Up! Up! To the Sky

Bilder von in wundervolles Sonnenlicht getauchten Landschaften, vom Himmel regnende Fische und ein junger Mann, der mit einem selbstgebauten Flugapparat ins Weltall fliegen möchte – an schöner Optik und Fantasie scheint es dem Langfilmdebüt von Hardi Sturm nicht zu mangeln. Trotz prominenter Besetzung aber funktioniert die tragische Geschichte eines Außenseiters nur bedingt – vor allem, weil nicht eingelöst wird, was sie verspricht.

Webseite: www.zorrofilm.de

Deutschland 2008
Regie: Hardi Sturm
Darsteller: Max Riemelt, Katja Riemann, Armin Rohde, Anneke Kim Sarnau, Charly Hübner
100 Minuten
Verleih: Zorrofilm
Kinostart: 10.4.2008

PRESSESTIMMEN:

Ein in einem ländlich-idyllischen Deutschland voller lyrischer Schönheit angesiedeltes Sommermärchen, das zwar den Fehler begeht, am Ende die Frage nach dem Geisteszustand seines jugendlichen Helden eindeutig zu beantworten, durch seine hochkarätige Besetzung und die dekorative Inszenierung aber gut unterhält.
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FILMKRITIK:

Verglichen mit jener Rakete, die vor kurzem Billy Bob Thornton als Freizeitkosmonaut im Film „Astronaut Farmer“ von den Brüdern Michael und Marc Polish in seiner Scheune baute, wirkt die Flugapparatur des jungen Arnold (Max Riemelt) geradezu lächerlich. Weil ein Teststart schief geht und die Nachbarn in Arnold vor allem eine Gefahr für dessen eigenes Leben sehen, scheint die Einweisung in eine Psychiatrie unausweichlich. Dort nimmt sich die junge Ärztin Wanda (Anneke Kim Sarnau) des verträumten Patienten an. Der wird langsam nervös, naht doch jener Tag, an dem ihm eine ganz bestimmte Planetenkonstellation erlauben soll, die Erde zu verlassen – so wie es vor 20 Jahren auch sein Vater tat, als er von einer Klippe sprang und verschwand.

So rätselhaft das Verschwinden des Vaters, so rätselhaft bleibt auch das Verhalten von Arnold. Sowohl seine offenbar in einer Midlife-Krise steckende Mutter (Katja Riemann) wie auch Ärztin Wanda tun so, als sei er ein ganz gewöhnlicher junger Mann. Den Spinner nimmt man Max Riemelt („Napola“, aktuell auch „Die Welle“ und „Lauf um Dein Leben“) tatsächlich nicht ab, dafür ist er zu ruhig und besonnen und wirkt insgesamt zu harmlos. Dass mit Arnold etwas nicht stimmt, demonstriert der bisher als Schauspieler und TV-Autor und –Regisseur aktive Hardi Sturm beim Billard: mit einem Stoss räumt Arnold alle Kugeln ab – einfach so, ganz selbstverständlich. So wie diese Aktion gegen jegliche Vernunft anspielt, so unverblümt rennen Drehbuch und Film wiederholt gegen ihre Glaubwürdigkeit an. Als es einmal Fische vom Himmel regnet, lässt das gleich an P.T. Andersons „Magnolia“ denken. Hier aber wirkt der Einfall plump, unbegründet und vor allem selbstgefällig umgesetzt.

Ein gewisser Hang zur Selbstgefälligkeit ist auch Katja Riemann anzulasten, deren luftiges Sommerkleid während der Fahrradfahrten zwar wunderbar den Blick auf nackte Haut freigibt, die sich ansonsten aber übertrieben genervt ob ihrer Mutterrolle wie auch den permanenten Avancen des Landarztes Emil (Armin Rohde), zugleich auch Bruder von Arnolds Vater, gibt. Immerhin Rohdes Figur erweist sich in diesem Film als bodenständig.

Statt sich auf seinen seltsamen Helden, die tieferen Gründe für sein Vorhaben und die therapeutische wie menschliche Auseinandersetzung mit seiner plötzlich gar nicht mehr professionell agierenden Ärztin zu interessieren, schweift der Film auf zwei Nebenschauplätze ab. Einmal zur Beziehung zwischen der Mutter (Katja Riemann) und ihrem Verehrer. Zum anderen zum Versuch von Wandas Ex-Freund, wieder bei ihr zu landen. Plötzlich sitzt Arnold, vom Handlungsinteresse her, zwischen den Stühlen. Wenn er schon nicht für Romantik sorgen kann, dann müssen es eben die anderen tun. Immerhin sausen aber in einem auch für ihn verdammt zärtlichen wie magischen Moment die Sternschnuppen nur so übers Firmament – ein offensichtlicher Versuch, die Geschichte als Märchen zu deklarieren. Auch wirken beim Hamburg-Besuch die Szenen im Schanzenviertel vor der Kulisse der Roten Flora ebenso abgevespert wie die immer wieder heraufbeschworenen Bilder von romantischer Sommeridylle. 

Thomas Volkmann

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Arnold (Max Riemelt) baut im Schuppen seines ländlich gelegenen Elternhauses mit Nachdruck an einer Raumrakete. Warum? Er hat das Erbe seines seit langem abwesenden Vaters immer lebendig in sich gespürt, und er hält sich sogar – für einen Alien!

Von seiner Mutter Ida (Katja Riemann), die um die Persönlichkeitsspaltung ihres Sohnes weiß, wird Arnold liebevoll umsorgt, ebenso vom gemütlichen Landarzt Emil (Armin Rohde), der noch dazu Ida gerne für sich hätte. Die allerdings trauert ihrem so gut wie verschollenen Ehemann nach. 

Arnolds Verhalten stößt immer öfter an Grenzen, und so ist anscheinend die Einweisung in die psychiatrische Abteilung des nahe gelegenen Landeskrankenhauses unumgänglich. Dort wird der sich eher fremdartig und auffällig verhaltende und von seinem Geheimnis umgebene Arnold von der jungen Ärztin Wanda (Anneke Kim Sarnau) gepflegt. Versteht sie ihn, muss sie etwa ihr wissenschaftliches Weltbild umschmeißen? Liebt sie ihn sogar?

Ein intimes, in eine schöne Landschaft gebettetes Familienbild, in dem jedoch eine Besonderheit bewältigt werden muss. Ist Arnold nur ein mit einer Marotte behafteter Einzelgänger und Sonderling, oder steckt mehr dahinter? Lebt er nicht nur in einer anderen Welt, sondern ist er aus einer anderen Welt? Was, wenn er psychisch krank wäre? Wie ihn heilen? Der Umgang mit seelisch Andersartigen oder Belasteten liefert die Problematik des Films – mit einem eher offenen Ausgang.

Der Rest ist sanftes, sensibel gestaltetes Umfeld, mehr Phantasie und Skurrilität als Realität und Verstand. 

Gespielt wird übrigens allenthalben sehr gut. Max Riemelt beweist erneut, dass ein bemerkenswerter Mime in ihm steckt. Auch bei Katja Riemann, Armin Rohde und Anneke Kim Sarnau ist das nicht anders.

Thomas Engel