meyers verfolgt ohne Umwege zielgerichtete Strategien, alle eventuellen Schwächen und Rückstände des Gegners ausnützend. Ganz klar, dass der Pullman-Wahlleiter versucht, ihn auf seine Seite zu ziehen. Natürlich muss das betreffende Gespräch ultra-geheim bleiben. Oder sollte es wenigstens.

Da kommt die Praktikantin Molly ins Spiel. Sie ist schön – und willig. Meyers schöpft daraus seinen männlichen Profit. Es scheint ihm wirklich bestens zu gehen: jung, guter Job, dazu eine überaus attraktive Frau.

So ganz geheim bleibt alles leider nicht. Meyers muss sich dafür verantworten, wird mit großem Bedauern vom Morris-Wahlkampfleiter in die Wüste geschickt. Er versucht, nun bei den Pullman-Leuten unterzukommen, doch die wollen ihn, den Verlierer, nicht mehr.

Meyers, der Schlaue, hat aber einen Trumpf im Ärmel. Kein anderer als Morris selbst hat nämlich früher ebenso von Molly gekostet. Und die ist dabei schwanger geworden. Jetzt wird sie mehr oder weniger zum Abtreiben gezwungen – und bezahlt ihren Leichtsinn gar mit dem Leben.

Meyers ist der einzige, der über all diese Einzelheiten Bescheid weiß. Wie wäre es, wenn er die Morris-Leute erpressen, damit drohen würde, alles publik zu machen? Würden dann nicht deren Chancen auf null sinken? Wie wäre es, wenn er selbst Morris-Wahlkampfleiter werden würde und damit denjenigen entlassen könnte, der ihn selbst zuvor entließ?

Stephen Meyers dürfte schwerlich der Mann sein, der sich eine solche Chance entgehen lässt.

Gewiss ein Spiel. Aber eines, das mit seinen Raffinessen, seinen Intrigen, seinem Übervorteilen, seinem Schmutz überall in der Politik – beileibe nicht nur in den USA – vielleicht nicht allzu sehr von der Realität entfernt ist.

Inszeniert ist das Ganze toll. Georg Clooney war hierin der Meister. Und wie sie spielen! Clooney selbst als Morris, Philip Seymour Hoffman als dessen Wahlkampfleiter, Ryan Gosling als Stephen Meyers, Evan Rachel Wood als Molly, Marisa Tomei als Investigations-Journalistin, sowie, ebenso gut wie alle anderen, Paul Giamatti als Pullman-Wahlkampfleiter.

Thomas Engel