Trash Detective

Vielleicht begründet Maximilian Buck mit seinem ziemlich derben Debütfilm "Trash Detective" ein neues Genre, den Schwaben-Krimi… Der ist weit weg von Tatort-Behäbigkeit und wartet statt dessen mit offensiv eingesetztem Lokalkolorit auf, vor allem aber mit einem mit ganzem Körpereinsatz spielenden Hauptdarsteller.

Webseite: www.trashdetective-film.de

Baden Württemberg 2014
Regie: Maximilian Buck
Buch: Michael Glasauer
Darsteller: Rudolf Waldemar Brem, Therese Hämer, Sebastian Fritz, Karl Knaup, Luzie Buck, Vlad Chiriac
Länge: 106 Minuten
Verleih: Camino Filmverleih
Kinostart: 18. Februar 2016
 

FILMKRITIK:

In der fiktiven schwäbischen Ortschaft Matringen kennt jeder Uwe Krollhass (Rudolf Waldemar Brem). Ziemlich elendig lebt er, im wahrsten Sinne des Wortes im Dreck, schüttet Schnaps in sein Frühstück und ist auch sonst fast nie nüchtern anzutreffen. In der Dorfkneipe ist er Stammgast, ansonsten als meist erträglicher, manchmal aber auch höchst unangenehmer Säufer bekannt. Ernst wird er nicht genommen, und so glaubt ihm auch niemand, als Uwe nach einer weiteren durchzechten Nacht berichtet, er habe die Dorfschönheit Susi (Luzie Buck) blutüberströmt in einem Auto gesehen. Doch Susi ist tatsächlich verschwunden, ihr Vater, der wohlhabende Peter Berger (Karl Knaup) scheint sich verdächtig wenig Sorgen um die Tochter zu machen, allein ihr Freund Steffen (Sebastian Fritz) scheint Uwe Glauben zu schenken. Seine Mutter ist die Hauptkommissarin Gabi Stolze (Therese Hämer), die schon oft mit Uwe zu tun hatte, ihn meist beschützte, nun aber die Geduld mit ihm zu verlieren scheint. Und dann ist da noch der schnöselige Salva (Vlad Chiriac), der schon Peter Berger erpresst und nun auch versucht, Uwe mit einem für diesen höchst unangenehmen Video zu erpressen.

Kein schönes Bild ihrer schwäbischen Heimat zeichnen Regisseur Maximilian Buck (für den "Trash Detective" sein Abschlussfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg darstellt) und sein Drehbuchautor Michael Glasauer. Trist und heruntergekommen wirkt das Örtchen Matringen, für das Ilsfeld und Kornwestheim Kulisse war, und in dem düstere Abgründe lauern. Dass diese sich am Ende als das übliche Gemisch aus Sex, Drogen und Eifersucht herausstellen, ist das einzig Konventionelle an einem Film, der sonst erfrischend unkonventionell daherkommt.

Allein dass hier mit ganzem Einsatz geschwäbelt wird, macht "Trash Detective" besonders, macht den Hochdeutsch sozialisierten Zuschauer anfangs zwar etwas ratlos, doch bald hat man sich eingehört. Zumal es auch nichts ausmacht, nicht jedes Wort zu verstehen, das vor allem Uwe ausstößt: Allein ihn zu sehen, reicht meist aus. Mit ganzem Körpereinsatz spielt Rudolf Waldemar Brem diese Figur, mal in übelster Feinrippunterwäsche, mal in verwaschenen Hosen und Jacken, denen man geradezu ansieht, wie sehr sie müffeln. Man kann nicht behaupten, dass diese Figur ein sympathischer Typ ist, im Gegenteil. Latent aggressiv ist Uwe, schlägt im Suff gern um sich und wird sexuell übergriffig.

So einen Anti-Helden in den Mittelpunkt einer Erzählung zu stellen ist ein Wagnis, dass hier vor allem deswegen gelingt, da in der Welt von "Trash Detective" Uwe noch die normalste Figur ist. Kein Dorfbewohner ist unbescholten, allesamt verbergen sie mehr oder weniger tiefe Abgründe, sind illoyal und selbstsüchtig. Doch diese Abgründe wirken nicht einfach aufgesetzt, nicht als forcierter Blick in die Kleinstadthölle, sondern haben im Gegenteil, man muss fast sagen: etwas Liebevolles. Das macht "Trash Detective" bei allem Dreck und Blut, das Buck in überzeugenden Breitwandbildern inszeniert, zu einem Film voller Lokalkolorit, zu einem Heimatfilm im besten Sinne.
 
Michael Meyns