Triff die Elisabeths!

Eine schwarze Familie beim Skifahren ist das autobiografisch inspirierte Thema von Lucien Jean-Baptistes Komödie über Vorurteile und Familienprobleme. Der Film will ausdrücklich kein Sozialdrama über Rassismus sein, sondern eine vergnügliche Winterkomödie der besonderen Art. Und als solche ist „Triff die Elisabeths!“ durchaus gelungen: In Frankreich war der Film mit 1,7 Mio. Besucher ein großer Überraschungshit, auf dem Festival des komischen Films Alpe D’Huez erhielt er den Publikumspreis und den Großen Preis der Jury, und auf dem Filmfest Hamburg wurde er mit dem Publikumspreis ausgezeichnet!

Webseite: www.triff-die-elisabeths.de

La Prèmiere Etoile
Frankreich 2008
Regie: Lucien Jean-Baptiste, Philippe Larue
Drehbuch: Marie-Castille Mention-Schaar, Lucien Jean-Baptiste
Darsteller: Lucien Jean-Baptiste, Anne Consigny, Firmine Richard, Jimmy Woha-Woha, Loreyna Colombo, Ludovic Francois
Verleih: Kool Filmdistribution
Kinostart: 31. Dezember 2009
90 Minuten
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Jean-Gabriel Elisabeth hat zwar kein Geld und kein Job, verspricht aber seiner Familie vollmundig die ersten Skiferien ihres Lebens. Das Einlösen des Versprechens führt die aus der Karibik stammenden Elisabeths in viele tragikomische Turbulenzen. Lucien Jean-Paptiste, Komödiant, Schauspieler und bei seinem Kinodebüt in Personalunion Autor, Regisseur und Hauptdarsteller, erzählt die Geschichte, die auf seinen Kindheitserinnerungen beruht, in erster Linie als komödiantische Reise ins Ungewisse. Dabei gelingt ihm das Kunststück, die Figuren immer wieder in komische Situationen zu hieven, bei allem Spaß und Slapstick aber nie Karikaturen aus ihnen zu machen.

Es ist nicht das erstemal, dass Jean-Gabriel gegenüber seiner Familie vollmundige Versprechen abgibt, die sich dann meist als Luftschlösser entpuppen. Diesmal hat er der ganzen Familie mal eben einen Skiurlaub in den französischen Bergen versprochen. Während sich die beiden jüngsten Kinder noch freuen, ahnt der älteste Sohn Yann bereits, dass Probleme auf die Familie zukommen. Die stellen sich auch prompt ein, denn Ehefrau Suzy hat von den Eskapaden ihres Mannes entgültig die Nase voll. Während sie mit einem Billigjob gerade einmal das Nötigste für den Unterhalt der fünfköpfigen Familie verdient, verfügt ihr Luftikus von Mann über gar kein festes Einkommen. Dabei könnte er einen Job bei der Post bekommen, doch statt Briefe in einer Pariser Trabantensiedlung auszutragen, träumt Jean-Gabriel von einer Karriere beim Fernsehen. Und das wenige Geld, das er mit Gelegenheitsjobs verdient, geht meist bei Pferdewetten drauf. Diesmal haut ihn die genervte Gattin aber nicht aus der Patsche, sondern stellt ihm ein Ultimatum: Falls er sein Versprechen den Kindern gegenüber erneut nicht einlöst, ist die Ehe ernsthaft in Gefahr. In seiner Not wendet sich der Traumtänzer an seine Mutter. Die ist denn auch bereit, für die Reise den vakanten Platz der Ehefrau einzunehmen, sieht sich aber von ihrem Sohn zu dem Trip in den Schnee eingeladen. Allerdings sind Geld und Logistik nicht die einzigen Probleme für die Winterurlauber. Aufgewachsen als farbiger Einwanderer aus den Antillen haben weder Jean-Gabriel noch seine Mutter Bonne Maman jemals Skiferien gemacht, von ihren Kindern ganz zu schweigen. Schon die Anreise im geliehenen Auto endet denn auch prompt in einer Schneewehe. Nur gut, dass Bonne Maman mit dem Kämpferherzen einer Frau, die schon alles erlebt hat, auch diese Herausforderung ohne Furcht angeht. Da wird den Tücken des Skilifts ebenso getrotzt wie den Vorbehalten der konservativen Vermieterin, die argwöhnisch auf ihr Miete wartet. Geld, das Jean-Gabriel hofft, erst bei einer Pferdewette einzunehmen!

