The Place Beyond the Pines

Es ist immer spannend zu beobachten, wie sich neue Talente entwickeln, wie der Stab der Filmkunst von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. So ist der amerikanische Regisseur Derek Cianfrance gerade dabei, in die Fußstapfen von Größen wie Scorsese oder Coppola zu treten. Zwölf Jahre musste er warten, bis die Finanzierung für sein Ehe-Drama „Blue Valentine“ stand. Mit dem Kriminal-Drama „The Place Beyond The Pines“ ging es wesentlich schneller – und Cianfrance liefert erneut ein Meisterwerk ab, diesmal in epischen Proportionen. Erneut spielt Ryan Goslin einer der Hauptrollen.

Webseite: www.studiocanal.de

Originaltitel: The Place Beyond The Pines
USA 2012
Regie: Derek Cianfrance
Buch: Derek Cianfrance, Ben Coccio, Darius Marder
Darsteller: Ryan Gosling, Bradley Cooper, Eva Mendes, Ray Liotta, Bruce Greenwood, Dane DeHaan, Emory Cohen
Länge: 140 Minuten
Verleih: Studiocanal
Kinostart: neu 13. Juni 2013

PRESSESTIMMEN:

"Ryan Gosling (…) macht das Epos so zu einem der intensivsten Kinoerlebnisse des Jahres."
STERN

"Stoff für einen großen Roman: Derek Cianfrances Film "The Place Beyond the Pines" beginnt wie ein kleiner Biker-Film – und wächst sich dann aus zu einem Epos über Männlichkeit, Schuld und zerplatzte Hoffnungen."
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

"Melodramatischer Schicksalsthriller über fatale Verstrickungen von Vätern und Söhnen… Ein Meisterwerk des Independent-Kinos, dessen dramaturgische Intensität an die frühen Filme eines Martin Scorsese oder Terrence Malick erinnert."
CINEMA

"Ryan Gosling ist (…) derzeit (der) heißeste Star in Hollywood. Gosling ist so cool wie einst Steve McQueen."
DIE WELT

FILMKRITIK:

Motorrad-Stuntman Luke (Ryan Gosling) reist mit einem Jahrmarkt von Stadt zu Stadt. In der Kleinstadt Schenectady nahe New York erfährt Luke von Romina (Eva Mendes), mit der er eine Affäre hatte, dass er der Vater ihres kleinen Sohnes ist. Er will für ihn sorgen, aber Romina lebt in einer neuen Bezehung. Um sie zumindest finanziell zu unterstützen, verlegt Luke sich auf Banküberfälle, die er mit seinem Motorrad ausführt. Der ehrgeizige Polizist Avery (Bradley Cooper), Sohn eines einflussreichen Richters, will derweil die Karriereleiter nach oben klettern. Seine Familie versteht nicht, warum er sich dazu den Gefahren des Streifendienstes aussetzt. Nach einem misslungenen Überfall kreuzen sich die Wege von Luke und Avery. Das nachfolgende Drama wird alle Beteiligten über Jahre hinaus prägen.

Schon der Beginnn dieses Films macht es dem Zuschauer unmöglich, sich seiner ungeheuren Intensität zu entziehen: In einer langen, ungeschnittenen Sequenz folgt die Handkamera Luke von seinem Trailer über den Jahrmarkt bis zu dem Zelt, in dem er sich auf sein Motorrad setzt und an die Arbeit geht. Hier kommt die ausgeprägte stilistische Handschrift zum Ausdruck, die allein schon Cianfrance zu einem der spannendsten amerikanischen Regisseure der Gegenwart macht. Er schneidet selten und liebt lange Plansequenzen. Cianfrance kommt vom Dokumentarfilm, und seine filmische Sprache ist davon geprägt. Cianfrances Spielfilme streben aber gleichzeitig in zwei Richtungen: Er verankert sie tief in der Realität, während jederzeit der tiefe Drang zu spüren ist, Geschichten zu erzählen, die größer sind als das Leben.

Ebenfalls zugute kommt Derek Cianfrance, das er sein Handwerk bei Experimantalfilmern gelernt hat. So ist „The Place Beyond The Pines“ einerseits tief im klassischen Erzählkino verwurzelt, traut sich andererseits aber eine große Freiheit in der dramaturgischen Struktur zu. Cianfrance erweist einem seiner Lieblingsfilme, Scorseses „Goodfellas“, seine Reverenz, und er ließ sich von Abel Gances Stummfilm „Napoleon“ inspirieren. Er wollte, so Cianfrance, so wie Gance „drei Leinwände zum Singen bringen“. So entspinnt sich ein episches Drama, dass 15 Jahre umfasst und mit drei überraschenden Perspektivwechseln fasziniert.

