Um jeden Preis

In seinem kraftvoll, vielschichtigen Familien-Drama „Um jeden Preis“ zeigt Independent-Regisseur Rahman Bahrani exemplarisch die zunehmend verheerenden Auswüchse industrieller Landwirtschaft. In einer Welt, geprägt von Profit und rücksichtsloser Expansion, besticht sein packendes Vater-Sohn–Melodram, angesiedelt im Mittleren Westen, der Kornkammer der USA, nicht zuletzt durch die beiden Hauptdarsteller Dennis Quaid und „High School Musical“-Star Zac Efron.

Webseite: www.umjedenpreis-derfilm.de

USA 2012
Regie: Ramin Bahrani
Drehbuch: Hallie Elizabeth Newton, Ramin Bahrani
Darsteller: Dennis Quaid, Zac Efron, Maika Monroe, Kim Dickens, Heather Graham, Clancy Brown, Chelsie Ross,Red West, Ben Marten, Dan Waller
Länge: 104 Minuten
Verleih: Concorde Filmverleih
Kinostart: 28.11.2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Der ehrgeizige Henry Whipple (Dennis Quaid) arbeitet hart. Stolz führt der hemdsärmelige Patriarch in Iowa die Farmertradition seines Vaters und Grossvaters fort. Mit dem Anbau von Weizen machten sie ein Vermögen. Doch die Zeiten werden rauer. Der wirtschaftliche Druck nimmt zu. „Expandier oder stirb“, lautet die unbarmherzige Devise der Agrarkonzerne. Damit setzen sie ihm und alteingesessenen Farmern im Mittleren Westen, der Kornkammer Amerikas, gleichsam die Pistole auf die Brust.

Dabei ist der Familienbesitz bereits mit hohen Hypotheken belastet. Zudem jagt ihm Jim Johnson, (Clancy Brown), sein ärgster Konkurrent beim Saatgutverkauf, ständig Kunden ab. Und so kämpft Henry, der als Saatgutverkäufer die Nummer eins in der Region bleiben will, gnadenlos um jedes Stück Ackerland. Zusammen mit Dean (Zac Efron), seinem widerstrebenden Sohn, fährt er deshalb zur Beerdigung eines kürzlich verstorbenen Nachbarn. Noch am offenen Grab schreckt er nicht davor zurück mit den Hinterbliebenen um ihr Land zu schachern.

Ebenso rücksichtslos betreibt Henry sein Saatgutgeschäft. Die Situation spitzt sich dramatisch zu als ihm nicht nur seine Konkurrenten im Nacken sitzen, sondern Chemiemulti Liberty seine Agenten schickt. Sie wollen ihn wegen Patentverletzung anzeigen. Grund: Der Verdacht, dass er ihre gentechnisch veränderten und dadurch gegen Unkrautmittel resistenten Nutzpflanzen zur Wiederaussaat ohne Erlaubnis weiterverkauft. Henry gerät in Bedrängnis. Dass Sohn Dean (Zac Efron) mit Leidenschaft Rennen fährt, macht die Sache nicht einfacher.

Der rebellische junge Mann träumt davon, eines Tages erfolgreicher Champion zu werden. Seine Zeit verbringt der Draufgänger deshalb lieber auf staubigen Rennstrecken als auf den Feldern der Whipple-Farm. Er glaubt zudem, die Liebe seines Vaters längst verloren zu haben. Denn der bevorzugt den Stammhalter, seinen älteren Bruder Grant (Patrick W. Stevens). Ihm rollt der Vater buchstäblich den roten Teppich aus. Grant, freilich treibt sich abenteuerlustig in der Welt herum, während Henry vergeblich auf seine Rückkehr wartet.
Jeder kann es aus eigener Kraft nach oben schaffen – dieser Glaube hält die Vereinigten Staaten von Anfang an zusammen. Regisseur Ramin Bahrani, zerpflückt diesen Mythos vom amerikanischen Traum nicht zum ersten Mal. Erneut konfrontiert seine erzählerische Klarheit dieses naive Glücks-Versprechen mit der Realität. Der in North Carolina geborene Sohn iranischer Eltern orientiert sich dabei an amerikanischen Jahrhundert-Klassikern wie „Früchte des Zorns“ und dem einmaligen Generationendrama „Jenseits von Eden“ aus Hollywoods Anfängen.

Die grandiosen Verfilmungen der Romane des sozialkritischen US-Schriftstellers John Steinbeck, die nichts von ihrer archaischen Stärke eingebüßt haben, stehen dem 38jährigen bei seinem zeitgenössischen Porträt eines anderen Amerikas Pate. Freilich kann „All American Boy“ Zac Efron sicher nicht Massenidol James Dean ersetzen. Doch der 25jährige entfaltet durchaus rebellisches Potential und beweist, dass er ernsten Rollen gewachsen ist. Seine „Teenie-Star-Vergangenheit“ hat der gebürtige Kalifornier mit den stahlblauen Augen damit jedenfalls erfolgreich abgestreift.

Dennis Quaid zeigt als verbohrt, hilfloser Patriarch, einmal mehr, seine schauspielerische Bandbreite. Der 59jährige meistert die Charakterrolle zweifellos mit Bravour. Den Welt weiten Krieg ums Saatgut, den Chemiemultis gegen Bauern führen, in seiner vollen Schärfe durchschaubar zu machen, gelingt selbst dem fesselnden Drama nicht vollständig. Wer sich freilich mit der Problematik intensiver beschäftigen will, kann auf Dokumentationen wie Bertram Verhaags „Tote Ernte“ oder „Leben außer Kontrolle“ zurückgreifen.

Luitgard Koch