Therapie für einen Vampir

Dass Vampire leicht gestörte Wesen sind war ja bekannt. Insofern liegt es nahe, sie auf die Coach zu legen, um die gespaltene Persönlichkeit und die offensichtlich sexuell konnotierten nächtlichen Aktivitäten zu analysieren. Genau dies tut David Ruehms in seiner amüsanten Komödie "Therapie für einen Vampir", die nicht nur Freudsche Untertöne hat, sondern den berühmten Psychiater gleich als Nebenfigur einführt.

Webseite: www.programmkino.de

Österreich/ Schweiz 2014
Regie, Buch: David Ruehm
Darsteller: Tobias Moretti, Jeanette Hain, Cornelia Ivancan, Dominic Oley, David Bennent, Karl Fischer, Erni Mangold, Lars Rudolph
Länge: 87 Minuten
Verleih: MFA+
Kinostart: 6. August 2015
 

FILMKRITIK:

Wien, 1932. Graf Geza von Közsnöm (Tobias Moretti) ist unglücklich. Seit Jahrhunderten trauert er seiner großen Liebe hinterher, die dummerweise nicht seine Ehefrau Elsa (Jeanette Hain) ist. Gemeinsam lebt das Vampirpaar in einer mondänen Villa abseits von Wien, doch während Elsa mit Freude ihrem Wesen nachgeht nimmt Geza Blut nur noch aus dem Flachmann zu sich, den sein treuer Diener und Chauffeur Radul (David Bennent) Nacht für Nacht füllt.

So unglücklich ist Geza, dass er sich beim berühmtesten Psychiater der Zeit auf die Coach legt: Sigmund Freud (Karl Fischer). Wie es der Zufall will, arbeitet Dr. Freud mit dem wenig erfolgreichen Künstler Viktor (Dominic Oley) zusammen, der die Träume von Freuds Patientin in Bilder verwandelt. Zum Dank hat er Freud ein Bild von seiner Freundin Lucy (Cornelia Ivancan) geschenkt, genauer gesagt ein Bild seiner Freundin, wie er sie gerne sehen würde: Nicht schwarzhaarig, sondern blond, nicht emanzipiert in Hosen, sondern ganz weiblich in einem langen Kleid. Genau in diesem imaginierten Abbild vermeint Geza nun seine lang verlorene Liebe wieder zu entdecken. So beginnt der Graf einen komplizierten Partnertausch zu inszenieren: Während er mit Lucy anbändelt, versucht er Elsa mit Viktor zu verkuppeln, denn der Maler könnte ein großes Problem lösen: Endlich ein Abbild von Elsa zu schaffen, die sich als Vampir bekanntermaßen nicht im Spiegel sehen kann, kein Foto oder Gemälde von sich hat und zunehmend daran zweifelt, dass sie schön ist.

Man merkt: Autor und Regisseur David Ruehm spielt auf lustvolle Weise mit den Mythen und Traditionen des Vampir-Genres, denkt manche "Regel" weiter und stellt die Fragen, die bei Geschichten und Filmen um die Untoten stets mitschwingen. Dass ist zum einen die Lust und Last der Unsterblichkeit, jenes ewigen Menschheitstraums, dessen Erfüllung aber mit der Erkenntnis einhergeht, dass erst der unausweichliche Tod dem Leben einen Sinn verleiht. Zugleich schwingt die offensichtliche sexuelle Dimension des Vampirwesens mit, dass mit seinem sinnlichen Biss in den Hals, dem Austausch von Körperflüssigkeiten von Teenie-Büchern/ Filmen wie der "Twilight"-Saga, bis hin zu einer erwachsenen Version wie Coppolas "Dracula" für Inspiration sorgte.

Ruehm wählt einen deutlich ironischeren Ton, wartet zwar mit einigem Blut auf, einigen schönen Gruselmomenten, doch im Kern ist seine "Therapie für einen Vampir" eine romantische Komödie. Die allerdings immer wieder auf originelle Weise psychoanalytische Motive andeutet, etwa die Frage welche Auswirkungen es auf die Persönlichkeit hat, wenn man sein Abbild nicht im Spiegel sehen kann. Manchmal fehlt dem bunten Treiben zwar etwas der Biss, doch das Spiel mit Motiven und Verweisen sorgt für einen unterhaltsamen Film, der das Vampir-Genre auf originelle Weise variiert.
 
Michael Meyns