The World’s End

Mit "Shaun of the Dead" gelang Simon Pegg und Nick Frost vor zehn Jahren ein echter Kultfilm-Coup. Mit "Hot Fuzz" wurde der Spaß, very british und ebenso erfolgreich, fortgesetzt. Nun folgt der dritte und letzte Streich dieser "Cornetto"-Trilogie. Fünf Freunde aus Schultagen begeben sich zwanzig Jahre nach ihrem letzten Saufgelage auf eine nostalgische Pub-Tour im Kaff der alten Heimat. Dort freilich scheinen Außerirdische das Leben übernommen zu haben. Nur noch kurz die Welt retten? Dazu brauchen diese Helden erst noch ein paar Bier! Diese Science-Fiction-Komödie bietet brillant schrägen, britischen Humor vom Feinsten, liebevoll gemachte Spezialeffekte sowie den vergnüglichen Überraschungsauftritt eines Stars – dessen Name selbst die allwissende Filmdatenbank IMDB zum Glück nicht preisgibt.

Webseite: www.upig.de

GB 2013
Regie: Edgar Wright
Darsteller: Simon Pegg, Nick Frost, Paddy Considine, Martin Freeman, Eddie Marsan, Rosamunde Pike
Filmlänge: 129 Minuten
Verleih: Universal Pictures International Germany GmbH
Kinostart: 12. September 2013

PRESSESTIMMEN:

"Wer schwarzen britischen Humor mag, wird diese wüste, groteske Weltuntergangs-Sauferei lieben."
Cinema

FILMKRITIK:

Zwanzig Jahre ist es her, seit fünf Schulfreunde eine ausgiebige Kneipentour unternahmen, die am Besuch des letzten, zwölften Pubs einst unvollendet blieb. Längst ist das Quintett in alle Winde zerstreut, hat mehr oder weniger Karriere und in Familie gemacht. Eher widerwillig als euphorisch reagieren die Kumpels von einst, als der 40-Jährige Gary King plötzlich bei ihnen auftaucht, um sie zu überreden, in der alten Heimat diese Sauftour von damals spontan nochmals zu wiederholen und dabei endlich das Dutzend zu vollenden. Mit psychologischem Geschick sowie einigen Tricks kann King alle Skepsis zerstreuen, schon zu Schulzeiten stellte er als Anführer seinen königlichen Namen ständig unter Beweis. Fünf Musketiere, zwölf Pubs, eine Nacht und ganz viel Bier – das ist der Plan.

Bei der Ankunft im dem verschlafenen Städtchen wird allerdings allen alsbald klar, dass nichts mehr so ist, wie es einmal war. Nicht nur allerlei alte Rivalitäten brechen auf zwischen Andy (Nick Frost), Oliver (Martin Freeman), Steve (Paddy Considine), Peter (Eddie Marsan) und ihrem ehemaligen Anführer Gary. Das gesamte Provinzkaff Newton Haven scheint verändert. Aus den gemütlichen Kneipen wurden seelenlose Gastronomie-Ketten mit Einheits-Ambiente. Die Gäste wirken freundlich, allerdings auch höchst wunderlich. Bei einem Toilettenbesuch kommt es schließlich zu unheimlichen Begegnungen der dritten Art. Der von seinen Kumpels enttäuschte King gerät in Streit mit einem Teenager. Der verliert den Kopf. Als Verstärkung von beiden Seiten eintrifft, gerät diese unheimliche Begegnung der dritten Art völlig aus dem Ruder. King und Co. erkennen die Dramatik ihrer Lage. Für die schnelle Flucht im Auto sind sie zu betrunken. Trotzig wird die Gegenoffensive geplant, natürlich nicht, ohne dabei die vorgesehene Kneipentour aufzugeben. Mit ihrem ehemaligen Lehrer hoffen die fünf Freunde auf einen Verbündeten – gespielt wird der von einem veritablen Star, dessen Name die Filmemacher erfolgreich geheim halten konnten, selbst die allwissende Datenbank IMDB machte für diesen Überraschungscoup nicht den Spoiler-Spielverderber!

Nach Zombiefilm und Krimi nimmt das dynamische Duo Pegg/Frost gemeinsam mit Regisseur und Koautor Edgar Wright bei ihrem dritten Streich das Alien-Genre gekonnt komisch aufs Korn. Das beliebte Über-Hecken-Springen fehlt dabei ebenso wenig wie das berühmte "Cornetto"-Eis. Das Humor-Spektrum reicht vom verwegenen Klamauk über lässigen Wortwitz bis zum smarten Slapstick. Philosophisches fehlt gleichfalls nicht. Sei es bei der Frage nach der vermeintlich guten alten Zeit im Zerrspiegel ihrer nostalgischen Verklärung. Oder bei noch existenzialistischeren Problemen wie der Freiheit des Willens, den Verlockungen durch Konformismus oder dem Wunsch nach gekaufter Glückseligkeit und ewiger Jugend. Keine Sorge, es handelt sich nicht um ein philosophisches Grundseminar, sondern um eine temporeiche Komödie. Vergnüglich albern, reichlich cool und ziemlich bierselig – very british eben. 

Dieter Oßwald

Die Schulzeit ist beendet, Gary, Andy, Steven, Oliver und Peter haben allen Grund zum Feiern. Nicht weniger als zwölf Pubs sind in dem Ort Newton Haven zu finden. Alle wollen sie durchbringen. Sie schaffen es nicht.

Also muss nach 20 Jahren die Sache noch einmal versucht werden. Gary macht den Anführer. Es fällt ihm nicht leicht, die früheren Freunde zu mobilisieren, sind diese doch längst etabliert und verheiratet, haben Kinder und alle einen festen Beruf.

Nicht so Gary. Er verweigert sich dem realen harten Leben, ist im Grunde ein Kind geblieben. Sein Temperament allerdings hat er bewahrt.

Die fünf ziehen los. Die einzige Frau, die mit dabei sein darf, ist Sam. Warum? Weil sowohl Gary als auch Steven noch immer heimlich in sie verliebt sind.

Jetzt werden die Pubs durchgezogen. Bis zum letzten muss es dieses Mal gehen, der bezeichnenderweise „The World’s End“ heißt. Ein paar alte Bekannte werden getroffen, das Bier fließt in Strömen. Es kommt zu Gesprächen, zu Tänzen, zu Sticheleien, immer wieder zu Faustkämpfen.

Gary ist dabei die weitaus schillerndste Figur: beredt, wach, animierend, äußerlich vernachlässigt, sich aber auch um Existenzielles, fast Überirdisches kümmernd. „Einer allein gegen die Macht der Masse“, heißt es einmal.

Es ist ein Film, in dem viel verhandelt wird: Irdisches, „Unirdisches“, Bizarres, Komisches, Gesamtmenschliches, Zukünftiges. Ein Film, der sich zugleich sentimental und satirisch gibt, indem die Macher „typisch britische Klischees ins Gegenteil verkehren“ wollten.

Man muss aufmerksam mitmachen, wenn man alles begreifen will. Simon Pegg und Nick Frost („Shaun of the Dead” und “Hot Fuzz”) sind die Autoren. Gespielt wird professionell.

Sehr speziell. Very British.

Thomas Engel