Fünf Schwarze im Schnee – das Szenario eröffnet eine Vielzahl von Möglichkeiten, von der albernen Klamotte bis zum Gesellschaftsdrama über Rassismus und soziale Ungleichheit. Lucien Jean-Paptiste, Komödiant, Schauspieler und bei seinem Kinodebüt in Personalunion Autor, Regisseur und Hauptdarsteller, wählt ganz entspannt seinen eigenen Weg, indem er die Geschichte, die auf seinen Kindheitserinnerungen beruht, in erster Linie als komödiantische Reise ins Ungewisse anlegt. Dabei gelingt ihm das Kunststück, die Figuren immer wieder in komische Situationen zu hieven, bei allem Spaß und Slapstick aber nie Karikaturen aus ihnen zu machen. So lacht man als Zuschauer mit und nicht über die Elisabeths. Ähnlich wie beim Komödienklassiker „Cool Runnings“, wo die Abenteuer der jamaikanischen Bobpiloten auf der Eisbahn von Calgary auch deshalb beim Publikum so gut ankamen, weil sie jenseits des „cultur clash“ auch ganz universell eine Geschichte über Mut erzählen. Courage, die jeder braucht, der das Abenteuer wagt, etwas Neues und Unerwartetes auszuprobieren.

Lucien Jean-Paptiste ist jedenfalls für seinen Mut, ein Kinodebüt zu wagen, belohnt worden. 1,7 Millionen Franzosen wollten seine Winterkomödie sehen. Und auch beim ersten Auftritt in Deutschland, beim Filmfest in Hamburg, wusste der Film zu gefallen – am Ende gab es den Publikumspreis. Den hatte im letzten Jahr die französische Komödie „Willkommen bei den Sch´tis“ gewonnen. Kein schlechtes Omen für die Elisabeths.

Norbert Raffelsiefen

Jean-Gabriel, Held dieser leichten Komödie aus Frankreich, ist ein echter Luftikus: Sympathisch aber verantwortungslos, nie um eine Ausrede verlegen und nicht wirklich zuverlässig. Der von den Antillen stammende dunkelhäutige Mann ist mit der weißen Suzy verheiratet und hat drei Kinder, die mehr oder weniger integriert sind. Seine Zeit verbringt Jean-Gabriel allzu gern im Wettbüro, wo er schon mal sein ohnehin karges Monatseinkommen verspielt. Seiner Frau verspricht er daraufhin mit schöner Regelmäßigkeit eine Besserung seines Verhaltens, doch wirklich ernst meint er das nie.

Eines Tages jedoch kommt seine kleine Tochter Manon mit einem Wunsch nach Hause: Sie will Skifahren gehen, schließlich machen das auch ihre Klassenkameradinnen. Und so verspricht Jean-Gabriel seiner Familie genau das: Einen tollen Skiurlaub. Nicht mehr als ein leeres Versprechen, dass bald ebenso vergessen sein würde, wie all die anderen leeren Versprechen, die Jean-Gabriel im Laufe der Jahre gemacht hat. Diesmal jedoch will Suzy ihn nicht so leicht davonkommen lassen, zumal ihre Geduld endgültig erschöpft ist. Und so beginnt Jean-Gabriel zu improvisieren, leiht sich den Sportwagen eines Freundes dank einer kleinen Erpressung, holt sich hier ein paar Euros, dort eine Skiausrüstung und so geht es schließlich los. Allerdings ohne Suzy, die Jean-Gabriel einmal mit seinem Chaos allein lässt, ihm nicht helfen will, ihn dazu nötigt, seine Probleme alleine zu lösen. Das geht natürlich nicht ohne zahlreiche Missverständnisse, absurde Situationen und melancholischer Momente vonstatten, bis sich am Ende auch Jean-Gabriel zu einem besseren Menschen gewandelt hat.

