Underdog

Eine Gruppe von Hunden verbündet sich und tritt geneinsam zum Kampf gegen ihre menschlichen Unterdrücker und Peiniger an. Was thematisch an Film-Klassiker wie "Die Vögel" oder "Planet der Affen" erinnert, ist ein schonn sehr spezieller Film geworden, der zu den Ungewöhnlichsten bisher in diesem Jahr zählen dürfte. "Underdog" kommt dabei nahezu ohne digitale Effekte aus und reichert seinen Rache-Plot mit Coming-of-Age-Elementen, Gesellschaftskritik und einer Freundschafts-Nebenhandlung an.

Webseite: www.delphi-filmverleih.de

Ungarn 2014
Regie: Kornél Mundruczó
Drehbuch: Kata Weber, Kornél Mundruczó, Viktoria Petranyi
Darsteller: Zsofia Psotta, Luke und Body, Sandor Zsoter
Länge: 120 Minuten
Verleih: Delphi
Kinostart: 25. Juni 2015
 

FILMKRITIK:

Die in Budapest lebende Lili (Zsófia Psotta) verlebt mit ihrem geliebten Hund Hagen seit jeher schöne, unbeschwerte Zeiten. Alles ändert sich, als in Ungarn eine Hundesteuer für Mischlinge eingeführt wird. Damit will die Regierung die Zucht von reinrassigen Hunden fördern. Das alles wäre wohl kein allzu großes Problem, wenn nicht auch Hagen ein Mischlingshund wäre. Die Einführung des Gesetztes sorgt dafür, dass immer mehr Menschen ihre Hunde aussetzen. Auf diese Weise kommt es auch zur Trennung zwischen Lili und Hagen. Nachdem Hagen u.a. in die Fänge eines Kampfhund-Trainers gerät, landet er schließlich im Tierheim, in dem er auf andere Hunde trifft, denen ein ähnliches Schicksal widerfuhr. Sie beschließen, sich zu verbünden und einen erbitterten Rachefeldzug gegen ihre Unterdrücker zu führen. Der Beginn einer immer weiter ums sich greifenden Hunde-Revolte.

"Underdog" ist das sechste Werk des studierten Theater- und Filmregisseurs Kornél Mundruczó, der seinen Film über den Aufstand einer Gruppe von Hunden gegen ihre Feinde mit echten Tieren gedreht hat. Anders als z.B. im thematisch nicht unähnlichen "Planet der Affen: Revolution", kommt "Underdog" daher fast ohne Computeranimationen und digitale Effekte aus.  Der Film entstand größtenteils an Originaldrehorten in der ungarischen Hauptstadt und sorgte bereits im letzten Jahr  bei den Filmfestspielen von Cannes für Furore, als er in der Sektion "Un Certain Regard" mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde.

"Underdog" erweist sich als Mischung aus gesellschaftskritischem Freundschafts-Drama mit Coming-of-Age-Anleihen und spannendem Rache-Thriller der etwas anderen Art, in dem sich nicht Menschen sondern ein Verbund von Tieren rächt. Allein schon diese beachtliche Genre-Kombination sorgt dafür, dass der Film große Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Es ist aber vor allem die dringliche und konsequente Umsetzung die letztlich dafür verantwortlich ist, dass der Film – trotz einiger kleiner Verfehlungen hinsichtlich Inszenierung und Logik – hochspannend geraten ist. Dies ist zu allererst den bemerkenswerten, mitunter äußerst heftigen Action-Szenen und "Rache-Momenten" zu verdanken, in deren Zentrum reale Tiere stehen, die hier Ungeheuerliches leisten.

In dem Augenblick, in dem die gesamte Hunde-Schar geschlossen den Kampf gegen ihre Peiniger und Unterdrücker aufnimmt, sich mit diesen rasante Verfolgungsjagden durch die Straßen von Budapest leistet und sie gemeinsam in gruppendynamischen Kraftakten zur Strecke bringt, dann ist das eine beachtliche Leistung – zum einen der Tiere und natürlich auch der zahlreichen Hundetrainer, denen es gelang, die Tiere auf diese Szenen vorzubereiten. Ab und an schießt Regisseur Mundruczó in Sachen Brutalität und Intensität aber doch ein wenig übers Ziel hinaus und man fragt sich schon, ob es diese (blutgetränkte) Radikalität und Härte gebraucht hätte. Ein weitere kleine aber durchaus verzeihbare Schwäche: die Logiklöcher und unglaubwürdigen Wendungen in der Story, in denen Zufall und Glück zu häufig den Ausschlag geben.

Insgesamt aber vermag "Underdog" zu überzeugen. Zu originell und ungewöhnlich ist die Art und Weise, wie Mundruczó die Gesellschaftskritik in seine von Kreativität und Wahnwitz  zeugende Geschichte packt. Es ist eben jene, ganz spezielle und alles andere als gängige Art, in der "Underdog" Kritik übt. Kritik an Versäumnissen und Fehlern der Politik im rechtskonservativen Ungarn, an gesellschaftlicher Ausgrenzung sowie staatlich verordneter Ungerechtigkeit, die mit Hilfe von Gesetzen legitimiert wird (im Film die Hundesteuer auf Mischlinge).

Dabei vergisst Regisseur Mundruczó auch die gefühlvollen, stillen Momente nicht, die u.a. in jener ergreifenden Szenen deutlich werden, in der die kleine Lili von ihrem besten Freund getrennt wird. Wenn Hagen dann dem wegfahrenden Auto hinterherrennt und sich dieses – mit Lili auf dem Rücksitz – immer weiter von ihm entfernt, ist das eine der intensivsten Szenen des Films, die eindrucksvoll das emotionale Gespür des Regisseurs beweist.
 
Björn Schneider