This Prison Where I Live

Denkt man an das südostasiatische Land Burma, denkt man gewiss nicht zuerst an Komik. Eine der berühmtesten Regimekritischen Figuren Burmas ist jedoch genau das: Ein Stand Up Comedien namens Zarganar. Auf die Spuren des inzwischen zu lebenslanger Haft inhaftierten Komikers machen sich dessen deutscher Gegenpart Michael Mittermeier und der britische Regisseur Rex Bloomstein. Mit ihrem Film wollen sie aufrütteln, was gelingt, aber auch die Grenzen ihrer Möglichkeiten werden schnell deutlich.

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GB, Deutschland 2009 – Dokumentation
Regie: Rex Bloomstein
Länge: 91 Min.
Verleih: Senator
Kinostart: 21. Oktober 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Seit Jahren beschäftigt sich der britische Dokumentarfilmer Rex Bloomstein mit Menschenrechtsverletzungen. So war es nur zwangsläufig, dass seine Arbeit ihn auch nach Burma führte, das landschaftlich wunderschöne südostasiatische Land, das seit 1962 unter einer Militärdiktatur leidet. Dort traf Bloomstein 2007 den burmesischen Comedian, Schauspieler und Regisseur Zarganar. Seit Anfang der 90er Jahre hatte sich Zarganar als bissiger Kritiker des Regimes einen Namen gemacht, hatte mit beißender Komik immer wieder die Grenzen des Erlaubten ausgelotet und schon lange Jahre im Gefängnis verbracht. 2007 war er zwar frei, durfte aber nicht auf der Bühne auftreten und offiziell auch nicht mit westlichen Medien sprechen. Was einen subversiven Menschen wie Zarganar natürlich nicht davon abhielt, Bloomstein in seiner Wohnung zu empfangen und ihn durch die Hauptstadt Rangun zu führen, um ihm ein Bild von der Unterdrückung zu geben, unter der Burma im Allgemeinen und Zarganar im Speziellen leidet.

Ein paar Jahre später erfuhr Bloomstein, dass Zarganar im Zuge der Proteste gegen das Regime zu sagenhaften 59 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, was für den 50jährigen einer lebenslangen Haft gleichkommt. Mit Hilfe des deutschen Komikers Michael Mittermeier, der sich seit einer Reise nach Burma für das Land einsetzt, entstand nun der vorliegende Film, dessen Herangehensweise gleichermaßen notgedrungen wie interessant und auch problematisch erscheint. Gut die Hälfte des Films sieht man Mittermeier dabei zu, wie er das ein paar Jahre zuvor entstandene Material anschaut und mehr oder weniger sinnvolle Kommentare abgibt. Ein paar faszinierende Aufnahmen aus Spielfilmen und Bühnenauftritten Zarganars hat Bloomstein ebenfalls aufgetrieben, die zusammen mit den Interviews trotz ihrer Kürze klar aufzeigen, welch subversives und somit aus Sicht des Regimes bedrohliches Potential in der Komik Zarganars liegt.

Vermutlich reichte dies für eine Verhaftung und Verurteilung, genauere Details der Umstände erfährt man bedauerlicherweise nicht. Stattdessen verlagert der Film in der zweiten Hälfte seinen Schauplatz nach Burma, wo Mittermeier und ein dreiköpfiges Team versuchen, sich dem Gefangenen zu nähern. Was in jeder Hinsicht misslingt. Kein Freund oder Bekannter Zarganars will vor der Kamera auftreten und auch dem Gefängnis im abgelegenen Norden Burmas, kann sich das Team nur auf große Entfernung nähern. Und selbst diese Aktion führt dazu, dass ein Helfer fluchtartig das Land verlassen muss.

Spätestens hier beginnt man sich dann doch zu fragen, ob die bisweilen halsbrecherischen, auch naiven Versuche des Filmteams, einen Film in einem so repressiven Land wie Burma zu drehen, nicht arg fahrlässig sind. Weniger für ihre eigene Gesundheit als für all die Burmesen, die als Helfer herangezogen wurden und in Folge dessen möglicherweise selbst Opfer des Regimes geworden sind. Der fraglos noble Zweck, dem Bloomstein und Mittermeier mit diesem Film folgen, bekommt so einen etwas zwiespältigen Beigeschmack. So bleibt nur zu hoffen, dass This Prison Where I Live letztlich doch auf seine Weise zu einem Wandel beiträgt, auch wenn dies für Zarganar selbst zu spät sein könnte. Momentan sitzt er noch im Gefängnis, seine Strafe wurde auf 35 Jahre „reduziert.“

Michael Meyns

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