Treppe aufwärts

Spielsucht ist ein Sujet, das gerade in Hollywood immer wieder Thema ist, im deutschen Kino aber kaum vorkommt. Diese Lücke schließt Mia Maariel Meyer mit ihrem Debütfilm „Treppe Aufwärts“, in dem drei Generationen einer Familie beobachtet werden, die durch Zocken und Schulden entzweit sind. Nicht immer glaubwürdig konstruiert, aber überzeugend gespielt.

Webseite: www.missingfilms.de

Deutschland 2015
Regie & Buch: Mia Maariel Meyer
Darsteller: Hanno Koffler, Christian Wolff, Matti Schmidt-Schaller, Karolyna Lodyga, Patrick Wolff
Länge: 92 Minuten
Verleih: missingFILMs
Kinostart: 21. April 2016
 

FILMKRITIK:

Adam (Hanno Koffler) ist Zocker. Nur zum Schein fährt er Nacht für Nacht Taxi, sitzt jedoch lieber an Spielautomaten, die er mit einem Computerprogramm austrickst und um tausende Mark erleichtert. Zu Hause, in einem heruntergekommenen Haus am Rande Berlins, lebt er zusammen mit seinem Vater (Christian Wolff), der zunehmend an Demenz leidet, immer wieder im Bademantel ausreißt, um von Adam in der nächsten Spielhalle gefunden zu werden. Denn auch der Vater war einst ein passionierter Spieler und hat hohe Schulden gemacht. Die versucht Adam nun mühsam zurückzuzahlen, was er aus Scham verschweigt. Auch vor seinem 16-jährigen Sohn Ben (Matti Schmidt-Schaller), der eines Tages plötzlich vor der Tür steht.

Die Beziehung zu Bens Mutter ist längst zerbrochen, das Verhältnis zum Sohn gespannt. Mühsam bemüht sich Ben darum, sein zunehmend kompliziertes Leben in den Griff zu bekommen, alle Baustellen unter Kontrolle zu halten. Doch gerade Ben droht abzudriften und auf die schiefe Bahn zu geraten. Ausgerechnet dem kriminellen Bardo (Patrick Wolff) klaut er einen Umschlag Geld und wird von ihm zur Rede gestellt: Halb gezwungenermaßen, halb aus Lust am Abgrund wird Ben zum Geldeintreiber von Bardo, der sein Geld vor allem mit Spielautomaten macht.

„Treppe Aufwärts“ entstand außerhalb der deutschen Fördersysteme, wie eine zunehmende Anzahl deutscher Filme, die von meist jungen Regisseuren, Produzenten oder Schauspielern in Eigeninitiative gedreht werden, die keine Lust mehr auf die bürokratischen Strukturen der Filmförderung hatten. Die Ergebnisse dieser Projekte sind qualitativ ganz unterschiedlich, von originellen, ungewöhnlichen Produktionen wie „Hans Dampf“ oder „Harts 5“, bis hin zu Filmen, die sich kaum von einem eher typischen deutschen Film à la Das kleine Fernsehspiel unterscheiden.

Zu letzteren muss man auch „Treppe Aufwärts“ zählen, der sein Thema oft geradezu lehrbuchhaft bearbeitet: Über drei Generationen erstreckt sich das Grundsujet Spielsucht, verknüpft durch nicht immer zwingende Konstruktionen, die bisweilen weniger authentisch, als bemüht wirken. Dass etwa Ben ausgerechnet mit einem Kriminellen zu tun bekommt, der exakt mit den gleichen Mitteln Spielautomaten überlistet wie Adam wirkt dann doch allzu unglaubwürdig.

Während zudem manche Nebenfigur allzu schematisch bleibt, ist das emotionale Zentrum des Films überzeugend: Hanno Koffler hatte schon in „Freier Fall“ und „Härte“ bewiesen, wie überzeugend er aus der Klischeefigur des außen harten Kerls, der im inneren ein sensibler, nachdenklicher Typ ist, einen interessanten Charakter machen kann. Auch hier bildet er zusammen mit seinem Filmsohn Matti Schmidt-Schaller den emotionalen Kern, eine schwierige Vater-Sohn Beziehung, die von Aversionen, Misstrauen und Vorwürfen geprägt ist, die aber nicht ausdiskutiert werden, sondern sich durch kleine Gesten entwickelt. In diesen Momenten, wenn nur beobachtet wird, entwickelt „Treppe Aufwärts“ Qualitäten, die deutlich über das oft etwas Thesenhafte des Ansatzes hinausgehen.
 
Michael Meyns