Unbroken – Unbeugsam

In seiner amerikanischen Heimat gilt Louis Zamberini als beispielhafter Held, der nach seiner Kriegsgefangenschaft während des Zweiten Weltkriegs zum Glauben fand und seinen Peinigern vergab. Aus dieser Geschichte macht Angelina Jolie in ihrem zweiten Spielfilm "Unbroken" ein zwar erfreulich wenig rührseliges Biopic, das Zanberini allerdings auch zu einer modernen Jesus-Figur stilisiert.

Webseite: www.unbeugsam-film.de

USA 2014
Regie: Angelina Jolie
Buch: Ethan & Joel Coen, Richard LaGravenese, William Nicolson, nach dem Buch von Laura Hillenbrand
Darsteller: Jack O'Connell, Domhnall Gleeson, Miyavi, Finn Wittrock, Garrett Hedlund, Alex Russell
Länge: 135 Minuten
Verleih: Universal
Kinostart: 22. Januar 2015
 

Pressestimmen:

"Ein Durchhaltefilm, wie man ihn bislang noch nicht kannte, verstörend, beglückend und von geradezu schmerzhafter Intensität."
KulturSPIEGEL

FILMKRITIK:

Es ist eine sehr typische, sehr amerikanische Geschichte: Als Sohn italienischer Einwanderer lebt Louis Zanberini (Jack O'Connell) in den 20er Jahren mit Eltern und Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen. Als Einwanderer sieht er sich den Hänseleien von Gleichaltrigen ausgesetzt, vertreibt sich die Zeit mit Streichen, die seine Eltern verzweifeln lassen. Sein Weg scheint vorgezeichnet, doch die Rettung sind seine Beine: Louis kann rennen und zwar schneller als alle anderen Jugendlichen. Sein Bruder Pete (Alex Russell) erkennt sein Talent und fördert ihn, vor allem aber bläut er ihm das uramerikanische Motto ein: Du kannst alles erreichen was du willst! Du bist besser als du zu sein glaubst!

Und so kommt es auch: Louis nimmt 1936 als gerade 19jähriger an den Olympischen Spielen in Berlin teil, wo er im 5000 Meterlauf zwar nur achter wird, aber mit einer extrem schnellen Schlussrunde auch Hitler begeistert. Bei den nächsten Spielen soll seine große Zeit kommen, doch der Krieg kommt dazwischen. Als Pilot in einem Bomber ist Louis im Pazifik stationiert und wird mit seiner Crew über dem Ozean abgeschossen. 47 Tage überleben er und der Pilot Phil (Domhnall Glason) in einem Rettungsboot, dann werden sie von Japanern gerettet – und postwendend in ein Gefangenenlager gesteckt. Dort regiert der Aufseher Watanabe, genannt: Kleiner Vogel (Miyaji) mit eiserner Hand und brutalem Sadismus. Doch Louis lässt sich nicht unterkriegen.

Was Louis Zamberini diese Torturen überstehen ließ? Vermutlich eine Kombination aus vielen Elementen, doch in Angelina Jolies Lesart steht über allem Louis unzerstörbarer Wille, sein Stolz, der ihm geradezu messianische Kraft verleiht. In einer der ersten Szenen des Films sieht man Louis und seine Familie beim sonntäglichen Kirchgang, der Priester predigt von der Dialektik zwischen Gut und Böse in der Welt, zwei Elementen, die nicht ohne einander existieren können. Im Lagerkommandanten Watanabe findet Louis sein finsteres Doppel: Einen sadistischen Mann, der es liebt, die gefangenen Soldaten zu demütigen und besonderes in Louis, der seinem Blick nicht ausweicht, auch wenn er für jeden Blickkontakt geprügelt wird, einen natürlichen Feind sieht. Leider entspricht diese Figur dem oft bedienten Klischee des aus unerklärlichen Gründen sadistischen japanischen Soldaten, wie man sie aus Filmen wie "Die Brücke am Kwai" und vielen anderen kennt.

Doch so eindimensional diese Figur ist, so sehr passt sie in das eindimensionale Konzept von Jolies Film: Immer wieder inszeniert sie Louis Zamberini als Jesus-gleiche Figur, zeigt ihn in vielfältigen Kreuzigungsposen, lässt ihn immer wieder die andere Wange hinhalten oder sich stellvertretend für seine Mitgefangenen verprügeln. Die Kraft des Glaubens wird beschworen, die in dieser extremen Form allerdings eher wie ein masochistischer Opfergang wirkt. So ist "Unbroken" zwar ein stilistischer angenehm zurückhaltendes Biopic, dass nicht auf laute Musik und billige emotionale Momente setzt, dass aber auf eintönige Weise das Leiden seiner Hauptfigur durchexerziert, um diese zum modernen Messias zu stilisieren.
 
Michael Meyns