Thirst – Durst

Der Priester Sang-hyun wird das freiwillige Opfer eines medizinischen Experiments. Der tödliche Ausgang ist zugleich die Wiedergeburt eines Vampirs. Der südkoreanische Kultregisseur Park Chan-Wook ("Old Boy") überrascht mit einem bizarren Genre-Mix. Ein intensives Filmerlebnis, das lange nachwirkt.

Webseite: www.thirstmovie.com

Südkorea 2009
Originaltitel: Bakjwi
Regie: Park Chan-Wook
Darsteller: Song Kang-ho, Kim Ok-vin, Kim Hae-sook, Shin Ha-kyun, Park In-hwan, Oh Dal-soo, Song Young-chang, Eriq Ebouaney
Laufzeit: 133 Minuten
Verleih: MFA+
Kinostart: 15.10.2009
 

PRESSESTIMMEN:

AUSZEICHNUNGEN:

Cannes 2009: Preis der Jury

FILMKRITIK:

Aus reiner Nächstenliebe zu seiner Gemeinde, übergibt sich der katholische Priester Sang-hyun (Song Kang-ho, “The Host”) in die Obhut eines abgelegenen Klosters. Ein Ort der Ruhe, der jedoch hinter seinen hohen Mauern eine medizinische Experimentierstation birgt. Für das allgemeine Wohl, werden hier Studien am lebenden Objekt durchgeführt. Völlig selbstlos lässt auch Sang-hyun diese über sich ergehen. Der guten Sache wegen, lässt er sich gar mit einem Virus infizieren, das seinen Tod zur Folge haben kann und wird. Doch sein Ableben ist nicht von langer Dauer. Sein menschlicher Leichnam findet den Weg zurück ins Licht. Ein Wunder!

Als geheilt entlassen, wendet sich Sang-hyun ab von dem Ort seines Todes und seiner Wiedergeburt. Brüder des Ordens und gläubige Gemeindemitglieder liegen ihm zu Füssen. Gepriesen wird er im Namen Jesu Christi. Doch mehr noch als der Glaube an Gott, umtreibt ihn nun sein Durst. Und wie es sich für einen waschechten Vampir gehört, kommt nur ein Getränk in Frage, das eben diesen Durst zu löschen vermag. Glücklicherweise hat er als Priester Zugang zum örtlichen Krankenhaus und jeder Menge frischem Blut, was seine neuen Lebensgewohnheiten in geordnete Bahnen lenkt. Ein Zustand, der jedoch dem Chaos weicht, als er sich in Tae-ju (Kim Ok-vin), die Frau eines Jungendfreundes verliebt. Von den übernatürlichen Kräften des Untoten fasziniert und dem eigenen tristen Dasein überdrüssig, will sie nur noch das Eine – ebenfalls ein Vampir sein. Und selbst Sang-hyun scheint sein neues Dasein nun mehr und mehr zu schätzen.

Nach seiner bemerkenswerten bis brillanten Rache-Trilogie ("Sympathy for Mr. Vengeance", "Old Boy" und "Sympathy for Lady Vengeance") und der skurrilen Liebesgeschichte "I’m a Cyborg, but that’s ok", wendet sich der koreanische Ausnahmeregisseur Park Chan-Wook dem Genre des Vampirfilms zu. Wenngleich man seinen neuen Wurf eigentlich nicht ganz so einfach kategorisieren kann. Viele Interpretationen und Sichtweisen sind möglich. Wenn man allerdings eine Schublade benennen will, in die der Film zu passen hat, müsste diese wohl die Aufschrift “Bizarres Horror-Liebes-Drama mit religiösem Einschlag“ tragen. Und da die Idee zum Film bereits vor zehn Jahren entstand, kann man ebenso wenig von einem neuen Kapitel sprechen, das der Regisseur nun zu öffnen gedenkt.

Wie dem auch sei, der in Cannes ausgezeichnete Südkorea-Import ist einmal mehr das überraschende Meisterwerk eines genialen Filmemachers. Jedes einzelne Bild und der Einsatz filmtechnischer Mittel ist wohl durchdacht und stets dem gewünschten Ausdruck angemessen. Ein visuell beeindruckender und intensiver Film, der noch lange nachwirkt. Dabei erreicht er den Zuschauer nicht mit der unbändigen Wucht eines "Old Boy“, sondern setzt vielmehr auf die schleichende Kraft, die der Film insbesondere aus dem verstörenden und stimmig ausbalancierten Genre-Mix zieht. Eine groteske Lovestory voller Poesie und ein zugleich düsterer Vampirfilm, der seinesgleichen sucht.

Gary Rohweder