The Lodge

Nach dem auch in Übersee erfolgreichen Film „Ich seh ich seh“ hat das österreichische Regie-Duo Veronika Franz und Severin Fiala den ersten englischsprachigen Film abgeliefert. Eine Produktion der neuen Hammer Films – und ein Film, der ganz auf der Wellenlänge der Regisseure und Autoren liegt. Sie erzählen von zwei Kindern, die mit ihrer Stiefmutter irgendwo im Nirgendwo in einer verschneiten Hütte festsitzen, was zu einem unerwarteten, aber intensiven Überlebenskampf führt.

Webseite: squareone-entertainment.com/the-lodge-film/

Großbritannien, USA, Frankreich 2019
Regie: Severin Fiala, Veronika Franz
Buch: Sergio Casci, Severin Fiala, Veronika Franz
Darsteller: Riley Keough, Richard Armitage, Alicia Silverstone, Jaeden Martell, Lia McHugh
Länge: 100 Minuten
Verleih: SquareOne Entertainment
Kinostart: 6. Februar 2020

FILMKRITIK:

Grace hat es nicht leicht. Sie ist die neue Freundin von Mia und Aidans Vater und muss um die Akzeptanz seiner beiden Kids kämpfen. Die wollen mit ihr aber eigentlich gar nichts zu tun haben, sondern sehen sie als Eindringling, der den Platz ihrer Mutter einnehmen will. Als Grace (gespielt von Elvis Presleys Enkelin Riley Keough) ihnen erstmals begegnet, ist sie sichtlich um die Gunst der beiden bemüht. Doch in der abgeschiedenen Hütte wird ihrer aller Überlebenswille schon bald auf die Probe gestellt. Denn sie werden von der Außenwelt abgeschnitten und Grace muss nicht nur um ihr aller Überleben kämpfen, sondern auch um ihre geistige Gesundheit. Denn unter dem Misstrauen und der scheinbar ausweglosen Situation droht sie, nach und nach den Verstand zu verlieren.
 
Wie schon beim Vorgänger des Duos Severin Fiala und Veronika Franz ist es hier nicht plakativer Horror, sondern eher psychologischer Subtext, der für Verstörung sorgt – unterstützt von den eindringlichen Bilden von Thimios Bakatakis, der für Yorgos Lanthimos sowohl „The Lobster“ als auch „The Killing of a Sacred Deer“ fotographiert hat. Die stimmungsvolle Wechselwirkung aus Normalität und nicht fassbarer Bedrohung bringt er auch hier ins Spiel, wobei die Musik von Danny Bensi und Saunder Jurriaans ein Übriges tut, um ein unheimliches Gefühl heraufzubeschwören.
 
So elegant wie das Skript ihres Vorgängers ist das von „The Lodge“ nicht. Der erste Entwurf wurde von Sergio Casci geschrieben, danach entwickelten die Österreicher ihre eigene Version. Probleme gibt es dabei aber genug, und das nicht zuletzt, weil die Ausgangssituation die Glaubwürdigkeit strapaziert. Würde ein Vater wirklich seine neue Freundin, die erwiesenermaßen psychologische Probleme hat, alleine mit seinen zwei traumatisierten Kindern mitten im Nichts lassen – und das noch mit einer geladenen Waffe im Haus?
 
Wie Anton Tschechow es schon so schön erklärte: Wenn man im ersten Akt ein Gewehr zeigt, dann muss es im letzten Akt auch abgefeuert werden. Bei dem Revolver in „The Lodge“ verhält es sich genauso.
 
„The Lodge“ ist ein sehr langsam erzählter Film. Er beansprucht die Geduld des Zuschauers schon sehr, denn die anfängliche Bedrohung wird nur durch geschickte Kameraarbeit und intensive Musik erreicht. Inhaltlich tut sich hier eher wenig, wenn man davon absieht, dass der Film sich in den Bahnen eines fast schon traditionellen Dramas bewegt. Erst zur Hälfte hin wird er intensiver, die Geschichte bleibt aber unfassbar und die Auflösung einigermaßen konfus, weil nie klar wird, wer die Bösen und wer die Guten sind. Wohl aus dem einfachen Grund, dass es hier weder das eine, noch das andere gibt. Aber das macht die Identifizierung für den Zuschauer schwierig, da die Figuren seltsam fremd bleiben.
 
Die Besetzung ist gut. Neben Riley Keough hat man Richard Armitage als Vater und Jaeden Martell, der mit den beiden „Es“-Filmen bekannt wurde und erst nicht in einem weiteren Horrorfilm mitspielen wollte, sich dann aber von den Regisseuren überzeugen ließ, dass dies eine andere Art von Horror ist. „The Lodge“ spielt nicht in derselben Kategorie wie „Ich seh ich seh“, hat aber interessante Ansätze, eine tolle Optik und Akustik, ist aber auch eine Geduldsprobe. Den Trailer sollte man sich am besten gar nicht erst ansehen. Er gaukelt eine ganz andere Art von Film vor.    
 
Peter Osteried