Vor der Kamera präsentiert sich eine neue Generation amerikanischer Schauspieler. Mit Ryan Gosling dreht Cianfrance hier zum zweiten Mal – vielleicht wird ihre Beziehung einmal ähnlich fruchtbar werden wie die zwischen Martin Scorsese und Robert De Niro. Gosling gelingt hier das Kunststück, gleichzeitig cool, hart und durchdringend traurig zu wirken. Er ist geboren für die Leinwand, seine Charisma wirkt wie ein Magnet. Gosling ist der klassische Außenseiter und Einsame, der schon Marlon Brando zur Legende machte. Dagegen steht das nicht minder faszinierende Spiel von Bradley Cooper, der seiner Figur eine brütende Energie verleiht, die eher implodiert als sich expressiv äußert. Beide Darsteller heben diese Geschichte um die Geheimnisse, die vom Vater auf den Sohn übergehen und mit Zeitverzögerung zerstörerische Kraft entfalten, auf eine beinahe mythologische Ebene, zu der auch der Filmtitel passt. Mit „The Place Beyond The Pines“ kommt ein Film in die Kinos, der beweist, dass das amerikanische Erzählkino abseits vom Hollywood-Mainstream alles andere als tot ist – und das eine große Tradition in einer neuen Generation weiterleben wird.

Oliver Kaever

Luke, an die 30 Jahre alt, ist Stuntman und Motorraser. Er tritt auf Rummelplätzen auf. Jetzt kommt er nach Schenektady, wo er vor einem Jahr schon einmal war. Damals schwängerte er Romina, wusste aber nichts davon. Sie hat nun einen kleinen Sohn, ist inzwischen mit Kofi zusammen.

Luke kommt zurück, will Romina sehen. Er ist sich bewusst geworden, dass er sie liebt. Sie aber ist misstrauisch.

Der Stuntman will für das Kind sorgen. Dazu braucht er Geld. Er trifft auf den etwas verlottert als Mechaniker lebenden Robin, der ihm einen Wohnwagen zur Verfügung stellt. Nach einiger Zeit: Geld wäre mit einem Bankraub zu beschaffen. Gesagt, getan. Gut ausgetüftelt, gelingt es ein paar Mal. Dann missglückt der nächste Raub – es musste ja einmal so kommen.

Luke wird von dem ehrgeizigen Polizisten Avery Cross verfolgt, gestellt – und erschossen. Wer schoss zuerst? Hätte Avery Luka am Leben lassen können? Lange wird er befragt, verhört, doch er kann sich ganz gut aus der Affäre ziehen.

Ein paar seiner Kollegen, darunter Deluca, machen sich an das von Luke erbeutete Geld. Avery deckt die Korruption auf. Jetzt ist seine Karriere nicht mehr zu bremsen.
15 Jahre später. Lukes Sohn Jason und Averys Sohn AJ geraten aneinander, weil sie mit Drogen zu tun haben. Jason erfährt endlich alles über seine Vergangenheit und seinen Vater. Er will und kann sich nun an Avery Cross rächen.

Eine fabelhafte Bankraub-, Liebes-, Korruptions-, Ehrgeiz- und Rachegeschichte. Auf drei Ebenen (zwei Zeitebenen) spielt sich alles ab: Luke mit seinem wilden Leben und seiner verpassten Liebe zu Romina; Averys zweifelhafter Aufstieg; die beiden Söhne als Kontrahenten. Alles ineinander verschachtelt und gut montiert, also ein beachtliches Drehbuch. Für die Regie gilt dasselbe.

Der ungestüme, ständig sein Leben riskierende Kraftprotz und Schönling Luke wird von Ryan Gosling interpretiert. Und wie! Bradley Cooper spielt ebenso glänzend den sich durchschlängelnden Avery Cross. Ray Liotta ist wieder einmal ein herrlicher Bösewicht. Eva Mendes, inzwischen mit Ray Gosling privat zusammen, hat zwar keine Riesenrolle, ziert aber jeden Film.

Thomas Engel