Valley of Flowers

In seinem neuen Film erzählt der indische Regisseur Pan Nalin ("Samsara") eine Raum und Zeit umspannende Liebesgeschichte. In eindrucksvollen Bildern gefilmt, spannt Valley of Flowers den Bogen vom Tibet des frühen 19. Jahrhunderts zum Japan der Moderne (!) und beschwört dabei die Kraft der Liebe. Besonders überzeugend ist das immer dann, wenn er sich nicht in platter Esoterik verliert, sondern einfach den Emotionen der Geschichte vertraut.

Webseite: www.pandorafilm.com

Indien, Deutschland, Schweiz 2006
Regie, Buch: Pan Nalin
Kamera: Michael Englert
Schnitt: Sylvie Gadmer
Musik: Cyril Morin, Rajesh Roshan
Darsteller: Milind Sonam, Mylene Jampanoi, Naseeruddin Shah, Eri, Jampa Kalsang Tamang
120 Minuten, Format 1:2,35 (Scope)
Verleih: Pandora
Kinostart: 31. Mai 2007

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Tibet, Anfang des 19. Jahrhunderts. Der Bandit Jalan zieht mit seiner Bande raubend durch die Weiten des tibetischen Hochlands. Keine Karawane ist vor ihnen sicher, doch mordlüstern oder gierig ist Jalan nicht. Als ein alter Mann ihm mit der Begründung er sei doch nur ein armer Flötist keine Beute geben kann, lässt Jalan den Mann spielen, und ihn dann laufen. Eines Tages schließt sich die unfassbar schöne Ushna der Bande an, sehr zum Unwillen von Jalans Kumpanen. Doch der will Ushna nicht wegschicken, spürt er doch eine merkwürdige Verbundenheit zu der Schönheit ohne Bauchnabel. Doch ihre Liebe steht auf tönernen Füßen. Eine Wahrsagerin prophezeit ihnen Unglück, aus der die Liebenden nur einen Ausweg wissen: Sie stehlen reinen Seelen den Schatten und ihr Spiegelbild, um ihr eigenes Glück zu bewahren. Doch das Schicksal lässt sich nicht so leicht austricksen und kommt in Gestalt von Yeti, einem unerbittlichen, aber auch weisen Kopfgeldjäger immer näher. 

Im titelgebenden Tal der Blumen kommt es schließlich zur Begegnung zwischen Jäger und Gejagten, bei der Ushna stirbt, wenngleich nicht für ewig. Denn nun wechselt der Film den Schauplatz, fast unmerklich verwandelt sich der Wüstenboden Tibets in die betonierten Straßenschluchten Tokios, wo Jalan als Sterbehelfer arbeitet. Sein Unternehmen nennt er Valley of Flowers und verspricht seinen Kunden ein friedliches Entschlafen. Bis er schließlich einer Sängerin begegnet, in der er seine verstorbene, verloren geglaubte Liebe zu erkennen meint. Doch auch jetzt ist das Glück nicht von Dauer, nicht nur Jalan hat die Zeiten überdauert, auch der Yeti hat seine Jagd auf das Paar noch nicht beendet.

 

In mancherlei Hinsicht erinnert Valley of Flowers an Darren Aronofskys The Fountain. Beide beschwören die Raum und Zeit überwindende Kraft der Liebe, beide sind – auf unterschiedliche Weise – von großer visueller Kraft und beide bedienen sich einer Mystik, die manche Zuschauer von vorneherein als esoterischen Humbug abtun, andere inspiriert und originell finden werden. Im Gegensatz zu Aronofsky hat Nalin allerdings deutlich größere Probleme damit die an östliche Mythologie angelehnten Themen von Reinkarnation, mystischen Fabelwesen und ewigem Leben, in eine überzeugende Geschichte einzuflechten. Immer wieder gibt es dadurch Dialoge, die wie aus einem schlechten Esoterik-Buch abgeschrieben wirken, in denen auf so banale und oberflächliche Weise von östlicher Mystik gesprochen wird, wie man es eigentlich nur von jemandem erwartet, der überhaupt kein Gespür für diese Gedankenwelt hat. Das man dieses unbedingt mitbringen muss, um etwas mit Valley of Flowers anfangen zu können, dürfte offensichtlich sein. Denn so eindrucksvoll die Bilder der weiten tibetischen Landschaft auch sind, ohne einen Zugang zur Gedankenwelt, die Nalin hier beschwört, wird man nicht hinter die Bilder blicken können.

Michael Meyns

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Himalaya-Landschaft, 4500 Meter über dem Meer. Wir schreiben die dreißiger Jahre des 19. Jahrhundert. Jalan ist der Anführer einer Bande, die Karawanen ausraubt. Die Beutezüge sind erfolgreich, der Erlös wird geteilt. Alles geschieht in einer beeindruckenden Landschaft.

Nach einem weiteren mörderischen Raubzug taucht plötzlich die schöne Ushna auf. Sie hat ihre Karawane verlassen und will sich Jalans Truppe anschließen, weil, so sagt sie, sie Jalan im Traum gesehen habe.

Ushna kennt geheime Karawanenwege, und so kommt es, dass die Bande während einiger Zeit noch größere Fänge macht. Jalan und Ushna lieben sich mit jedem Tag mehr. Allmählich wachsen in der Truppe Neid und Eifersucht.

Dann hebt das Liebespaar völlig ab. Es kümmert sich nicht mehr um die Männer und die Raubzüge, sondern nur noch um Lebensgeheimnisse, um Unsterblichkeit, um Wiedergeburt, um Ewigkeitselixiere, um Übernatürliches, um neue Erfahrungen zu zweit.

Der weltkluge Yeti erfährt von den Abenteuern der beiden und nimmt mit drei erfahrenen Kopfgeldjägern die Verfolgung auf. Später sagt er einmal im Zusammenhang mit Jala und Ushna, er müsse „das Gleichgewicht wieder herstellen“.

Dann werden die beiden getrennt. Werden sie sich je wiederfinden? Es vergehen nicht nur Jahre, sondern Jahrhunderte. Jalan und Ushna wollen aus übergroßer Liebe unsterblich sein. So erleben wir sie nach fast 200 Jahren im modernen Tokio. Wird aber das erwähnte „Gleichgewicht“ die Unsterblichkeit der beiden zulassen?

Kein einfacher Film. Er ist voller Parabeln, Geheimnisse, Rätsel – und er ist bis zu einem gewissen Grade auch sehr schwer verständlich. Es fehlt nicht der pseudoreligiös-pseudophilosophische, sich im Über- und Unnatürlichen tummelnde Spieltrieb des Regisseurs.

Entschädigt wird man durch die großartige Szenerie. Fast alles spielt sich in der überwältigenden Himalaya-Gebirgswelt ab. Man kommt aus dem Staunen kaum heraus.

Eine Liebesgeschichte für Liebhaber mysteriöser, irrealer Stoffe.

Thomas Engel