Unser Leben

Eine Art Natur-Highlight-Film ist „Unser Leben“, Nebenprodukt einer BBC-Fernsehserie. In kurzen Segmenten präsentiert der Film sensationelle, betont spektakuläre Aufnahmen vom Leben unterschiedlichster Tiere in aller Welt. Inhaltlich mehr als lose zusammengehalten, mit pathetischen Kommentaren und bombastischer Musik unterlegt ist „Unser Leben“ eine optisch zwar eindrucksvolle, aber trotz der kurzen Dauer auch ermüdende Dokumentation.

Webseite: www.unserleben-derfilm.de

OT: One Life
England 2011 – Dokumentation
Regie, Buch: Martha Holmes, Michael Gunton
Länge: 85 Minuten
Verleih: Paramount
Kinostart: 15. März 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Von Kenia über Japan,nach Brasilien, weiter in den Kongo, dann nach Amerika, in die Arktis und noch mal nach Afrika. Eine Weddellrobbe, Schneeaffen, ein Silberrücken-Gorilla, ein Lämmergeier, Geparden, eine Kiesel-Kröte und vieles mehr. Jagen, rennen, springen, fressen, paaren – dramatische Situationen noch und noch. Kaum mehr als drei, vier Minuten hält es die BBC-Dokumentation „Unser Leben“ an einem Ort, dann rast sie weiter ins nächste Land, zu der nächsten Tierart, dem nächsten, möglichst noch spektakuläreren Ereignis.

Es ist ein Film wie geschaffen für eine Generation von aufmerksamkeitsgestörten Kindern, die immer wieder mit Neuem bespaßt werden müssen. Tiefergehende Informationen sind da natürlich nicht zu erwarten, der rote Faden des Films ist also zwangsläufig mehr als dünn. Ums Leben auf unserer Erde soll es gehen, von der Geburt, übers Aufwachsen, das Erlernen der wichtigsten Überlebenstechniken bis hin zum Gründen einer Familie. Besonders bei diesem Aspekt führt die Vermenschlichung der Tierwelt zu einigen Absurditäten: Ein Käferweibchen, das Kaulquappen in kleine Wassertümpel ablegt, wird da allen Ernstes als allein erziehende Mutter bezeichnet, die ihre Kinder im Kindergarten abgibt. Von den faszinierenden, außerordentlich lehrreichen Fernsehserien, die die BBC seit Jahren mit großem Erfolg produziert, ist dieser Film also weit entfernt. Was nicht zuletzt daran liegt, dass nicht der weise, alte David Attenborough seine sanfte Erzählerstimme zur Verfügung stellt, sondern mit Daniel Craig James Bond – bzw. dessen deutsche Stimme – persönlich den Kommentar spricht, der dementsprechend dramatisch daherkommt.

Trotz der sehr kurzen Laufzeit von kaum mehr als 80 Minuten stellt sich bald eine gewisse Ermüdung ein, was angesichts eines atemlosen Rasen von Höhepunkt zu Höhepunkt kaum verwundert – und umso bedauernswerter ist, als die einzelnen Segmente größtenteils von atemberaubender Qualität sind. Einmal mehr ist es den zahlreichen Kamerateams der BBC gelungen, sensationelle Bilder vom Verhalten der Tiere einzufangen. Was dadurch noch bemerkenswerter wird, als es sich teilweise nicht um große, gut sichtbare Primaten handelt, die sich auch noch angenehm langsam bewegen wie etwa Elefanten, sondern um rasend schnelle Wüstenmäuse oder winzige Insekten, die sich teils auch noch in den Kronen der Bäume aufhalten. Von solchen Wesen gestochen scharfe Bilder aus unterschiedlichsten Perspektiven einzufangen ist eine erstaunliche Leistung. Und allein wegen dieser spektakulären Bilder lohnt sich „Unser Leben“ schließlich doch. Nicht nur, dass es für einen normalen Reisenden kaum möglich ist, in die abgelegenen Regionen vorzudringen, die hier gezeigt werden, auch die Geduld, tage- oder gar wochenlang vor Ort zu warten, bis die Tiere sich endlich zeigen, hat kaum jemand. Insofern sollte man „Unser Leben“ wohl als Appetitanreger für die Fernsehserie sehen, die in ihren zehn Teilen weit über den bloßen Zusammenschnitt von Highlights, wie ihn diese Filmversion zeigt, hinausgeht.

Michael Meyns

Unter der Generalregie von BBC sind außerordentliche Dokumentarfilme über Flora und Fauna auf unserem Planeten entstanden. Das muss neidlos anerkannt werden. Jetzt warten die Macher von „Deep Blue“ oder „Unsere Erde“ mit einem neuen Spitzenfilm auf: „Unser Leben“.

Im Kommentar heißt es einmal, dass wahrscheinlich fünf Millionen verschiedene Tierarten auf der Erde leben, eine ungewöhnlich hohe Zahl (wenn sie stimmt). Ein paar dieser Exemplare, die ein besonderes Verhalten an den Tag legen, werden hier vorgestellt.

Immer wieder geht es um das eine: Nahrung beschaffen und sich fortpflanzen, sich schützen und den Nachwuchs großziehen. Wie die hier ausgewählten Tiere dies tun, und zwar auf die schlaueste, in Jahrmillionen herausgefundene Weise, das wird hier vorgeführt. Nicht weniger als 35 Kameramänner waren beteiligt, manchmal dauerten die nötigen Beobachtungen monatelang.

Wie etwa das Erdbeerfröschchen seine Quallen versorgt, das ist schon erfindungsreich; wie die Schneeaffen im heißen Wasser baden und ihr Reich verteidigen; wie die Weddelrobbe in der Arktis ihr Junges schützt; wie die Grasschneiderameisen ihren (übrigens klug belüfteten) Unterweltstaat errichten und aus Gras eine pilzartige Substanz für ihre Jungen herstellen; wie der Silberrücken-Gorilla statt der Mutter den Babysitter spielen muss; wie in Israel ein Steinbockjunges dem Fuchs entkommt; wie die Warane tagelang auf den Tod eines Büffels warten; wie Delfine eine ausgefeilte Jagdtechnik anwenden, so dass ihnen die Beute nur so ins Maul fliegt – das ist (neben vielen anderen Beispielen) schon erstaunlich. In der Regel wird das hier in fasslicher Weise vorgeführt.

Aber es wird auch nachgeholfen: mit Ausgesuchtem, mit Gestelltem, mit in Richtung Sensation für das Kino Aufbereitetem.

Trotzdem: phantastische Bilder und sehenswerte Szenen, erlebenswerte Kinostunden, Informatives über die Tierwelt, nicht zu vergessen das wirklich Wissenswerte.

Thomas Engel