Turn me on

Filme übers Erwachsenwerden gibt es viele, aber wenige Geschichten über die sexuellen Phantasien eines 16jährigen Mädchens sind so phantasievoll umgesetzt wie der norwegische Film „Turn Me On“. Mit trockenem Humor und unterschwelligem Feminismus erzählt Debütregisseurin Jannicke Systad Jacobsen diese Geschichte, getragen von der ausgezeichneten Hauptdarstellerin Helene Bergsholm

Webseite: www.wfilm.de

Norwegen 2011
Regie: Jannicke Systad Jacobsen
Buch: Jannicke Systad Jacobsen, nach dem Roman von Olaug Nissen
Darsteller: Helene Bergsholm, Malin Bjorhovde, Beate Stofring, Matias Myren, Lars Nordtveit Listau
Länge: 76 Minuten
Verleih: w-Film
Kinostart: 8. Mai 2014

PRESSESTIMMEN:

"Ein junges Mädchen in der Provinz entdeckt seine Sexualität. Kein Film hat dieses Thema bisher so poetisch behandelt wie die norwegische Teenagerkomödie 'Turn Me On'."
Frankfurter Allgemeine Zeitung

FILMKRITIK:

Im norwegischen Dorf Skoddenheim passiert wenig, um nicht zu sagen gar nichts. Hier lebt die 16jährige Alma (Helene Bergsholm) zusammen mit ihrer allein erziehenden Mutter und denkt vor allem an Sex. Mehr als Masturbation zu Telefonaten bei einer Sex-Hotline sind aber noch nicht drin, zumal Almas großer Schwarm Artur (Matias Myren) so schüchtern ist, wie Jungs in diesem Alter eben sind.

So imaginiert Alma aufregende Treffen mit Artur, stellt sich vor, was sein könnte, nur um dann enttäuscht festzustellen, dass die Realität weniger angenehm ist. Denn nachdem bei einem Alkohol und Marihuana-seligen Dorffest doch endlich etwas zwischen ihr und Artur passiert und Alma ihren Schulfreundinnen stolz davon berichtet, will ihr niemand glauben. Schnell wird Alma zum Gespött der Klasse, findet sich als Motiv wenig schmeichelhafter Toilettengraffiti wieder und ist noch mehr allein gelassen mit ihrer Lust als zuvor.

Was leicht in schlüpfrige Richtung hätte abgleiten können, wird in „Turn Me On“ zu einem pointierten Film über das sexuelle Erwachen eines jungen Mädchens. Das liegt in erster Linie an dem weiblichen Blick, der bemerkenswert treffsicheren Regisseurin Jannicke Systad Jacobsen in ihrem ersten Spielfilm. Ohne didaktisch zu werden deutet sie die problematische Rollenzuschreibung unserer Welt an, in der von Jungs in Almas Alter sexuelle Gedanken geradezu erwartet werden, einem gleichaltrigen Mädchen aber nicht das gleiche Recht zugestanden wird.

Doch „Turn Me On“ ist kein schweres Drama, schickt Alma nicht durch große Lebenskrisen bis sie am Ende zu sich selbst findet. Statt dessen erzählt Jacobsen mit leichtem, lakonischen Gestus, der entfernt an die Filme ihres finnischen Nachbarn Aki Kaurismäki erinnert, nur ohne dessen Melancholie und Weltschmerz. Dafür hätte die junge Hauptdarstellerin Helene Bergsholm auch ein viel zu sonniges Gemüt, dass sich trotz all der Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens nicht unterkriegen lässt.

Bisweilen merkt man „Turn Me On“ zwar an, dass er ein Debütfilm ist, bedient sich Jacobsen etwas beliebig bei den üblichen Stilmitteln einer solchen Produktion (von schwarz-weißen Standbildern über von Popmusik unterlegten Montagesequenzen bis hin zu ironischem Kommentar), doch auch dank einer kurzen Spiellänge von gerade einmal 76 Minuten ist „Turn Me On“ eine überaus gelungene Coming-of-Age Geschichte.

Michael Meyns