Der Schauspieler Lucien Jean-Baptiste, der mit „Triff die Elisabeths!“ sein Regiedebüt gibt, schrieb sich die Rolle auf den Leib. Das er sich dafür acht Jahre jünger macht ist eher nebensächlich, deutlich problematischer ist es – zumindest wenn man diese Film an der Realität misst – wie sich jedes Problem, dass sich Jean-Gabriel in den Weg stellt, als letztlich irrelevant erweist, dass sich seine Leichtlebigkeit, sein unverantwortliches Verhalten letztlich in Luft auflöst. Natürlich ist dieser Film nicht mehr als eine harmlose Komödie, doch von einem Film, der dezidiert das schwierige Verhältnis der weißen Franzosen, mit einer dunkelhäutigen, von den Antillen stammenden Familie thematisiert, hätte man sich eine etwas weniger märchenhafte Darstellung gewünscht. Gerade im Skiort, zwar keine mondäne Angelegenheit, aber eben doch ein Ort, an dem auch Wohlhabende verkehren, schlägt der Familie kaum mehr als Überraschung entgegen. Der Sohn findet eine weiße Freundin, die kleine Tochter ist das Ereignis bei einem Gesangswettbewerb, den Rest erledigt die resolute Großmutter. Das ist recht amüsant anzusehen und nicht ohne Momente pointiertem Witzes, nur sollte man nicht den Irrtum begehen in „Triff die Elisabeths!“ einen realistischen Film über Rassenverhältnisse in Frankreich zu sehen.

Michael Meyns

Die Elisabeths sind eine bunt gemischte Familie. Der Vater Jean-Gabriel und die drei Kinder Yann, Manon sowie Ludo kommen von den Antillen, haben also eine dunkle Hautfarbe, die Mutter, Suzy, aus Frankreich. Alles wäre gut, wenn der Vater nicht ein solcher Luftikus wäre. Mit dem Arbeiten hat er es nicht, lieber hält er sich im Bistro auf, ist faul und döst vor sich hin oder verliert Geld bei den Pferdewetten.

Zu allem Unglück verspricht er den Kindern auch noch Skiferien in den Bergen. Das wird teuer. Die Mutter streikt denn auch, macht nicht mit. Vielleicht kann ja die Oma aushelfen – mit Geld und der in den Ferien nötigen Hausarbeit. Doch mit Letzterem täuscht sich Jean-Gabriel.

Das Ehepaar, dessen Chalet die Fünf mieten, ist von dem farbigen Besuch auch nicht gerade begeistert.

Aber sie sind nun einmal da, also muss der Urlaub gestaltet werden. Alles plätschert so vor sich hin.

Ein wenig Improvisation, ein wenig Liebe, ein wenig Streit, ein wenig Wehmut wegen der Abwesenheit von Suzy, ein wenig Gute-Nacht-Geschichten, ein wenig Verlegenheit wegen des kaputten geliehenen Autos, ein wenig Skirennen, ein wenig Schneeballschlacht, ein wenig Schlittenfahrt und vieles andere mehr.

Yann, das größte unter den Kindern, findet sogar seine große Liebe.

Und die Vermieter? Sie finden, wie zu erwarten war, Gefallen an ihren Gästen. Verbrüderung.

Suzy hält es natürlich in Paris auch nicht mehr allein aus. Sie reist an. Freude und Umarmungen.

Publikumspreis und Preis der Jury beim Festival der Filmkomödien in Alpe d´Huez.

Ein von Kindheitserinnerungen des Regisseurs inspirierter durchschnittlicher Familienfilm.

Thomas Engel